Neuapostolische Gemeinde in Ökumene anerkannt
Jahresempfang eine „Sternstunde“ interreligiöser Begegnungen

Mit einem kleinen Geschenk bedankten sich die IKVP-Vorsitzende Marita Emrich (von rechts) und der Gemeindeleiter der Neuapostolischen Gemeinde, Dr. Volker Stagge, bei der ACK-Geschäftsführerin Dr. Verena Hammes für ihr interessantes Referat. | Foto: Elisabeth Steinbüchler
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  • Mit einem kleinen Geschenk bedankten sich die IKVP-Vorsitzende Marita Emrich (von rechts) und der Gemeindeleiter der Neuapostolischen Gemeinde, Dr. Volker Stagge, bei der ACK-Geschäftsführerin Dr. Verena Hammes für ihr interessantes Referat.
  • Foto: Elisabeth Steinbüchler
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Rundum gelungen, sehr informativ und dabei durchaus auch unterhaltsam war der diesjährige Pfaffenhofener Jahresempfang der Religionen und Kulturen am Freitagabend in der Neuapostolischen Kirche an der Schießstätte. Die zahlreichen Gäste sparten nicht mit Applaus für die Referentin sowie die Verantwortlichen des Abends und waren bei den anschließenden Gesprächen am leckeren Buffet voll des Lobes für diese „Sternstunde“ interreligiöser Veranstaltungen.

Zusammen mit dem Internationalen Kulturverein Pfaffenhofen (IKVP), der mit dem Jahresempfang seine diesjährigen Interkulturellen und Interreligiösen Wochen beendete, war die Neuapostolische Gemeinde Gastgeber des Abends. Ihr Weg von einer isolierten, streng dogmatischen Kirche in ein offenes und anerkanntes Mitglied in der örtlichen Ökumene der christlichen Gemeinden war das spannende Thema des Abends.

Gemeindevorsteher Dr. Volker Stagge hatte keine Referentin aus den eigenen Reihen, sondern eine Katholikin eingeladen, die sich mit ihrem höchst informativen Vortrag als Glücksgriff erwies: Dr. Verena Hammes widmet sich schon seit ihrer Jugend dem Thema Ökumene und arbeitet seit sieben Jahren als Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). „Brücken bauen statt Grenzen ziehen: Die Neuapostolische Kirche im ökumenischen Dialog“ hatte sie ihr hochinteressantes Referat überschrieben.

Die Neuapostolische Kirche hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert – auf deutscher Ebene ebenso wie in Pfaffenhofen. War sie früher sehr zurückgezogen, ist sie heute offen, zugänglich und Teil der Ökumene. Seit einigen Wochen gehört sie nun ganz offiziell als Vollmitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) an.

In Pfaffenhofen gibt es die Neuapostolische Kirche seit 1956, also seit 70 Jahren. So weit zurück reichte die Erinnerung von Bürgermeister Thomas Herker naturgemäß nicht, aber er wusste: „Vor 35 Jahren wart ihr den Pfaffenhofenern noch sehr suspekt – heute kennt und schätzt man sich.“ Er fügte hinzu, dass „der interreligiöse Dialog mit den Akteuren steht und fällt“, und dankte allen, die sich in der Ökumene und im interreligiösen Dialog engagieren.

Auch die Öffnung der Neuapostolischen Kirche in Pfaffenhofen ist vor allem einem „Akteur“ zu verdanken: Dr. Volker Stagge leitet die Gemeinde seit fast 20 Jahren, und eine Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Kirchen vor Ort war ihm von Anfang an ein Anliegen. So ist die Neuapostolische Gemeinde schon seit einigen Jahren ganz selbstverständlich an ökumenischen Einweihungsfeiern, Friedensgebeten usw. beteiligt.

Darüber hinaus war und ist auch ein gutes Miteinander mit anderen Religionsgemeinschaften und Kulturen für Volker Stagge wichtig. Wie Sepp Steinbüchler im Namen der „Arbeitsgemeinschaft Tisch der Religionen und Kulturen“ im IKVP erklärte, arbeitete Stagge von Anfang an im Internationalen Kulturverein mit und beteiligte sich mit seinen Gemeindemitgliedern aktiv an den Interkulturellen und Interreligiösen Wochen. „Mit eurem Tun und Wirken bereichert ihr alle das kulturelle und geistige Leben in Pfaffenhofen“, betonte Steinbüchler und bedankte sich für das langjährige Engagement und die Offenheit, durch die wertvolle Beziehungen und Freundschaften entstehen konnten.

„Wer Brücken bauen will, muss bereit sein auf andere zuzugehen und auch mal den eigenen Standpunkt zu überdenken“, betonte Andreas Sargant, der als „Apostel“ in der Neuapostolischen Kirche für München und die Umgebung samt Pfaffenhofen zuständig ist. Die Veränderungen in seiner Kirche bedeuteten nicht unbedingt, dass Bewährtes aufgegeben werden müsse, meinte Sargant, sondern dass man bereit sei, Neues kennenzulernen und aufeinander zuzugehen.

„Eine christliche Kirche hat auch Verantwortung nach außen“, fügte Volker Stagge hinzu und nannte als Beispiel die Notfallseelsorge, in der mehrere Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde aktiv sind. Stagge stellte seine Gemeinde, die heute 240 Mitglieder zählt, und einige Funktionsträger kurz vor. Neben ihm als Gemeindevorsteher gibt es sechs Priester und eine Priesterin, vier Diakone und zwei Diakoninnen. Das Kirchengebäude an der Schießstätte wurde vor drei Jahren komplett durch einen Neubau ersetzt. Ganz neu ist die Orgel. Eine wichtige Rolle in den Gottesdiensten spielt die Musik, und eine Kostprobe davon gab das Flötenensemble der Gemeinde, das den Jahresempfang musikalisch begleitete.

Der Weg in die Ökumene
Was ist eigentlich Ökumene, was ist die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und wie hat sich die Neuapostolische Kirche verändert? Die ACK-Geschäftsführerin Dr. Verena Hammes beantwortete in ihrem Vortrag beim Jahresempfang der Religionen und Kulturen viele grundsätzliche Fragen und erläuterte die Hintergründe ebenso informativ wie unterhaltsam.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen wurde 1948 quasi als Friedensprojekt gegründet mit der Zielsetzung, dass die Kirchen nie wieder schweigen dürfen, wie sie es im Nazi Regime getan haben. In der ACK haben sich mittlerweile 25 christliche Kirchen zusammengeschlossen.

Die Neuapostolische Kirche in Deutschland entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Sie blieb viele Jahrzehnte sehr zurückgezogen und isoliert, da sie einen extremen Absolutheitsanspruch hatte. Erst in den 90er-Jahren begann sie sich zu öffnen. Sie änderte sich selbst und damit auch ihre Beziehung zu den anderen christlichen Kirchen, die sie nun als Geschwisterkirchen anerkennt. 2019 wurde die Neuapostolische Kirche Gastmitglied in der ACK, und vor kurzem erhielt sie die Vollmitgliedschaft.
Die ACK-Geschäftsführerin meinte dazu: „Das ist nicht der Schlusspunkt, sondern damit geht’s erst richtig los.“ Die Öffnung der Neuapostolischen Kirche bezeichnete sie als „faszinierendes Fallbeispiel“ und stellte die Frage in den Raum, ob dieser Weg der „Kirche in Bewegung“ womöglich auch Vorbild für die Reformfähigkeit anderer Kirchen sein könne.

Autor:

Internationaler Kulturverein Pfaffenhofen (IKVP) aus Pfaffenhofen

Rot-Kreuz-Straße 2, 85276 Pfaffenhofen
+49 8441 7869227
info@ikvp-paf.de

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