30 Jahre Stadtbus
30 Jahre unterwegs für Pfaffenhofen
- Der Stadtbus ist aus dem täglichen Leben in Pfaffenhofen nicht mehr wegzudenken.
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Es ist kurz vor acht Uhr morgens am Hauptplatz. Überall in Pfaffenhofen steigen Bürgerinnen und Bürger in den Stadtbus ein, Pendler fahren zum Bahnhof, ältere Menschen erledigen ihre Einkäufe, Eltern bringen die Kleinsten zum Kindergarten. Der Stadtbus gehört heute so selbstverständlich zum Alltag in Pfaffenhofen, dass kaum noch jemand darüber nachdenkt. Dabei steckt hinter dieser Selbstverständlichkeit eine Geschichte, die vor 30 Jahren begann.
Auch wenn der Landkreis grundsätzlich für den ÖPNV zuständig ist, kümmert sich die Stadt seit 1996 selbst um die Beförderung ihrer Bürgerinnen und Bürger im Stadtgebiet. Als Mitte der 1990er-Jahre die ersten Stadtbusse durch Pfaffenhofen rollen, ist längst nicht jeder überzeugt. Eine Linie verbindet Niederscheyern über den Bahnhof und Hauptplatz mit Sulzbach. 17 Haltestellen, ein Fahrpreis von einer D-Mark – mehr ist es zunächst nicht. Der damalige Bürgermeister Hans Prechter wirbt 1996 mit einem handfesten Argument: „Für so wenig Geld kann Ihr Auto Sie nicht durch Pfaffenhofen oder zum Bahnhof transportieren.“ Wenn sich seither auch vieles verändert hat, diese Aussage ist immer noch richtig.
Die Stadt wächst und der Stadtbus wächst mit
Mit der Stadt entwickelt sich auch ihr Nahverkehr. Neue Wohngebiete entstehen und weitere Linien kommen hinzu. Dabei zeigt sich früh: Öffentlicher Nahverkehr ist niemals fertig. Leserbriefe, Bürgervorschläge und politische Diskussionen begleiten den Stadtbus über die Jahrzehnte. Seine Geschichte erzählt daher auch die Geschichte einer Stadt im Wandel.
Sie wünschen – wir liefern
2010 stellt die Stadt das gesamte System auf den Prüfstand. Fahrgäste werden gezählt, Haushalte befragt, Busfahrer und Kontrolleure – ja, die gab es damals noch – bringen ihre Erfahrungen ein. Die hohe Beteiligung zeigt: Der Stadtbus ist den Menschen längst wichtig geworden. Aus den Rückmeldungen entsteht ein grundlegend überarbeitetes Verkehrskonzept, das 2012 umgesetzt wird. In diesem Zeitraum kommt der Pfaffenhofener Busbetrieb Stanglmeier als Partner dazu. Bürgermeister Thomas Herker überlegt schon damals, ob die Stadt einen solchen Busbetrieb auch selbst übernehmen könnte. Noch war die Zeit dafür allerdings nicht gekommen, sollte jedoch Jahre später wieder aktuell werden.
Die Gartenschau gibt den Startschuss
Der Startschuss für den kostenlosen Stadtbus fällt im Vorfeld der Kleinen Landesgartenschau 2017. Die Stadtverwaltung bringt die Idee ins Spiel, die Busse vom 1. Mai bis 31. August kostenlos fahren zu lassen. Weil der Volksfestplatz zur Ausstellungsfläche wurde und somit als Parkplatz wegfiel, sollte der Stadtbus helfen, den zusätzlichen Verkehr zu bewältigen. Bürgermeister Herker bringt die Hoffnung auf den Punkt: Nur so können wir „ein eventuelles Verkehrs-Chaos umschiffen“ und zugleich dem einen oder anderen „dauerhaft Lust auf den Stadtbus machen“. Das Experiment lässt sich die Stadt einiges kosten: Auf rund 20.000 bis 30.000 Euro an Fahrgeldeinnahmen verzichtet sie für die vier Monate. Der Versuch funktioniert. Nur ein gutes Jahr später entscheidet der Stadtrat, den Stadtbus dauerhaft kostenlos anzubieten. Seit Dezember 2018 benötigen Fahrgäste keinen Fahrschein mehr. Die Entscheidung sorgt weit über Pfaffenhofen hinaus für Aufmerksamkeit. Der Bayerische Rundfunk berichtet über die „coolste bayerische Kleinstadt“.
2023 schafft es der Pfaffenhofener Stadtbus sogar bis auf den Nockherberg. Fastenredner Maxi Schafroth lobt den „Pragmatismus in der Kommunalpolitik“ und macht sich zugleich liebevoll über den kostenlosen ÖPNV in „Pfahofa“ anerkennend lustig: Stadt- und Expressbus seien praktisch eine „fahrende Wärmestube“. Ein eher ungewöhnlicher Weg zur über Bayerns Grenzen hinausgehende Bekanntheit des Pfaffenhofener Stadtbusses.
Kostenlos für die Fahrgäste heißt allerdings nicht kostenlos für die Stadt. Über die Fortführung entscheidet der Stadtrat regelmäßig neu, immer auch mit Blick auf die Haushaltslage. Der Nulltarif bleibt damit eine politische Aussage darüber, welchen Stellenwert öffentlicher Nahverkehr für die Lebensqualität Pfaffenhofens haben soll.
Aus dem Stadtbus wird ein Mobilitätssystem
Die Stadt überträgt 2020 die Organisation, also die Linienplanung und den Fahrplan des Stadtbuses, auf die Stadtwerke. Zwei Jahre später nimmt die Stadtbus Pfaffenhofen GmbH als 100-prozentige Tochter der Stadtwerke ihre Arbeit auf. Das Mobilitätsangebot ruht heute auf zwei Säulen: dem klassischen Linienverkehr und dem flexiblen On-Demand-Expressbus. Während die Linienbusse feste Routen und Fahrpläne bedienen, lassen sich die Expressbusse bedarfsgerecht per App oder Telefon anfordern.
Auch Herkers Vision wurde in diesem Zuge teilweise Realität: Während das Unternehmen Stanglmeier den Linienbus weiter betreibt, übernimmt die eigene Stadtbusgesellschaft die Expressbusse mit der eigenen Belegschaft. Dadurch ist der Stadtbus ein gutes Stück näher an einen „eigenen“ Busbetrieb herangerückt.
Doch Mobilität endet längst nicht mehr an der Bushaltestelle. Sharing-Angebote vom Kleinbus über den Pkw bis hin zum E-Lastenrad ergänzen den Stadtbus zu einem Mobilitätsverbund, bei dem je nach Weg und Anlass das passende Verkehrsmittel zur Verfügung steht.
Das neue Kapitel der Stadtbusgeschichte
Und die Entwicklung geht weiter. Auch der von Stanglmeier Touristik betriebene Linienverkehr soll künftig elektrisch werden. Die ersten E-Busse sind bereits bestellt. Damit beginnt das nächste Kapitel der Pfaffenhofener Stadtbusgeschichte.
Der Blick zurück erzählt weit mehr als neue Linien und Fahrpläne. Er erzählt von einer Stadt, die gewachsen ist und ihre Mobilität immer wieder neu gedacht hat. Alexander Schneider, Geschäftsführer der Stadtbus Pfaffenhofen GmbH, fasst zusammen: „30 Jahre Stadtbus zeigen, dass gute Mobilität nie fertig ist. Wir nehmen das Beste aus dieser Geschichte mit und denken den Rest neu.“
Mehr als nur von A nach B:
Was nicht im Stadtbus-Fahrplan steht
Fahrpläne sind eine ziemlich nüchterne Angelegenheit. Linien, Haltestellen, Abfahrtszeiten. Was nicht darin vorkommt: Schneestürme, Umzüge, Kuchenstücke, Teppiche und Freundschaften, die auf dem Weg zum Hauptplatz entstehen. Wer einen Stadt- oder Expressbus durch Pfaffenhofen fährt, erlebt eben mehr als nur die Fahrt von A nach B.
Da wäre zum Beispiel jener Wintertag, an dem der Schnee die Straßen fest im Griff hat. An der Bushotline meldet sich ein Passagierin. Der Stadtbus sei verspätet, und das enttäusche sie nun wirklich. Schließlich sei sie heute ganz bewusst auf den ÖPNV umgestiegen und habe ihr Auto stehen lassen, weil sie bei diesem Wetter selbst nicht mehr durchkomme. Dass der Bus auf genau denselben verschneiten Straßen unterwegs war, spielte offenbar keine Rolle.
Noch mehr Improvisationstalent verlangte eine Buchung des Expressbusses. In der App stand: „Zwei Personen, einmal Gepäck.“ Eigentlich eine Routinefahrt. Doch als der Fahrer die Haltestelle erreichte, warteten dort zwei Damen – allerdings nicht allein. Um sie herum: Koffer, Bettzeug, Möbelstücke und ein Teppich. Die beiden wollten umziehen. Nun kann ein Expressbus einiges. Als Umzugswagen ist er eher nicht konzipiert. Also wurde kurz überlegt, sortiert und schließlich eine Lösung gefunden. Die Damen durften mitfahren. Und welches der vielen Dinge als das eine angemeldete Gepäckstück gelten sollte, war am Ende auch geklärt: der Teppich.
Eine Dame bringt „ihrem“ Busfahrer immer wieder Kuchen mit. Der nächste freut sich über das Gesicht der Busfahrerin, die immer diese Linie fährt und freundliche Worte zur Begrüßung und zum Abschied der Fahrgäste findet.
Mehrere ältere Damen haben sich bei ihren Fahrten mit dem Expressbus kennengelernt. Sie wohnen nicht beieinander, keine hat einen Führerschein. Ohne eine Fahrmöglichkeit wäre der Weg in die Stadt für sie schwierig. Heute haben sie daraus einen festen Termin gemacht. Einmal in der Woche geht es gemeinsam mit dem Expressbus in die Stadt zum Kaffeetrinken. Ohne ihn, sagen die Damen, würden sie sonst kaum noch „rauskommen“.
Manchmal geht es um ein Stück Kuchen und manchmal um einen Teppich, der unbedingt mit muss. Und manchmal schlicht darum, dass jemand am Dienstag nicht allein zu Hause sitzt, sondern mit ein paar Bekannten zum Kaffeetrinken fährt. Das steht in keinem Fahrplan.
Autor:PAF und DU Redaktion aus Pfaffenhofen |
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