Mit Video: Gegen das Vergessen und für mehr Bewusstsein - Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Pfaffenhofen offiziell übergeben

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Das Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Pfaffenhofen wurde am Freitagabend, 26. September, im Rahmen einer Feierstunde auf dem Platz neben dem Haus der Begegnung offiziell seiner Bestimmung übergeben. Vor zahlreichen Besuchern erläuterten Bürgermeister Thomas Herker und Stadtrat Reinhard Haiplik die Beweggründe zur Errichtung des Denkmals und der Künstler Thomas Neumaier stellte seine Konzeption vor. Musikalisch stimmungsvoll umrahmt wurde die Feier durch das Klarinettenquartett „Max-4-Sax" mit Max und Johannes Penger, Susanne Reindl und Rainer Maier.
„Müssen wir uns 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch an die Täter und Opfer erinnern?“ zitierte Thomas Herker eine Frage von Kritikern des Denkmals. Und er beantwortete sie mit einer Gegenfrage: „Was würde man sagen, wenn man sich nicht mehr an die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs und das Schicksal der Heimatvertriebenen erinnern würde?“ Es gehe nicht darum „Asche aufs Haupt zu streuen“, so Herker weiter, sondern mit dem Denkmal solle gezeigt werden, „dass sowohl die Täter als auch die Opfer aus unseren Reihe kamen“. So sei das Denkmal „nicht als Geißel“ gedacht, sondern es solle Bewusstsein schaffen und aufrechterhalten.
Thomas Herker dankte allen Beteiligten und erläuterte, dass schon 1998 der Stadtrat dem Antrag von Reinhard Haiplik auf Errichtung eines Denkmals für die NS-Opfer zugestimmt hatte. 15 Jahre hatte es gedauert, bis der richtige Platz und das richtige Konzept gefunden waren, das nun realisiert werden konnte.
„Vergessen und Schweigen hätten Viele vorgezogen, doch wir haben seit Jahren einen anderen Weg eingeschlagen“, erklärte Reinhard Haiplik. Er berichtete über seine langwierigen Recherchen für sein Buch „Pfaffenhofen unterm Hakenkreuz“, bei denen er auf viel Kritik und viel Schweigen stieß. „Dabei wurde mir bewusst, wie sehr Pfaffenhofen in den Nationalsozialismus verstrickt war. Aber ich bin auch auf Menschen gestoßen, die passiven oder aktiven Widerstand leisteten.“
So sei der Gedanke entstanden, ein Denkmal für die Opfer des NS-Terrors zu errichten, denn „zur Lokalgeschichte gehören auch die dunklen Seiten und man muss sich ihnen stellen“. Heute, so fügte Reinhard Haiplik hinzu, sei er überzeugt, dass die meisten Pfaffenhofener die NS-Diktatur weder vergessen noch verschweigen wollen. Und da weise „dieses Mahnmal einen sinnvollen Weg, damit umzugehen“.
„Wir brauchen die Erinnerung, um die Zukunft gestalten zu können“, betonte der Künstler Thomas Neumaier aus Ingolstadt, der das Denkmal konzipiert und gestaltet hatte. Drei große Ziele möchte er mit dem Denkmal erreichen: den Opfern ihre Würde zurückgeben, eine Wiederholung verhindern, Verständnis und Solidarität wecken. Es gehe längst nicht mehr um Schuldzuweisung, denn “niemand ist verantwortlich für die Taten seiner Vorfahren“. Vielmehr, so betonte Neumaier, „wäre Schweigen eine Schande“.
Der Künstler erläuterte sein Konzept mit dem leuchtend roten Stahlträger, der sich „wie eine riesige Akupunkturnadel“ durch das Gebäude bohrt, und mit den Bildertafeln und exemplarischen Lebensläufen von Tätern und Opfern.
„Es geht um Erinnerung als Element zur Gestaltung der Zukunft“, erklärte Thomas Neumaier. Und mit Blick auf die Gegenwart, den IS-Terror und die Flüchtlinge auf Asylsuche gehe es um „mehr Toleranz und Widerstand gegen Fremden- oder Rassenhass“.
Den sonst bei offiziellen Feiern meist üblichen Sektempfang gab es an diesem Abend nicht. Stattdessen lud ein großer Korb voller Äpfel zum Zugreifen ein –bezugnehmend auf den „Apfelpfarrer“ Korbinian ‚Aigner, dessen großformatiges Bild an der Südseite des Hauses der Begegnung ein wichtiger Teil des Denkmals ist. Bürgermeister Thomas Herker lud die Gäste ein, sich einen Apfel schmecken zu lassen – auch wenn er „nicht dafür bürgen kann, dass der Konsum zur Erkenntnis führt“.

Autor:

Kulturamt Pfaffenhofen aus Pfaffenhofen

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