Von Stellwagenfahrten zum Stadtbus: Mobilität in Pfaffenhofen in zwei Jahrhunderten

Kutsche und Eisenbahn ermöglichten im 19. Jahrhundert größere Mobilität (1870).
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Im Weihnachtsgruß des Bezirksamtsblatts Pfaffenhofen 1884 beklagte der Autor die Schnelllebigkeit und Hektik der Zeit und sehnte sich nach der Ausgeglichenheit und Ruhe früherer Jahre. Ein Thema das in Zeiten von ICE, DSL und BIC aktueller denn je erscheint. Ein Blick zurück in die Geschichte der Mobilität in Pfaffenhofen macht die großen Veränderungen in den letzten eineinhalb Jahrhunderten deutlich.

Alltag und Geschäftsleben im beschaulichen Tempo

Das Tempo der Geschäfts- und Arbeitswelt war bis vor 150 Jahren von ganz anderer Bedeutung als heute. Der Transport von Personen und Gütern erfolgte über Wagen und Kutschen auf hölzernen Rädern, viele Orte konnten die Menschen nur zu Fuß erreichen. Bis zum Einzug technischer Neuerungen gegen Mitte des 19. Jahrhunderts blieb das Tempo über Jahrhunderte unverändert niedrig, war aber vertraut.

Botengänge und Stellwagenfahrten erschließen neue Räume

Schon im 18. Jahrhundert bestanden Verbindungen von Pfaffenhofen in benachbarte Großstädte wie München, Ingolstadt oder Augsburg. Boten transportierten damals im Auftrag der Bevölkerung Waren und Gegenstände. Erste Fortschritte in der Mobilität der Bevölkerung brachten Stellwagenfahrten, auf denen bis zu 10 Personen gleichzeitig mitreisen konnten.

Die Eisenbahn als Mobilitätsmotor

Der - ursprünglich aus militärischen Gesichtspunkten heraus - erfolgte Bau der Eisenbahnlinien schuf neue Möglichkeiten der Mobilität. Mit der Eröffnung der eingleisigen Bahnlinie München-Treuchtlingen am 14. November 1867 rückten die Großstädte München und Ingolstadt näher an die 2500 Einwohner zählende Stadt Pfaffenhofen heran.
In drei Wagenklassen erreichte die Bevölkerung binnen einer Stunde diese Metropolen Bayerns, lernte die Geschäftswelt der Großstädte kennen und pendelte zum Arbeiten dorthin. Umgekehrt griffen Firmen der Großstädte auf die ländlichen Räume aus und etablierten Niederlassungen in Pfaffenhofen. Schnell entwickelte sich Mobilität in beide Richtungen und das Tempo des Lebens wurde höher.

Fahrräder und Autos: Beginnende Mobilität des Einzelnen zum Ende des 19. Jahrhunderts

Die Bevölkerung profitierte von technischen Erfindungen des 19. Jahrhunderts und gelangte zunehmend in den Genuss persönlicher Mobilität. Die ersten Velozipede in Pfaffenhofen waren in den 1880-er Jahren zu sehen und durchquerten „in rasender Geschwindigkeit“ Straßen und Hauptplatz, wie die zeitgenössische Presse berichtete. Ein Tempo, das höher als Fußgängergeschwindigkeit war, kannte die Bevölkerung nicht. Schon bald darauf tauchten knatternd die ersten Automobile auf. Zunächst von auswärtigen vermögenden Herren und adeligen Damen gesteuert fuhren sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Staunen der Bevölkerung über den Hauptplatz und durch die Weilhammer Klamm nach München. Ein neues Zeitalter war angebrochen.

Freie Fahrt für alle! Massenmotorisierung und Reisewelle in Pfaffenhofen

Was gegen Ende der 1930-er Jahre mit der Einführung des KdF („Kraft durch Freude“)-Wagens in Deutschland geplant war, die Massenmotorisierung der Bevölkerung, wurde im Lauf der 1950-er Jahre Wirklichkeit. Immer mehr Zweiräder, Kleinwagen und Automobile überquerten den Hauptplatz und dokumentierten sowohl den gewachsenen Wohlstand im Wirtschaftswunderland als auch die Mobilität des Einzelnen. Die Pfaffenhofener entdeckten Italien als Urlaubsziel, umgekehrt kamen aber auch viele auswärtige Besucher in die Stadt und sorgten für ein reges Treiben auf dem Campingplatz. Autokennzeichen aus ganz Europa und den USA machten dort die Globalisierung des Verkehrs sichtbar.
Ungeachtet dieser Entwicklung bekam der öffentliche Personennahverkehr in den letzten Jahrzehnten mehr Gewicht. Die 1996 eröffneten Stadtbuslinien richten den Blick wieder auf den Lebensraum des Einzelnen.

Autor:

Stadtarchiv Pfaffenhofen an der Ilm aus Pfaffenhofen

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