Die Anfänge von „Pfaffenhofen international“

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Die Stadt Pfaffenhofen und ihre Bewohner hatten in früheren Jahrhunderten nur vereinzelt Verbindungen ins Ausland und Berührungspunkte mit anderen Ländern. Sowohl Kriegszeiten als auch Phasen technischer Errungenschaften brachten Menschen aus dem benachbarten Ausland in unseren Raum. Zugleich veranlassten diese Entwicklungen aber auch Einheimische, sich aus unterschiedlichen Motiven heraus in einem fremden Land eine neue Existenz aufzubauen. Insbesondere seit dem 19. Jahrhundert sind ganz unterschiedliche Facetten internationaler Beziehungen zwischen Pfaffenhofen und Ländern verschiedener Kontinente erkennbar.

Vor über 100 Jahren: Internationale Stars und kulinarische Delikatessen aus dem Ausland kommen nach Pfaffenhofen

Eines der ersten großen Highlights aus dem Ausland war im August 1884 „C. Merkel’s großer amerikanischer Circus“, der auf der Wiese unter dem Amberger Keller, heute Standort des Vermessungsamts Pfaffenhofen, in einem 6000 Personen fassenden Riesenzelt zwei vielbestaunte Vorstellungen gab. Er präsentierte den Pfaffenhofenern exotische Tiere wie Elefanten, Dromedare, Tiger oder Zebras und viel internationale Akrobatik. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten brachten Zirkusvorführungen wie „Montenegro’s Grand Menagerie“ aus Spanien neues Flair in die Stadt.
Auch kulinarische Spezialitäten aus dem Ausland wurden schon im 19. Jahrhundert in Pfaffenhofen angeboten. In der Auenstraße eröffnete 1894 Gottlieb Pauluzzi einen Fachhandel mit italienischen Weinen, längst gab es bei Josef Gilg kubanische Zigarren oder bei Carl Haggenmüller amerikanische Nähmaschinen zu kaufen.

Auswanderung in die „Neue Welt“ seit dem 19. Jahrhundert: Pfaffenhofener erobern Amerika

Bereits im 19. Jahrhundert begann die Welt „mobiler“ zu werden. Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen aber auch durch die Angebote großer Reedereien, nach Nordamerika oder Australien auswandern zu können, ließen es sich Tausende nicht nehmen, ihr Glück in Übersee zu suchen. Auch aus der Stadt Pfaffenhofen machten sich nach 1850 zahlreiche Menschen auf, um sich in Amerika eine neue Existenz aufzubauen oder ein Unternehmen zu gründen.
Der frühere Schriftsetzer der Ilmgaudruckerei Johann Lehner erfüllte sich in den 1920-er Jahren seinen Herzenswunsch. Er wollte Pfarrer werden, jedoch fehlten ihm anfangs die finanziellen Mittel. Deshalb arbeitete er zunächst in München und später in Pfaffenhofen als Schriftsetzer, wo er als Mitglied des hiesigen Gesellenvereins mit Geistlichen in Kontakt trat. 1926 bot sich ihm die Möglichkeit, in den Orden der Kapuziner einzutreten und als Missionar in Chile zu arbeiten.
Eine ganz andere Sparte schlug der Pfaffenhofener Rudi Krammel ein. Am Hofberg geboren und aufgewachsen machte er sich im August 1928 auf nach Amerika und arbeitete zunächst als Schlosser in Milwaukee. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er dort die „Rudi Krammel machine Company“, eine Spezialfirma für Bagger und Hochkranbau, die mehr als 60 Mitarbeiter zählte und den Pfaffenhofener zum erfolgreichen Geschäftsmann machte.

Die ersten Gastarbeiter in der Kreisstadt

Mit zunehmender Mobilität und ersten Programmen zum internationalen Wirtschafts- und Kulturaustausch kamen nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten „Werkstudenten“ nach Pfaffenhofen. Vier Iraner arbeiteten im Jahr 1955 im Rahmen eines Entwicklungsprogramms ihres Landes für ein Jahr als landwirtschaftliche Arbeiter im Landkreis Pfaffenhofen und lernten die dortigen modernen Formen der Landwirtschaft kennen. Ibrahim Sertbas kam Anfang 1956 als erster türkischer Staatsbürger in die Kreisstadt. Als Werkstudent stellte er bei der Firma Herion Werkzeuge her und konnte auf diese Weise seine Fachkenntnisse verbessern.
Im Zuge der einsetzenden Vollbeschäftigung in den frühen 1960-er Jahren wurden durch die einheimischen Großbetriebe ausländische Arbeiter angeworben, um den Arbeitskräftemangel zu überwinden. Zugleich bildete dies den Anfang für den dauerhaften Aufenthalt ausländischer Familien in Pfaffenhofen, deren Nachkommen zum Teil in der dritten Generation in der Stadt leben und hier zuhause sind.

Autor:

Stadtarchiv Pfaffenhofen an der Ilm aus Pfaffenhofen

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