Hinab ins Verborgene

Der Bunker, der lange unter strengster Geheimhaltung stand und der Kenntnis der Zivilbevölkerung verborgen blieb, wurde erst 2014 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
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  • Der Bunker, der lange unter strengster Geheimhaltung stand und der Kenntnis der Zivilbevölkerung verborgen blieb, wurde erst 2014 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
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Wer hinabsteigt in die düsteren und teilweise wenig bekannten Räume und Gänge, die sich unter Pfaffenhofens Oberfläche verbergen, der erkennt das auch mit geschlossenen Augen. Es ist dieser erdige, leicht feuchte und auch ein wenig modrige Geruch, der bei jeder Stufe weiter in die Tiefe zunehmend in die Nase steigt. Doch angesichts dessen, was sich da unter Rathaus, Weinberg, Spitalkirche oder rund um die Anhöhe bei der Kellerstraße verbirgt, lässt Gerüche schnell vergessen oder zur Normalität werden. Einige der Räume tief unter der Erde sind den Pfaffenhofenerinnen und Pfaffenhofenern bestens bekannt, wie der geheimnisumwobene ehemalige Fernmeldebunker an der Ingolstädter Straße. Andere Teile der Pfaffenhofener „Unterwelt“ sind nicht mehr zugänglich, wie die Bierkeller an der Kellerstraße oder stehen nur einem kleinen Kreis Menschen offen, wie der Hochbehälter oder frühere Schutzräume und die von grausamen Nazischergen errichtete Gefängniszelle unter dem Rathaus.

Gräber und Einkehr
Einer der Orte, um den sich die meisten Legenden und Geheimnisse ranken, ist die Krypta unter der Spitalkirche und ihre Vorräume. Sie dürfte aus der Zeit stammen, als im 17. Jahrhundert an dieser Stelle ein Franziskanerkloster stand. Der Zugang zu den erst 1970 bei der Renovierung der Spitalkirche entdeckten Räumen liegt außerhalb der Kirche in einem Gang. Von dort aus führen ausgetretene Stufen aus Ziegel und Holz in die Welt unter der Kirche. Ein gewinkelter Gang mit mehreren durch schwere Holztüren abgetrennten ehemaligen Lagerräumen weist den Weg zu dem kleinen kreuzförmigen Raum, der durch eine schmiedeeiserne Gittertür abgetrennt ist.
Wenn Altbürgermeister Hans Prechter im spärlichen Licht erzählt, wie er mit einem Helfer eine der zwanzig schmucklosen zugemauerten Grabnischen aufschlug und die Gebeine eines vor langer Zeit gestorbenen Mönchs entdeckte, wird die Faszination dieses Raums spürbar. Angeblich sollen von dort, wo jetzt ein kleines einfach gestaltetes Kreuz auf dem Altar im flackernden Schein der Kerzen zuckende Schatten an die Wand wirft, Geheimgänge weggeführt haben, einer davon sogar bis zum Kloster Scheyern. Doch dabei handelt es sich um Gerüchte, bestenfalls Erzählungen. Denn sollte es diese geheimen Wege tatsächlich gegeben haben, so sind sie längst verschüttet und haben keine Spuren hinterlassen.

Grausame Folter
Aus weitaus jüngerer Zeit stammt ein Raum unter dem Rathaus, in dem unvorstellbare Grausamkeiten stattgefunden haben. Kulturreferent Reinhard Haiplik berichtet in seinem Buch „Pfaffenhofen unterm Hakenkreuz“ (3. Auflage 2015, S. 238–241, 247–248) über diese Gefängniszelle und ihren Erbauer, einen Polizeikommissar während des Zweiten Weltkriegs. Die Zelle, eine Art „Privat-KZ“, liegt im hinteren Teil des Rathauskellers hinter einer dicken eisenbeschlagenen Holztüre mit Spion und einer Klappe, durch die Essen gereicht werden konnte. Einzig das schwere Schloss wurde abmontiert. In dem winzigen Raum, in dem eine einfache Holzpritsche und ein ebensolcher Hocker das einzige Mobiliar sind, wurden Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter grausam gefoltert, die Frauen wahrscheinlich auch vergewaltigt. Die Schreie der Gefangenen, die manchmal mehrere Tage ohne Nahrung in der fensterlosen Zelle blieben, waren bis nach draußen zu hören. Die Zelle ist Teil mehrerer Schutzräume, die ebenfalls im zweiten Weltkrieg hier eingebaut wurden. Schwere gasdichte Stahltüren und Fenster konnten diese Räume von der Außenwelt abschotten. Heute lagern dort Akten der Stadtverwaltung und ein Teil der Computeranlage des Rathauses ist dort untergebracht. Auch in einem Wohngebäude an der Ingolstädter Straße soll es noch einen solchen Schutzraum aus dem zweiten Weltkrieg geben.

Höchste Geheimhaltung
Unter dem Weinberg an der Ingolstädter Straße begannen lange nach dem zweiten Weltkrieg höchst geheime Bauarbeiten. 1962, als der Kalte Krieg auf seinen Höhepunkt zusteuerte, entstand dort eine 1.400 m² große Bunkeranlage, die wildeste Spekulationen auslöste. Von einem Atombombenarsenal war schnell die Rede, und die Angst, zu einem Ziel Sowjetischer Raketen zu werden, stieg. Der Pfaffenhofener Bunker mit der offiziellen Bezeichnung „GSWBw 66“ war jedoch als „Grundnetz-Schalt-und-Vermittlungszentrale“ Teil eines Fernmeldenetzes, mit dem die Bundeswehr das Land überzog, um im Falle eines Atomkriegs die Kommunikation aufrecht erhalten zu können.
Als 1997 die letzten Wachmänner mit ihren Hunden und die letzte Mitarbeiterin abzog, bekam die Stadt Pfaffenhofen die Räume und das Gelände zurück. Heute ist der Bunker mit seinen dreieinhalb Meter dicken Wänden einer der wenigen verborgenen Orte unter der Erde, der im Rahmen von Führungen öffentlich zugänglich ist. Die Wirtschafts- und Servicegesellschaft Pfaffenhofen (WSP) bietet jeden 2. und 4. Samstag im Monat Bunker-Führungen in kleinen Gruppen an. Dabei werden Besucher durch die vielen Räume und verwinkelten Gänge der über 1.400 m² großen Anlage geführt und erfahren in 90 Minuten viel Wissenswertes über die Geschichte des Bunkers und den Kalten Krieg. Zwischen den veralteten Gerätschaften im Schein der Neonlampen lässt sich die beklemmende Stimmung und die von Angst geprägte Atmosphäre des Kalten Kriegs fast hautnah spüren.
Alle Infos und Anmeldung unter: www.pfaffenhofen.de/bunker-tour

Kühle für den Gerstensaft
Entlang der Kellerstraße und des Ambergerwegs, dort wo heute am Hang moderne Wohnhäuser stehen, schlug einst das Herz der Pfaffenhofener Brauereien. Der Hang eignete sich bestens dafür, dass die Brauereien tiefe Stollen hineingruben, in denen sie ihren Gerstensaft kühl lagern konnten.
Bereits im 14. Jahrhundert wurde in Pfaffenhofen aus Malz, Gerste und Hopfen Bier gebraut. Später, Ende des 17. Jahrhunderts waren es stolze 13 Brauereien, die den Hang nutzten. Über den Stollen thronten früher hohe, schattenspendende Kastanien, unter denen später mehrere Gasthäuser und Biergärten zum erfrischenden Trunk einluden. Im Zweiten Weltkrieg suchten die Pfaffenhofener Bürger dort Schutz vor den immer öfter über die Stadt ziehenden Bombern der Alliierten, die jedoch meist München zum Ziel hatten. Von den oft mit Ziegeln befestigten und ausgekleideten Gängen sind heute nur noch kleine Reste übrig. Vieles ist eingestürzt, noch mehr musste der wachsenden Stadt weichen. Einer der letzten Eiskeller, der etwa vor hundert Jahren entstand, befindet sich heute noch auf dem Areal der ehemaligen Urbanusbrauerei. Aber auch seine Tage sind gezählt.

Große Tanks für frisches Nass
Im Westen und Osten der Stadt liegen weitgehend verborgen unter dem lehmigen Erdboden der Hügel riesige unterirdische Behälter. Oberhalb der neuen Wohnsiedlung Pfaffelleiten und auf der Weiberrast betreiben die Stadtwerke Pfaffenhofen zwei Hochbehälter, die dafür sorgen, dass auch ohne Pumpen immer frisches und einwandfreies Trinkwasser aus den Hähnen der Häuser fließt. Der Behälter auf der Pfaffelleiten wurde 1969 gebaut und im vergangenen Jahr aufwändig saniert. Er fasst zwei Millionen Liter Wasser. Das ist genug, um rund 10.000 Badewannen zu füllen. Der Hochbehälter auf der Weiberrast ist doppelt so groß und wurde in den Jahren 2009 und 2010 als Ersatz für seinen zu klein gewordenen und sanierungsbedürftigen Vorgänger gebaut. Da es sich bei beiden als Teil der Trinkwasserversorgung um sensible Bereiche handelt, bleibt der Zutritt nur einem kleinen Personenkreis vorbehalten.

Spurlos verschwunden
Bestimmt hat es in der Vergangenheit noch einige andere tiefe Keller, Gänge, Gruften oder Schutzräume gegeben, die vor Jahrhunderten angelegt oder im Zweiten Weltkrieg bzw. während des Kalten Kriegs irgendwo gebaut wurden. Von ihnen gibt es jedoch keine Spuren mehr. Umso spannender ist es darum, dort, wo es noch möglich ist, hinabzusteigen, eine Zeitreise zu unternehmen und die Atmosphäre dieser Welt unter der Welt zu spüren. Und wer weiß schon, ob nicht an irgendeiner Stelle in der Stadt Bauarbeiter in Zukunft weitere Überreste verborgener Räume freilegen werden.

Die PAFundDU-Redaktion bedankt sich herzlich bei allen, die mit Informationen, Anekdoten und Bildmaterial zu diesem Artikel beigetragen haben: u. a. Reinhard Haiplik, Hans Prechter, Manfred Habl, Andreas Sauer und Josef Pils

Autor:

PAF und DU Redaktion aus Pfaffenhofen

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