Ausgezeichnet, Pfaffenhofen!

Blick vom Kirchturm auf die Stadt (Foto: Karl J. Ebensberger)
 
Das jüngste Beispiel für intensive Bürgerbeteiligung: die PAF und DU-Bürgerwerkstatt zur Bodenallianz am 21. Oktober 2019
 
In Pfaffenhofen lässt es sich leben: reges Treiben am Wasserspiel auf dem Hauptplatz

Pfaffenhofen kann sich sehen lassen. International ausgezeichnet für ihren Lebenswert und ihre Aktivitäten im Umweltschutz, national preisgekrönt für Nachhaltigkeit und immer wieder hochgelobt für Klimaschutz und Bürgerbeteiligung, hat sich unsere 26.000-Einwohner-Stadt einen guten Namen gemacht. In jüngster Zeit ist es vor allem der kostenlose Stadtbus, mit dem Pfaffenhofen bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen hat, und auch die „Bodenallianz“ zur Förderung von Biolandbau und Artenvielfalt hat Vorbildcharakter.

Vor kurzem erst, beim bayerischen Energiegipfel am 30. September im Wirtschaftsministerium in München, war Pfaffenhofen in aller Munde. Und zwar zum einen, weil viel persönliches und ehrenamtliches Engagement aus der Kreisstadt an der Ilm kommt, und zum zweiten weil Pfaffenhofen laut Umweltminister Thorsten Glauber „eine Leuchtturm-Kommune in Bayern ist, wenn es um Klimaschutz, Energiewende und Bürgerbeteiligung geht".

Die Politik ist gefordert
Bürgermeister Thomas Herker äußert sich bescheidener: „Unter den vielen Blinden sind wir einer der paar Einäugigen!“ Und er betont, dass es noch viel zu tun gibt – für jeden Einzelnen, der sein Verhalten und seine Lebensweise ändern muss, für alle gemeinsam und nicht zuletzt für die Stadt und die Politik: „Wir sind verpflichtet, verantwortlich zu handeln – und zwar jetzt! Die Politik muss und will gestalten, sie muss den Anfang machen und Leitplanken aufstellen, denn wenn ich will, dass sich etwas ändert, muss ich Vorgaben machen.“

Immerhin: An manchen Tagen geben sich die Medienvertreter im Pfaffenhofener Bürgermeisterbüro quasi die Klinke in die Hand. „Die Zeit“ möchte ein Interview zum kostenlosen ÖPNV, der regionale Fernsehsender TV Ingolstadt greift dasselbe Thema auf, und auch für den „Länderspiegel“ des ZDF ist das neue Stadtbuskonzept als vorbildliches Beispiel für aktiven Klimaschutz einen Bericht wert. Der Stadtrat hat mit seinem überraschenden Beschluss, die Stadtbusse mindestens drei Jahre lang kostenlos fahren zu lassen und zugleich die Zeittaktung und den Fahrplan weiter zu verbessern, eine wegweisende Entscheidung getroffen.

Nachhaltigkeitserklärung als Leitlinie

Ebenso weitreichend und weitsichtig zeigt sich auch die Nachhaltigkeitserklärung des Stadtrates, die im Juli 2017 von jedem einzelnen Stadtratsmitglied unterzeichnet wurde und seitdem als Leitlinie für das städtische Handeln gilt. „Eine nachhaltige Stadtentwicklung ist ein Garant dafür, auch in Zukunft handlungsfähig zu sein – und damit lebenswert zu bleiben“, begründete Bürgermeister Thomas Herker die Motivation. Und Ex-Stadtrat Theo Abenstein als Vorsitzender der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise merkte an: „Pfaffenhofen ist auch eine der ersten bayerischen Kleinstädte, welche die Agenda 2030 der Vereinten Nationen (UN) auf die lokale Ebene herunterbricht.“

LivCom Award und Nachhaltigkeitspreis
Schon im Jahr 2011 war Pfaffenhofen beim internationalen LivCom Award als „lebenswerteste Kleinstadt“ und als „vorbildlich in Umweltbelangen“ doppelt ausgezeichnet worden. Und 2013 erhielt sie als „Deutschlands nachhaltigste Kleinstadt“ den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Beworben hatte sich die Stadt mit umfangreichen Maßnahmen aus den Bereichen Verwaltung, Ressourcen und Klima, Infrastruktur, Soziales sowie Lebensqualität. Vom Ecoquartier über die inklusive Kindertagesstätte, das Einheimischenmodell oder die Bürgerbeteiligung bis zur Gartenschau 2017 haben alle aufgeführten Projekte ein gemeinsames Ziel: eine nachhaltige Stadtentwicklung.

Daran arbeitet die Stadt kontinuierlich weiter, und so kam es auch zur erneuten, zweimaligen Nominierung für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in den Jahren 2015 und 2019. Inzwischen spielt Pfaffenhofen hier aber in einer anderen Liga: Da die Stadt mittlerweile die 25.000-Einwohner-Marke überschritten hat, zählt sie nicht mehr zu den Kleinstädten, sondern tritt in der Kategorie der „Städte mittlerer Größe“ an, und hier ist bei einer Spannbreite bis zu 100.000 Einwohnern die Konkurrenz groß.

Zukunftsfähig durch Digitalisierung
Und bei einem Preis darf Pfaffenhofen sogar noch hoffen: Beim „Sonderpreis Digitalisierung“, der zusammen mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Ende November in Düsseldorf vergeben wird, ist die Kreisstadt ebenfalls nominiert. Ein starkes Argument stellt hier die Digitalisierung der Schulen dar (mehr dazu hier lesen).

Dass Pfaffenhofen im Rennen um den Nachhaltigkeitspreis wieder vorne mit dabei war, ist in einer Vielzahl von Aktivitäten in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit begründet. Neben dem kostenlosen Stadtbus spielte hier vor allem die „Bodenallianz“ eine gewichtige Rolle. Auch mit diesem Projekt für eine umweltfreundlichere Landwirtschaft stellt Pfaffenhofen nämlich wieder seine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz unter Beweis.

Für Öko-Landwirtschaft und Artenvielfalt
Getreu dem Motto „Guter Boden für große Vorhaben“ wird mit der Bodenallianz nachhaltige und pestizidfreie Landwirtschaft gefördert – und zwar in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten. Ziel ist eine Verdreifachung der ökologisch und naturnah bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen. Darüber hinaus hat sich die Stadt gemeinsam mit den Nachbargemeinden Scheyern, Hettenshausen und Ilmmünster im April 2019 zur Öko-Modellregion „Pfaffenhofener Land“ zusammengeschlossen. „Hier gehen wir schon über die Stadtgrenzen hinaus und werden auch in Zukunft unsere Maßnahmen beim Thema Nachhaltigkeit weiter ausbauen“, erklärte dazu Bürgermeister Thomas Herker.

Bürgerbeteiligung ganz wichtig
Weitermachen und womöglich noch eins draufsetzen will die Stadt auch in Sachen Bürgerbeteiligung – obwohl sie hier ohnehin schon Vorbild für andere Kommunen ist. Seien es die regelmäßigen Liveübertragungen der Stadtratssitzungen, die PAF und DU-Bürgerinformationsveranstaltungen zu verschiedensten Themen (zuletzt zur Neugestaltung des Platzes an der evangelischen Kirche, zur Verkehrsberuhigung im Wohngebiet Radlhöfe), der Bürgermelder im Internet oder das online-Portal www.pafunddu.de, das alle Vereine und Gruppen nutzen können – zum Mitreden und Mitmachen sind die Pfaffenhofenerinnen und Pfaffenhofener immer eingeladen.
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