Der städtische Wohnungsbau und seine Anfänge

Von der Pfaffenhofener Baugenossenschaft errichtetes Mehrfamilienhaus an der Schrenkstraße (2006).
 
Das 1883 errichtete Armenhaus an der Löwenstraße (um 1955).

Die Herstellung stadteigener, bezahlbarer Wohnungen ist bis heute angesichts eines stark angespannten Immobilien- und Wohnungsmarktes eine große Herausforderung für die Stadt Pfaffenhofen. Die Anfänge kommunal finanzierten Wohnungsbaus reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Kriegsfolgen, steigende Einwohnerzahlen aber auch soziale Fürsorge machten derartige Maßnahmen erforderlich.

Errichtung eines städtischen Armenhauses für die notleidende Bevölkerung

Für die armen und in Not geratenen Bewohner schuf der Magistrat im Jahr 1883 erstmals eine großzügige Unterkunft. Damals konnte das Armenhaus an der oberen Löwenstraße feierlich eingeweiht werden. Unter der Betreuung von Mallersdorfer Schwestern wohnten in dem 1925 in Josef-Spital umbenannten Gebäude bis in die 1950er Jahre hinein bedürftige Menschen.

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen: Eklatanter Wohnungsmangel nach 1918

Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) kam es in Pfaffenhofen zu nahezu keiner Bautätigkeit. Nach Kriegsende kamen neben zurückkehrenden Soldaten aus dem Felde auch Menschen aus umliegenden Orten nach Pfaffenhofen. Man versprach sich in der wirtschaftlich schweren Nachkriegszeit in Städten bessere Perspektiven. Dieser Zuzug verschärfte jedoch binnen kürzester Zeit die Wohnsituation in Pfaffenhofen. Mietwohnungen waren damals noch kaum vorhanden und der Druck auf die Verantwortlichen der Stadt stieg, um die Situation baldmöglichst zu verbessern. Da Baustoffe und Kapital fehlten, versuchte man durch den Einbau von „Notwohnungen“ in städtische Wohnhäuser einzelnen Familien zu helfen.

Die Gründung der „Gemeinnützigen Baugenossenschaft Pfaffenhofen“

Die problematische Nachkriegszeit, die in der „Hyperinflation“ von 1923 gipfelte, erschwerte dem Stadtrat über Jahre hinweg Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnungslage. Eine erste Initiative zum Wohnungsbau war die Schaffung der „Gemeinnützigen Baugenossenschaft Pfaffenhofen“ am 15. Januar 1925, der bis zu 52 Mitglieder angehörten. Die Stadt gewährte Baugrund auf der „Bortenschlager-Höhe“ sowie Zuschüsse von bis zu 2000 Mark je Wohnung. Genossen konnten Anteile zeichnen, um finanziell zum Bau von Wohngebäuden beizutragen, die an Mitglieder vermietet oder verkauft werden sollten. Ab dem Jahr 1925 entstanden an der Gritschstraße sowie an der Schrenkstraße auf diese Weise finanzierte Wohngebäude der Typen „Große Familie“ und „Kleine Familie“. Die Genossenschaft löste sich jedoch zwei Jahre später bereits wieder auf, die erbauten Häuser erwarb die Stadt.

Städtische Wohnungsbauprojekte ab 1926

Die Stadt Pfaffenhofen ließ neben einzeln stehenden Wohnhäusern mehrere Wohnblöcke und Mehrfamilienhäuser errichten. Vor allem in der Murhammer-, der Gritsch- und der Schrenkstraße entstanden ab 1927 allein acht Gebäude. 1932 folgten die Kohnle- und 1936 die Lohfeldstraße, wo zwei Doppel- und acht Einfamilienwohnhäuser errichtet wurden. Diese Baumaßnahmen sorgten neben dem in den 1930er Jahren geförderten Siedlungsbau für eine Überwindung der Wohnungsnot bei steigenden Einwohnerzahlen.

Wohnungsnot nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945), als sich die Einwohnerzahl durch den Zustrom von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen verdoppelte, herrschte erneut eklatanter Mangel an Wohnraum. Durch die Errichtung von Wohnbaracken seitens der Stadt konnte die große Not kaum gelindert werden. Erst im Lauf der 1950er Jahre gelang es, die Situation der Menschen entscheidend zu verbessern, als in der Phase des anspringenden Wirtschaftswunders ausreichend Neubauten aus privater Hand entstanden. Seitens der Stadt wurden im Jahr 1956 in der Wolfstraße mehrere Wohngebäude des Typs „Schlichthäuser“ errichtet, die einfach und flächensparend gebaut waren, um möglichst viele Personen aufnehmen zu können.
Das ungebrochene Wachstum Pfaffenhofens im Umfeld der boomenden Metropolen München und Ingolstadt sorgte in den letzten Jahrzehnten wiederholt für zum Teil massive Preissteigerungen bei den Mieten und für Wohnraumknappheit, ein Problem, das bis heute besteht und es Familien schwer macht, Wohneigentum zu bilden.
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