Jugendarbeit in Coronazeiten
Wir sind da!

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In der Stadtjugendpflege geht nichts mehr. Weil die Corona-Ampel im Landkreis am 19. Oktober auf „rot“ sprang, mussten nach dem Lockdown im Frühjahr erneut alle Einrichtungen dicht machen. Vorsichtshalber und zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die Jugendzentren Atlantis und Utopia, das Jugendbüro Backstage und die Skatehalle wurden geschlossen. Der Rufbus, der eigentlich den Betrieb aufnehmen wollte, bringt jetzt die Jugendpflegerinnen Lena Hauser und Michele Schreiner unter dem Namen „Atlantis on Tour“ wieder in die Stadtteile zu den Jugendlichen. Auch die Kanäle zur Stadtjugendpflege vor allem über die Netzwerke Instagram und Jitsi bleiben offen und werden fleißig genutzt. Daneben prüft die Stadtjugendpflege ständig welche Angebote wieder aufgenommen werden und welche Einrichtungen wieder öffnen können.

Atlantis on Tour
Nach zwei Monaten Lockdown und zahlreichen Großreinemach- und Entrümpelungsaktionen, Konzeptarbeit und Webseitenumzug, beschlossen das Amt Familie, Bildung und Soziales und die Stadtjugendpflege Mitte Mai: Wenn die Jugendlichen nicht mehr ins Jugendzentrum kommen dürfen, dann kommt das Jugendzentrum eben zu ihnen. Kurzentschlossen wurde der Rufbus mit Getränken, Snacks und Desinfektionsmittel zum mobilen „Atlantis on Tour“ coronagerecht umfunktioniert und in der Folge Montag bis Freitagnachmittag durch Pfaffenhofen kutschiert, vom Bürger- zum Dirt Park, vom Hauptplatz zur Niederscheyerer Schule usw. (siehe Interview mit Stadtjugendpflegerin Lena Hauser auf Seite 7). Dieses Konzept wurde jetzt im Oktober wieder aufgenommen.

Wiedereröffnung des Jugendzentrums nach den Sommerferien
Im Zuge des Schulstarts sollte dann jedoch neben möglichst vielen weiteren Stadtjugendpflegeangeboten das echte Jugendzentrum Atlantis wieder seine Pforten öffnen, um im herannahenden Herbst für die Jugendlichen wieder einen Freizeitraum zu bieten. Das JUZ Atlantis hatte wieder Mittwoch bis Samstag von 16 – 21 Uhr für maximal 25 Jugendliche geöffnet. Einige Einschränkungen waren jedoch notwendig. So gab es keine im JUZ zubereiteten Speisen und auch zwei Gruppenräume (Billard u. a.) blieben gesperrt, der Kicker bekam eine Plexiglasscheibe.

Jugendtalentstation Utopia
Ähnliches galt auch für die Jugendtalentstation Utopia. Zwar konnte hier die Einzelförderung, wie etwa die Filmequipmentleihe, schon ab Mitte Mai wieder anlaufen, aber Gruppenangebote, wie die Betreuung des Jugendparlaments, waren zuerst nur per Videokonferenz möglich. Trotzdem wurden aus dem Jugendkultur- und Medienzentrum Utopia der Fotowettbewerb „Fotogehgrafie“ und die „Kurze Nacht der noch kürzeren Filme“ geplant und durchgeführt. Während bei der Fotogehgrafie wegen des Open Air-Charakters der Veranstaltung lediglich die Siegerehrung per Livestream über den YouTube-Kanal des Utopia durchgeführt werden musste, konnten nur 100 Vorangemeldete die Kurzfilmnacht besuchen. Alle übrigen konnten zu Hause u. a. Pfaffenhofener Beiträge aus der Skatehalle, vom Cerro Rico und dem König der Löwen nur streamen. So war der Unterschied zur gemütlichen Filmnacht auf der Ilminsel in den Jahren zuvor doch deutlich zu spüren, wenngleich die Stadtjugendpflege den Filmen ihren Auftritt auf der Leinwand nicht verwehren wollte.

Nach der Sommerpause war es auch im Utopia wieder möglich, Einzel- und Gruppenangebote im Rahmen der jeweiligen Hygienekonzepte und in kleinerem Rahmen durchzuführen, sodass u. a. Magic-Spieler und Cineastengruppen im Kino Gisela und eine neue Tonstudio-Initiative wieder ihren Interessen nachgehen konnten. Die Beratungen des Jugendbüros Backstage fanden meist im Freien statt, wie etwa auf der Ilminsel.

Dirt Park und Skatepark
Der Dirt Park konnte als Sportgelegenheit an der frischen Luft ab 11. Mai relativ früh und einfach wieder genutzt werden. Zunächst war der Dirt Park auch von der Schließung Mitte Oktober ausgenommen. Im Sommer war es dort wie in der Skatehalle möglich, eines der sonst üblichen Angebote im Ferienpass durchzuführen. Am 21. und 22. August fanden hier zwei Dirtbike-Workshops statt, die Taulant Ndreka und Jonas Hirsch, die beiden Initiatoren des Dirt Parks aus dem Jugendparlament 2017/18, nächstes Jahr wieder auflegen wollen. Alle weiteren geplanten Kurs- und Workshopangebote, wie Graffiti, Fotografie, Musik produzieren, Programmieren und Film-Workshop mussten und müssen ausfallen.

Nur in der Skatehalle konnte in den Sommerferien der an Ostern abgesagte Skate-Workshop nachgeholt werden – mit weniger Teilnehmern, Lüften und Pause im Freien. Genauso lief auch der Normalbetrieb zeitlich eingeschränkt wieder. Hinzu kamen jedoch die Maskenpflicht, die außer auf dem jeweiligen Sportgerät in der Skatehalle herrschte, sowie die Notwendigkeit, jeweils eine Aufsichtsperson zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen vor Ort zu haben. Dank sehr engagierter Ehrenamtlicher konnte die Skatehalle in der Regel dienstags 16 – 18 Uhr, mittwochs und samstags 15.30 – 18 Uhr und donnerstags und freitags 19 – 21 Uhr für maximal 25 Personen öffnen.

Parties werden nachgeholt
Angesichts der steigenden Infektionszahlen und nach der erneuten Schließung der Einrichtungen Mitte Oktober ist es fraglich, ob nächstes Jahr das 20. Jubiläum des Musiknachwuchswettbewerbs Saitensprung durchgeführt werden kann.

Besonders schade war es, dass das Jugendparlament Pfaffenhofen sein Jahreshighlight, die Party gegen Rassismus im Frühjahr mit zahlreichen DJs, Tanzeinlagen und Freigetränken nicht hat durchführen können. Noch geben die JuPas jedoch nicht auf und hoffen die Party notfalls auch nach ihrer Amtszeit nachholen zu können.

Trotz des Stillstands in vielen Teilen der Gesellschaft haben die Jugendparlamentarier/innen zahlreiche Projekte, wie Klimaforderungen, Hilfe im Hopfengarten, eine neue legale Graffitiwand hinter der Skatehalle, Ersatzteile für die Skater/innen und einiges mehr weiter vorangetrieben. Wer sich dafür interessiert, die Pfaffenhofener Jugend in der nächsten Amtsperiode 2021/22 zu vertreten, kann sich unter www.jugendparlament-paf.de informieren und zur Wahl stellen (siehe Seite 8).

Graffiti

Nachdem im Frühsommer die Ausgangsbeschränkung gelockert wurde, war es für die Pfaffenhofener Graffiti-Sprayer ein kunstreiches Jahr. Es entstanden zahlreiche Bilder an den legalen Wände in den Unterführungen unterhalb des Krankenhauses und in Niederscheyern, an der Hohenwarter Mauer und der Hohenwarter Brücke stadtauswärts links. Am 19. September konnten sich die Sprayer/innen dank des Engagements des Jugendparlamentariers Julian Fuchs über eine weitere legale Wand in Pfaffen-
hofen hinter der Skatehalle freuen (Bild unten rechts).

Stadtjugendpflege trotz Corona für Jugendliche da
Die Stadtjugendpflege versucht trotzdem im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die Angebote weiter am Laufen zu halten. Und natürlich können sich alle Jugendlichen jederzeit an Matthias, Lena und Michele wenden, wenn sie gute Ideen oder Probleme welcher Art auch immer haben. Die drei Stadtjugendpfleger/innen sind auch oder gerade in Coronazeiten erreichbar, haben immer ein offenes Ohr und helfen, wo sie können. Info und Kontakt: pfaffenhofen.de/jugendarbeit, facebook.com/UtopiaPAF und Instagram jugend.jetzt & jugendpaf

Interview mit Stadtjugendpflegerin Lena Hauser

„Wir sind für euch erreichbar“

Stadtjugendpflegerin Lena Hauser verrät im Interview, welche Auswirkungen die erste Welle der Corona-Pandemie auf ihre Arbeit hatte, wie die Jugendlichen die Einschränkungen empfunden haben und wie das Team der Stadtjugendpflege den Kontakt zu ihnen trotzdem aufrechterhalten konnte.

Wie haben die Jugendlichen auf die drastischen Einschränkungen durch die Coronapandemie reagiert?
Viele waren genervt, die meisten natürlich traurig über Schließung des JUZ. Wir haben aber auch gemerkt, dass die Jugendlichen teilweise besorgt waren über die neue ungewisse Situation

Ist der Kontakt dadurch abgebrochen oder habt Ihr schnell neue Wege gefunden, die Jugendlichen zu erreichen?
Über die Sozialen Medien, vor allem Instagram sind wir weiterhin immer erreichbar gewesen. Wir haben regelmäßig unsere Kontaktdaten gepostet mit dem Hinweis „Wir sind für euch errreichbar“. Ab 14. Mai gab es dann „Atlantis on Tour“. Das heißt, wir sind mit dem Rufbus zu den Jugendlichen in die Stadtteile gefahren.

Wie ist das „Atlantis auf Tour“ angenommen worden?
Sehr gut. Es ist natürlich abhängig von Wetter und Wochentag. Bei Regen und am Anfang der Woche war weniger los als freitags bei Sonnenschein. Im Durchschnitt hatten wir aber täglich Kontakt zu Jugendlichen.

Mit welchen Anliegen sind die jungen Menschen zu Euch gekommen – war Corona dann das wichtigste Thema?
Anfangs war die wichtigste Frage für viele, wann denn das JUZ wieder aufmacht. Corona war immer ein „Beigeschmack“, aber nicht das Hauptthema. Meist waren alltägliche Themen wichtiger. Oft hat ihnen aber auch nur jemand zum Ratschen gefehlt. Aber auch bei „schwierigeren“ Themen oder Problemen wurden wir nach Hilfe gefragt. Im Grunde also die gleichen Anliegen wie vor Corona auch.

Habt Ihr durch diese veränderte Form der Jugendarbeit (aufsuchend) auch Kontakt zu Jugendlichen gefunden, die den Weg in die Einrichtungen bisher gescheut haben?
Tatsächlich haben wir uns nur mit Jugendlichen getroffen, die uns vorher schon kannten. Anfragen von uns unbekannten Jugendlichen haben wir nicht bekommen. Allerdings konnten wir alte Kontakte wieder auffrischen.

Glaubst Du, dass sich durch Corona die Jugendarbeit insgesamt verändert hat? Dauerhaft verändern wird?
Gerade die offene Jugendarbeit in einem Jugendzentrum ist aufgrund ihrer Niedrigschwelligkeit nah an den Jugendlichen, man steht eng im Kontakt zueinander. Durch Corona wurde das ganze deutlich erschwert. Persönliche Themen bespricht man verständlicherweise eher ungern über soziale Medien. Mit manchen Jugendlichen hatte ich seit März gar keinen Kontakt. Inzwischen konnten wir das Jugendzentrum vorübergehend wieder öffnen und dadurch den Kontakt zu vielen wieder aufnehmen.
Grundsätzlich gibt es im Jugendzentrum aber immer mal wieder Zeiten, zu denen ein Ablöseprozess stattfindet. Die Jugendlichen werden älter oder der Freundeskreis verändert sich und sie kommen nicht mehr ins Jugendzentrum, dafür kommen aber immer wieder jüngere oder neue nach. Daran hat auch Corona nichts geändert. Bisher haben sich glücklicherweise keine negativen Veränderungen gezeigt. Ich hoffe das bleibt so. Ansonsten machen wir einfach das Beste aus der Situation und finden Möglichkeiten, trotz Corona für die Belange der Jugendlichen da zu sein.

Autor:

Stadtjugendpflege Pfaffenhofen a.d.Ilm aus Pfaffenhofen

Bistumerweg 5, 85276 Pfaffenhofen
+49 8441 1206
utopia@stadt-pfaffenhofen.de
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