Integrationsreferent Reinhard Haiplik steht Rede und Antwort

Herr Haiplik, Sie sind der Referent des Stadtrats für internationale Kultur, Heimatpflege und Integration. Worin liegen denn Ihre Hauptaufgaben?

Ganz wichtig ist mir die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Kulturverein, der so Wertvolles für Pfaffenhofen leistet. Ich bin Mitglied des Vorstandes, bin also ein Bindeglied zwischen Stadt und Verein, bin Ansprechpartner und Vermittler. Meine Hauptaufgaben: es gilt, Brücken zu bauen, Brücken zu anderen Religionen, anderen Kulturen, anderen Nationen. Misstrauen abwenden, Vertrauen fördern – da ist in den letzten Jahren viel geschehen. Und doch: viele – sicherlich nicht leichte – Aufgaben liegen da vor uns. Konkret denke ich da an die Betreuung von Asylbewerbern. Das bewundernswerte Engagement mancher Ehrenamtlicher kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Die Bildung eines Migrationsrats wäre ein Ziel, das bislang leider noch nicht erreicht ist. Dem Migrationsrat sollten dieselben Rechte wie dem Jugendparlament zugestanden werden. Ein wichtiges Anliegen ist auch die Beteiligung von Bürgern mit Migrationshintergrund am kulturellen Geschehen Pfaffenhofens z.B. am Kultursommer.

Als Referent für Heimat liegt mir an der Bewahrung bewährter Traditionen und Strukturen. Sie schenken uns Halt und Orientierung – ein wichtiger Aspekt in einer zunehmenden globalisierten Welt. Gleichzeitig sollten wir uns Neuem nicht verschließen. Kultur sollte allen Anreize bieten – denen, die in Musik und Kunst Altbewährtes lieben aber auch denen, die nach Ungewöhnlichem, Spannendem, ja auch Provokativem suchen. Ein Spannungsfeld zwischen anspruchsvoller heimatlicher Traditionspflege und urbaner Kultur von hohem Niveau – das ist eine Kulturpolitik, der ich folgen möchte. Natürlich liegt mir als Heimatreferent auch daran, dass Pfaffenhofen sein Gesicht nicht vollends verliert, dass die geringe historische Substanz, die uns geblieben ist, erhalten bleibt, dass unser viel gerühmter Hauptplatz nicht noch weiter schmerzliche Eingriffe erdulden muss. Auch das sind wichtige Aufgaben, denen sich der Heimatreferent zu stellen hat.

Stellen Sie in Ihrem Aufgabenbereich große Veränderungen im Vergleich zu früher fest?

In den letzten Jahren ist – dank Sepp Steinbüchler und dem Internationalem Kulturverein viel Vertrauen aufgebaut worden. Wir haben Einwanderer besser kennen gelernt, haben mit ihnen diskutiert, gefeiert und für gemeinsame Ziele gekämpft. Wir sind mehr aufeinander zugegangen, haben Verständnis für einander gewonnen. Die Pfaffenhofener Bevölkerung ist in ihrer überwiegenden Mehrheit tolerant und weltoffen. Auch da hat sich viel zum Positiven verändert. So befürwortet eine überwältigende Mehrheit den Moscheebau an der Hohenwarterstraße. Das Bewusstsein, dass Pfaffenhofen seine Identität, seinen ganz eigenen Charakter bewahren soll, ist viel stärker geworden. Viele Bürgen setzen sich für den Erhalt historischer Fassaden ein, interessieren sich für den Hungerturm, kämpfen für verkehrsberuhigte Zonen, für Fußgängerbereiche, für Grünflächen – kurz für mehr Aufenthalts- und Lebensqualität im Zentrum. Gottlob spricht heute niemand mehr von einer Tiefgarage unter dem Hauptplatz. Gottlob wurde die Fußgängerzone so gut angenommen. Der Wunsch, Pfaffenhofens Lage an zwei idyllischen Flussläufen, spürbarer werden zu lassen, ist allenthalben zu vernehmen. Auch die Notwendigkeit grüner Oasen wie die Insel im Zentrum zu schaffen, wird kaum mehr bestritten, zumal das Verkehrsaufkommen in der Stadt oft an die Grenze des Erträglichen reicht..

Welche Ziele verfolgen Sie und wo sehen Sie die wesentlichen Herausforderungen für die Zukunft?

Wir sollten noch mehr als bisher auf unsere ausländischen Mitbürger zugehen, noch mehr Orte der Begegnung schaffen, für noch mehr Verständnis werben. Sie sollten auch mehr Mitspracherecht eingeräumt bekommen. Die Bildung eines Migrationsbeirats wäre eine gute Möglichkeit. Wir sollten Asylbewerber menschlich und würdevoll behandeln, sollten ihnen zur Seite stehen wenn sie unsere Hilfe benötigen. Uns sollte bewusst sein, wie ihnen oft viel Leid in ihren Heimatländern widerfahren ist. Hüten wir uns davor sie allzu schnell mit dem verächtlichen Wort „Wirtschaftsflüchtlinge“ abzustempeln. Hier sehe ich große Herausforderungen in nächster Zeit.

Als Referent für Heimat möchte ich eine weitere Zersiedelung des Landes um Pfaffenhofen verhindern. Die Ortseingänge sind „verschandelt“: Überall sieht man seelenlose Gewerbegebiete – hässliche Agglomerate, die traurig stimmen. Dort, wo sich einst grüne Wiesen ausbreiteten, sieht man heute Baugebiete: uniforme Häuser drängen sich da eng aneinander, trüben den Blick auf eine vormals intakte Landschaft. Hoffentlich wird dieser Entwicklung Einhalt geboten. Das Geschehene lässt sich leider nicht mehr rückgängig machen.


Sind Ihnen Projekte wie das Musikfestival Lokalklang oder die Interkulturellen Wochen wichtig?

„Lokalklang“ und „Interkulturelle Wochen“ – genau zwischen diesen Polen liegt mein Verständnis von Kulturpolitik. Lokalklang steht für Heimat, Tradition, überschaubare, lieb gewordene Strukturen – das sind für mich ganz wichtige Aspekte. Nicht weniger wichtig ist mir die Begegnung mit andren Kulturen, anderen Religionen. Die bisher von Sepp Steinbüchler initiierten und organisierten "Interkulturellen Wochen" waren für Pfaffenhofen sehr segensreich. Sie fanden überall höchste Zustimmung. So stehen die „Interkulturellen Wochen“ für die andere Seite meines Kulturverständnisses: Toleranz, Weltoffenheit, Verständnis für das, was uns zunächst fremd scheint. Heimat und die Begegnung mit anderen Kulturen: das ist gar kein so großer Gegensatz, wie viele meinen. Mir ist beides sehr wichtig – somit auch der „Lokalklang“ und die „Interkulturellen Wochen“.

Ihr Reinhard Haiplik

Autor:

PAF und DU Redaktion aus Pfaffenhofen

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