„Wie bewältigen München und das Umland das Wachstum?“

„Wie bewältigen München und das Umland das Wachstum?“ Unter diesem Titel fand am 20. Januar eine Podiums-diskussion im Münchner Gasteig statt, an der auch Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker teilnahm. Mit ihm diskutierten Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk, Christoph Göbel, Landrat des Landkreises München, und die Immobilienexpertin Heike Piasecki. Der Abend wurde von dem Journalisten Heiner Müller-Ermann moderiert.

Das Problem ist nicht neu, aber aktueller denn je, wenn man von dem bis auf den letzten Platz gefüllten Vortragssaal der Bibliothek im Münchner Gasteig ausgeht. Die Stadt München wächst und mit ihr die gesamte Region. Wohnungsnot, Pendlerströme, Verstädterung und Infrastrukturprobleme wollen bewältigt werden. Wie groß die künftigen Herausforderungen sind, wurde anfangs in einem Kurzvortrag unter dem Titel „Was rollt da eigentlich auf uns zu“ von Heike Piasecki vorgestellt. So wächst die Gesamtregion München bis ins Jahr 2031 um prognostizierte 263.422 Personen – was in etwa der Einwohnerzahl Augsburgs entspricht. Für den Landkreis Pfaffenhofen würde das, der zugrunde gelegten Studie nach, einen Zuwachs von rund 18.500 Einwohnern bedeuten. Noch bildlicher führte Piasecki aus: „Die Zahl entspricht täglich einem Reisebus, der voll nach München fährt und leer wieder weg“, und diese Menschen wollen wohnen und arbeiten. Da tröstete es kaum, dass der Großraum München in den Jahren 1995–2012 bereits ein Bevölkerungswachstum von errechneten 437.341 Personen meisterte.
Allein kann es München nicht schaffen. Die Aufgaben Wohnungsbau und Verkehrsbewältigung können nur mit der gesamten Region gemeistert werden, davon ist Stadtbaurätin Merk überzeugt. Darin konnte ihr Bürgermeister Herker im Verlauf der Diskussion nicht uneingeschränkt zustimmen, indem er deutlich auf die Probleme der kleineren Umlandgemeinden hinwies. Zwar sei angesichts des bestehenden Wachstumsdrucks eine Zusammenarbeit zwischen der Großstadt München und dem sie umgebenden Großraum notwendig. Dies dürfe aber nicht zum Verlust der Identität der Umlandkommunen führen. So ist ausgegebenes Ziel der 50 Kilometer nördlich von München gelegenen Stadt Pfaffenhofen ein jährlicher Bevölkerungszuwachs von 0,5 Prozent. Man wolle und könne auch nicht um jeden Preis wachsen, was der Bürgermeister an einem einfachen Beispiel verdeutlichte:
Die Stadt Pfaffenhofen bewältigt mit der bestehenden Kläranlage noch einen Bevölkerungszuwachs von ca. 2.000 Einwohnern, ein größerer Zuzug zieht dann bereits Investitionen in Millionenhöhe nach sich. Natürlich profitiere man von München, aber um die eigene Identität bewahren zu können, wolle Pfaffenhofen als Mittelzentrum nicht den Weg eines uneingeschränkten, sondern nur eines sozialverträglichen Wachstums gehen. Dies schließe eine weitere positive wirtschaftliche Entwicklung keinesfalls aus, zeigte sich Thomas Herker überzeugt.
Abschließend war der Abend geprägt von der Erkenntnis, dass eine Lösung nur mit einer engeren Zusammenarbeit aller Beteiligten möglich ist. Die Antwort auf die komplexe Frage, wie dies konkret aussehen könnte, blieb man den Zuhörern allerdings schuldig. Einigen konnte man sich auf den Vorstoß, die Planungsregion neu zu überdenken und radikal zu vereinfachen – als Großraum zwischen Augsburg und Landshut, von Ingolstadt bis an die Alpen.

Autor:

Bürgerservice Pfaffenhofen aus Pfaffenhofen

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