IM INTERVIEW: Erika Thalmeier, Mitarbeiterin im Bunker

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Erika Thalmeier (74), frühere SPD-Stadträtin und langjährige Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, hat 24 Jahre lang im Pfaffenhofener Bunker gearbeitet. Fürs PAF und DU-Bürgermagazin hat sie einige Fragen beantwortet:

Frau Thalmeier, Sie haben von 1973 bis 1997 im Pfaffenhofener Bunker gearbeitet. Welche Tätigkeit haben Sie dort ausgeübt?

Ich war als Betriebsfernschreiberin im Fernmeldedienst beschäftigt. Das heißt, ich musste ankommende Fernschreiben entgegennehmen und verteilen bzw. sie an andere militärische Dienststellen weiterleiten. Der Fernmeldebunker war damals ständig besetzt, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Wir haben in drei Schichten gearbeitet, also wechselweise in Früh-, Spät- und Nachtschicht. Es war sehr laut im Bunker und es war sicherlich kein schöner Arbeitsplatz, aber ein sicherer, und wir haben mit großen Fototapeten voller Bäume und Blumen versucht, die Räume etwas schöner zu gestalten.

Wie geheim war der Bunker tatsächlich bei den Pfaffenhofener Bürgern?

Geheimhaltung hatte damals für uns Beschäftigte oberste Priorität und wir durften nichts über unsere Arbeit erzählen. Die Fernschreiben, die wir zu bearbeiten hatten, waren in verschiedene Geheimhaltungsgrade eingeteilt. Die streng geheimen wurden mit Hilfe so genannter „geheimer Maschinen“ verschlüsselt und waren nicht zu hacken – diesen Begriff gab es damals auch schon.
Das Bunkergelände war als militärisches Gebiet eingezäunt und wurde rund um die Uhr von Wachmännern mit Hunden bewacht. Die Pfaffenhofener hatten damals keine genauen Vorstellungen darüber, was da im und am Bunker passiert. Daher gab es einige Spekulationen und Fantasiegeschichten, z.B. über gelagerte Atomsprengköpfe.

Was ist Ihnen am prägnantesten aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben?

Während all der Jahre im Bunker habe ich nie Angst gehabt – bis auf die letzten Monate, bevor der Bunker im März 1997 endlich geschlossen wurde. In diesen letzten Monaten wurde das Personal drastisch reduziert und wer Spät- oder Nachtschicht hatte, war ganz allein im Bunker. Das war dann doch ziemlich unheimlich und damals habe ich den Tag herbeigesehnt, an dem endlich Schluss sein sollte.

Warum sind Ihrer Meinung nach Führungen durch den ehemaligen Fernmeldebunker von großer Wichtigkeit im 21. Jahrhundert?

Wenn bei den Bunkerführungen der geschichtliche Hintergrund des kalten Krieges verdeutlicht wird, ist das sicherlich eine wichtige Sache. Allerdings kann man leider den Alltag von damals nur schwer nachvollziehen, da im Bunker kaum noch Inventar und Geräte vorhanden sind. Und man sollte sich bewusst machen, dass der Bunker kein Gruselkabinett ist, sondern einen ernsten geschichtlichen Hintergrund hat.

Autor:

PAF und DU Redaktion aus Pfaffenhofen

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