Oasen der Stille
Kapellen im Stadtgebiet

Die Kochkapelle – benannt nach dem Beruf des Stifters Michael Müller, einem Koch und Metzgermeister.
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  • Die Kochkapelle – benannt nach dem Beruf des Stifters Michael Müller, einem Koch und Metzgermeister.
  • Foto: Sandra Härtenberger
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Im Stadtgebiet von Pfaffenhofen finden wir 21 Kapellen. Sie sind Oasen der Stille inmitten hektischen Treibens. Sie sind Rückzugsnischen, die uns erlauben, neue Kraft zu schöpfen. Sie sind Orte, die zu Besinnung, innerer Einkehr oder stillem Gebet laden, Orte, in denen man wieder zur Ruhe kommen könnte. Drei Kapellen sollen hier vorgestellt werden: eine finden wir am westlichen, die andere am östlichen Stadtrand von Pfaffenhofen. Die dritte erhebt sich auf dem sagenumwobenen Kireindlberg in Tegernbach.

Kapelle St. Quirin
Kann man sich einen lauschigeren Platz als diesen Hügel in Tegernbachs Ortsmitte denken? Manche würde sagen, dies ist ein Kraft spendender Ort. Hier stand einst Tegernbachs zweite Kirche und hier wurde wohl auch Pfarrer Balthasar Gerl 1632 von schwedischen Reitern erschossen. 1803 wurde das dem heiligen Quirin geweihte Gotteshaus, das „Kireindl“ (auch „Kirindl“ oder „Kirendl“) abgebrochen.
Der in Tegernbach geborene Hirschenhausener Pfarrherr Georg Graf setzte sich unentwegt für den Bau einer Kapelle auf dem Kireindlberg ein. 1871 wurde sie geweiht. Zwei wunderschöne Linden rahmen sie ein. Sie sind sicher über 200 Jahre alt.
Zwei unterirdische Gänge sollen vom Kireindlberg ausgegangen sein: der eine soll zur Pfarrkirche geführt haben, der andere zur einstigen Burg im nahen Lindach. Immer wieder werden Geheimgänge und „Erdställe“ mit Zwergensagen in Verbindung gebracht.
Die Sage von den Tegernbachern „Heinzelmännchen“ geht besonders zu Herzen. Sie sollen im Kireindlberg gehaust und sich, nachdem es ganz dunkel geworden war, aus ihren Höhlen gewagt haben, um im nächstgelegenen Hof dem Bauern wertvolle Dienste zu leisten. Der Widembauer wollte seine nächtlichen kleinen Helfer belohnen. Er verbarg sich hinter einer Scheune. Unglaubliches bekam er zu sehen: vier Zwerge betraten das Haus, das verschlossen war. Nachdem alle Arbeiten erledigt waren, kehrten sie, ohne ein Wort zu reden, zum Kireindlberg zurück. Der Bauer war gerührt und wollte seine Helfer reich belohnen. Er besorgte ihnen Kleider und Schuhe, die er dann im Hof niederlegte. Die Zwerge kamen, sahen die Geschenke – und begannen bitterlich zu weinen. Sie riefen wehmütige Abschiedsworte: „Ach jetzt sind wir von hier gewiesen, müssen unseren Ort verlassen! Wohin werden wir beschieden sein? Wo unser endliches Ziel erreichen?“ Sie gingen fort und kehrten nie mehr zurück.
Bis heute ist der Kireindlberg ein mystischer Ort geblieben. Zu seinen Füßen plätschert der Tegernbach, der sich, vor Lindach zum Lindacher Bach geworden, beim romantischen Engelmannszell mit der Paar vereinigen wird. 30 steile, von Moos bedeckte Treppen führen zur Kapelle auf dem Kireindlberg. Vor den uralten Linden laden zwei Bänke aus Stein zur Rast. Den Giebel ziert ein Kreuz. Auf ihn ist ein mit Schindeln bedeckter kleiner Turm gesetzt.
Wir sehen wohl noch die originale Türe. Über dem Guckloch, das einen Blick ins verschlossene Innere erlaubt, erkennen wir ein Marienmonogramm. Rechteckblenden gliedern die stattliche Kapelle, deren eingezogener Chor von drei Seiten geschlossen ist. Im Inneren erkennen wir zwei Kniebänke. Der aus Ziegelsteinen geformte Boden scheint unverändert geblieben zu sein. Vor dem Altar ist ein Bet-
schemel aufgestellt. Das Hochaltarbild zeigt uns einen Heiligen. Von außen ist er kaum erkennbar.
Ist es der heilige Quirin? Er ist der Parton von Pferden und Rindern, hilft bei Beinleiden, Gicht und Kropf.

Kochkapelle
Nur ungern verlassen wir diesen geheimnisvollen Platz und fahren nach Pfaffenhofen. Gegenüber der Seniorenresidenz Sankt Johannes führt uns eine Treppe zu der so vortrefflich renovierten „Kochkapelle“, die uns auf einer kleinen Anhöhe in strahlendem Weiß entgegen leuchtet.
Es gibt einen schöneren, von kleinen Bäumen gesäumten Weg, der aber derzeit nicht zugänglich ist. Er beginnt oberhalb der Ditib-Moschee und endet direkt an der Kapelle. Viele Büsche und Sträucher sind halbkreisförmig um sie gelegt. Im Sommer wuchert da üppiges Grün und es duftet angenehm nach Kräutern.
Blumen- und Kräuterduft erfüllt auch den Innenraum. Er wirkt fast überladen: überall Blumenstöcke, Kerzen, Heiligenfiguren, Andachtsbilder, Rosenkränze. An der linken Innenwand erinnert eine Gedenktafel in schlichten Worten an die Stifter: „Erbaut von Michael und Theres Müller 1830“.Michael Müller war Koch und Metzgermeister. Das Ehepaar wohnte mitten am Hauptplatz (heute Buchhandlung Osiander) und war von tiefer Frömmigkeit erfüllt.
1984 gelangte die arg herunter gekommene Kapelle in den Besitz der Stadt. Ihr wertvollstes Ausstattungsstück, eine gotische Madonna mit Kind, kam in die Spitalkirche. Bald schon verfiel die Kapelle aufs Neue. Und doch ist sie nun zum wahren Kleinod geworden. Zwei Pfaffenhofenern Rentnern ist dies zu danken: Simon Demmel und Johann Dummler nahmen sich in bewundernswerter Eigeninitiative der Kapelle an, besserten schadhafte Stellen aus, weißelten, dichteten ab. Im Juli 2017 war die Renovierung vollendet. Leider wurde die Kapelle bald darauf mit wirren Sprüchen beschmiert. Auch im Inneren waren Vandalen am Werk. Die Schäden wieder auszubessern kostete den beiden Rentnern viel Mühe.
Vom Altar der Kochkapelle trennt uns nun ein Gitter. So sind der Abguss der gotischen Madonna, ein Kreuz aus Jerusalem, eine Lourdesmadonna, ein Fatimarosenkranz und die vielen Hinterglasbilder gut vor Dieben geschützt. Von der Decke hängt eine goldene Kugel herab. Das Band, das sie trägt, ist mit Rosen geschmückt. Daran ist ein merkwürdiger Gegenstand gebunden, der so gar nicht in diese Kapelle passen will. Es ist ein Fotoapparat. Ist dies eine echte Überwachungskamera? Oder nur eine Attrappe?
Die Pfaffenhofener lieben die Kochkapelle. Sie stellen dort immer wieder Blumenstöcke auf, entzünden Kerzen, verweilen zu kurzem Gebet.

Antoniuskapelle
Die Antoniuskapelle am vom Verkehr umfluteten Fuß des Kugelbergs wurde in unseliger Zeit errichtet: im Jahre 1933, als Hitler die Macht übernahm. Eine Inschriftentafel an der linken inneren Wand vermerkt, dass der Bau „in Erfüllung eines alten Familienwunsches“ von Frau Walburga Müller „zu Ehren des Sankt Antonius“ erfolgte.
2012 wurde die Kapelle renoviert. Der heilige Antonius ist Patron für Arme, Kranke, Liebende und verlorene Herzen. Auf die weiß getünchte Kapelle mit dem steilen Giebel ist ein offenes Glockentürmchen gesetzt. Über der kleinen Pforte erkennen wir den heiligen Antonius: Er predigt zu Fischen, die ihm entgegen schwimmen. Ein fest verschlossenes Gitter erlaubt kein weiteres Vordringen. Im Inneren wird der Betrachter von der monumentalen Christusfigur des Gewerbelehrers Butler beinahe erschreckt. Sie nimmt die ganze Höhe und Breite des Raumes ein. Um die Füße des Heilands ist ein Band, um seine Lenden ein Tuch gelegt.
Die schon vom nationalsozialistischen Geist infizierte „Ilmgau-Zeitung“ rühmte Butlers Werk überschwänglich. Nicht einmal vor einem Vergleich mit Werken Rembrandts scheute sie zurück. Hinter dem Erlöser ist ein reich verziertes Kreuz in die Wand eingelassen. Es wächst aus einem Baum mit reichem Wurzelwerk. Rechts sehen wir zwei Christuszeichen, die uns oft begegnen: die griechischen Buchstaben P und X (sie stehen für Ch und R) und einen Fisch, der griechisch mit „Ichthys“ bezeichnet wird – das sind zugleich, griechisch gelesen und ins Deutsche übersetzt, die Anfangsbuchstaben für „Jesus Christus, Gottes Sohn und Heiland“.
Das linke Glasfenster zeigt den heiligen Antonius als Helfer der Armen. Er spendet ihnen Brot. Das rechte Fenster verweist auf die legendäre Redegabe des Heiligen. Er predigt zu Schülern, die voller Andacht lauschen. Über das Gemälde zieht sich ein weißes Schriftband. Es ist nicht mehr zu entziffern. Wurde es bewusst unkenntlich gemacht, weil es dem damaligen Zeitgeist allzu sehr huldigte? Ganz links ist nämlich, wohl eindeutig, ein Hakenkreuz zu erkennen …
Im Jahre 1809 lieferten sich Österreicher und Franzosen in der Nähe des Kugelhofs erbitterte Gefechte. Zwei österreichische und einen französischen Soldaten hat man hier begraben. Ganz in der Nähe ließ der Kugelbauer Joseph Barth 1836 neben seinem Hof eine Kapelle bauen. An ihrer Südwand erinnert eine kunstvoll gestaltete Gedenktafel an die drei Gefallenen. Sie lehnt sich an den Stamm eines schlichten Kreuzes. Die Inschrift beginnt zu verwittern. Die Kapelle steht auf privatem Grund und ist deshalb nur sehr schwer zugänglich.
Bald soll ein Kapellenweg rund um Pfaffenhofen entstehen. Die hier vorgestellten Kapellen werden wichtige Stationen an ihm sein.

Reinhard Haiplik, Kulturreferent

Autor:

PAF und DU Redaktion aus Pfaffenhofen

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