Wenn die Natur herunterfährt
Besonderer Zauber des Winterwaldes

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Um Geheimnisse zu lüften oder Entdeckungen zu machen braucht es keine Weltreise. Die Wälder vor unserer Haustüre bieten gerade jetzt im Winter viel Platz und viele Möglichkeiten kleinere oder größere Abenteuer zu erleben. Der Schulwald im Pfaffenhofener Westen mit seiner großen Vielfalt an Tieren und Pflanzen ist aus der Stadt schnell erreichbar.
Walter Ulrich nennt sich selbst „Waldopa“. Er steht mit seinem Hund „Timor“ zwischen den dunklen Stämmen der Buchen, Eschen, Eichen und Ahornbäume und schwärmt von der ganz besonderen Stimmung, die der Wald um diese Jahreszeit verbreitet. „Haben Sie schon mal einen Baum umarmt“, fragt er mit einem lächelnden Blick in die kahlen Kronen. „Ich bevorzuge Eichen, denn die haben eine ganz besondere Ausstrahlung.“ Egal ob Kind oder Erwachsener sollte jeder mal einen Baum berühren, ermuntet der bärtige Waldexperte. „So ein Baum gibt auch unheimlich viel zurück.“ „Und wer nicht umarmen will, kann einfach mit geschlossenen Augen spüren, wie rau sich die Rinde einer Eiche anfühlt und wie glatt eine Buche ist.“
Normalerweise weiht Ulrich Kindergruppen in die Geheimnisse des Schulwalds ein. „Vieles können Eltern und Kinder jetzt aber auch gemeinsam ohne fachkundige Begleitung entdecken. Denn um im winterlichen Dämmerlicht furchterregende oder lustige Gesichter von Gnomen oder Ungeheuern in den knorrigen Stämmen zu entdecken, braucht es lediglich ein wenig Phantasie“, sagt Ulrich. Der Wald mit seinem herumliegenden Ästen und Stämmen, mit Hügeln und Senken oder mit Bäumen die zum Klettern einladen, ist ein vielfältiger und immer neuer Abenteuerspielplatz.
Am Boden verrotten jetzt die unterschiedlichsten Blätter, die die Laubbäume im Herbst abgeworfen haben. Vielleicht lässt sich dabei gemeinsam herausfinden, ob es sich um ein Eichen- oder ein Ahornblatt handelt und von welchem Baum es vielleicht heruntergefallen ist. Besonders mutige Waldläufer wühlen sogar in der weichen Schicht und entdecken dort allerlei Insekten, die dort den Winter verbringen.

Aber nicht überall steht das Leben jetzt still. „Der Dezember ist die Zeit, in der die Eichhörnchen im Schutz ihres warmen Kobels hoch in den Bäumen die Jungen zur Welt bringen“, erklärt Ulrich. Zuvor haben sie wochenlang Bucheckern, Nüsse und andere Waldfrüchte gesammelt, Vorräte, mit denen sie die Winterruhe überstehen.

Fast unbemerkt von den meisten Besuchern findet im Wald ein täglicher Kampf um den besten Platz, um das begehrte Licht, und damit ums Überleben statt. „Die Brombeere schützt sich zum Beispiel mit ihren Stacheln vor dem Verbiss, also vor dem gefressen werden. Sie wächst so dicht, dass unter ihr kein Licht bleibt und andere Pflanzen chancenlos sind.“ Andere Pflanzen verfolgen dagegen die Strategie, möglichst schnell zu wachsen und erster zu sein, oben am begehrten Sonnenlicht in der Baumschicht.
Sobald es geschneit hat, gibt es jede Menge Spuren im Schnee zu entdecken. War es der Huf eines Rehs, die Klaue eines Wildschweins, die Pfote eines Hasen oder eines Kaninchens oder vielleicht die winzigen Krallen eines Eichhörnchens, das auf der Suche nach den Nahrungsvorräten seine Winterruhe unterbrochen hat? Ein kleines Fährtenbuch oder eine Tierspuren-App geben Antworten darauf. Vielleicht entdecken die Waldläufer auch ein oder mehrere Rehlager, in dem sich die Tiere zur Ruhe gelegt haben. Der „Waldopa“ will nicht ermahnen, erklärt aber: „Rehe brauchen im Winter mehr Ruhe als sonst, da sie ihren Stoffwechsel um bis zu zwei Drittel heruntergefahren haben. Das ist auch der Grund, weshalb die Waldbesucher auf den Wegen bleiben und ihre Hunde gerne an der Leine behalten. Denn jeder Stress, jede Flucht schwächt das Reh und schadet ihm.“

Spaß macht es auch, gemeinsam mit der ganzen Familie Äste zu suchen und damit eine der vielen halbfertigen Hüttenlager oder die angefangene Burg im unteren Teil des Schulwalds auszubauen. Bei herumliegenden Fichtenstämmen lohnt auch ein Blick unter die Rinde. „Hier liegen die Fressgänge des Borkenkäfers. Das ist der größte Feind des Waldes. Wahrscheinlich haben die winzigen Insekten genau diesen Baum so stark geschädigt, dass er umgefallen ist oder gefällt werden musste.“
Tiefer unter der Erde warten jetzt im Winter auch Dachse auf längere Tage und auf den Einzug des Frühlings. Sie haben ihre Wohnhöhlen zwischen den Baumwurzeln an einem Hang tief in den Boden gegraben. Dort verschlafen sie jetzt die meiste Zeit. Nur der Hunger weckt sie ab und zu auf, dann verlassen sie die warme Behausung und hinterlassen die unverkennbaren Abdrücke ihrer krallenbewehrten breiten Pfoten im Schnee oder im Schlamm.

Wer die Augen offen hält und sich auf das Abenteuer Wald einlässt, für den vergeht die Zeit wie im Flug. Erst die früh einsetzende Dunkelheit treibt die Waldläufer auf den Rückweg nach Hause. „Wenn die Schuhe richtig schmutzig sind und die Hose ist lehmverschmiert, weiß ich, es war ein guter Tag im Wald“, lacht der sympathische „Waldopa“. Und was gibt es danach Schöneres, als bei Kerzenschein mit einer heißen Tasse Tee oder Punsch die Erlebnisse Revue passieren zu lassen und schon den nächsten Tag im Winterwald zu planen.

Autor:

PAF und DU Redaktion aus Pfaffenhofen

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