Klein, aber sehenswert: Ausstellung zu romantischem Brauchtum eröffnet

Eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung mit dem Titel „Glaube – Liebe – Gute Hoffnung“ zeigt die Stadt Pfaffenhofen im Rahmen des Kultursommers im Rathaus-Foyer. Zur Eröffnung begrüßte Zweiter Bürgermeister Albert Gürtner am Freitagabend einige interessierte Besucher, und der Historiker Frieder Leipold, der die Ausstellung kuratiert hat, wusste zu jedem Exponat etwas Interessantes zu erzählen. Eine weitere Führung bietet Frieder Leipold am Samstag, 6. Juli, um 11 Uhr an.

Die Ausstellung zeigt Objekte aus dem ehemaligen Museum im Mesnerhaus, die auf mehreren Tafeln und in einem ausliegenden Katalog anschaulich erläutert werden. Dabei erfährt man viel Interessantes über die Mentalität und die Alltagsgeschichte der Pfaffenhofener in vergangener Zeit – und hier speziell über das „romantische Brauchtum“.

„Früher ist man mit Sexualität und Romantik ganz anders umgegangen“, erklärte Albert Gürtner. „Das waren früher eher Tabu-Themen, und es gab viel Mystisches und Geheimnisvolles, das unter der Decke gehalten wurde.“ Frieder Leipold erläuterte die einzelnen Ausstellungsstücke, und auch Hans Hipp, der in seinem Wachszieher- und Lebzelter-Museum viele Votivgaben, Wachsstöcke u. ä. bewahrt, konnte viel Wissenswertes ergänzen.

So ist in der Ausstellung z. B. ein Wachsstock zu sehen, den ein junger Mann einst seiner Auserwählten schenkte – quasi „die leichte Version von einem Verlobungsring“, wie Frieder Leipold es ausdrückte. Eine Pelzhaube, die vermutlich aus dem späten 19. Jahrhundert stammt, veranschaulicht den Ausdruck „unter die Haube kommen“. Verheiratete Frauen durften damals ihre Haare nämlich nicht mehr öffentlich zeigen, erläuterte Frieder Leipold, während die unverheirateten Frauen ihr Haar grundsätzlich flochten, denn nur Prostituierte trugen offene, lange Haare.

Weitere Ausstellungsstücke sind z. B. eine schwangere Madonna, ein Fatschenkind, ein besonders inniges Bild vom heiligen Joseph mit dem Jesuskund und drei Votivgaben aus Wachs – eine davon ein Krötenvotiv, die sogenannte „Beermutter“.

Erläuterungen zu allen Ausstellungsstücken gibt Frieder Leipold bei einer kostenlosen Führung am Samstag, 6. Juli, um 11 Uhr. Geöffnet ist die Ausstellung im Foyer des Rathauses bis zum 2. August zu den Öffnungszeiten des Bürgerbüros: Montag von 8 bis 16 Uhr, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 12 Uhr, Donnerstag von 7 bis 18 Uhr und an jedem ersten und dritten Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr. Bei der langen Nacht der Kunst und Musik am Freitag, 28. Juni, ist die Ausstellung von 17 bis 23 Uhr geöffnet.
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