Zwischen Drill und Idyll - Pfaffenhofen und seine Jugend in früheren Zeiten

Rodeln auf der Münchenerstraße bei der alten Ilmbrücke (um 1930)
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Bereits im 19. Jahrhundert war der Tagesablauf vieler Kinder und Jugendlicher nach der Schule fremdbestimmt. Das Übernehmen von Verantwortung für die Familie und die Mithilfe bei der Landwirtschaft oder im elterlichen Handwerksbetrieb forderte die junge Generation schon in früheren Jahrhunderten. „Freizeit ohne Grenzen“ gab es spätestens mit der Einführung der Schulpflicht in Bayern im Jahr 1803 nicht mehr.

Ausbildungsbeginn mit 13: Früher Eintritt ins Berufsleben

Das „Erwachsenenleben“ begann für die Kinder wesentlich früher als heute. Nach dem Besuch der ursprünglich nur sieben- oder achtklassigen Volksschule erlernten die Kinder schon mit 13 oder 14 Jahren ein Handwerk, verdingten sich in der Landwirtschaft oder erhielten einen Lehrplatz bei den Pfaffenhofener Brauereien oder im ansässigen Gewerbe. Während in der Landwirtschaft das ganztägige Arbeiten von Montag bis Samstag zur Norm gehörte, gab es in den ersten Pfaffenhofener Großbetrieben wie der Firma Blaudruck König (später Groß) eine auf sechs Stunden täglich festgelegte Arbeitszeit für Kinder und Jugendliche. Die hiesigen Maschinenbetriebe und Brauereien wurden im frühen 20. Jahrhundert regelmäßig auf Kinderarbeit kontrolliert, Verstöße sofort angezeigt.

Freizeitgestaltung und idyllische Plätze

Andererseits hatten Kinder und Jugendliche noch viele Möglichkeiten zu unbeschwertem Vergnügen. Sie konnten vor 100 Jahren noch mitten auf dem Hauptplatz und auf den Straßen Pfaffenhofens Murmeln spielen oder an den umliegenden, heute längst bebauten Hängen rodeln. An der Heubrücke, getrennt von den Erwachsenen im Geisreiter-Bad, traf sich die Jugend zum Baden. Auch die „Eisweiher“ an der Scheyererstraße besaßen viel Unterhaltungswert, die Brunnen der Stadt waren seit jeher beliebte Treffpunkte.

Maifeste der Volksschule

Ein besonderes Ereignis waren im 19. Jahrhundert die Kinder- und Waldfeste der Pfaffenhofener Volksschule. Ab 1829 fanden prächtige Maifeste der Volksschulkinder mit „gymnastischen Spielen“ und Tanzeinlagen statt. Mit Brot, Bratwürsten „I. Klasse“, Lebkuchen und Bier, das für die Schüler sämtlicher drei Schulklassen verzeichnet ist, war bei diesem jährlich veranstalteten Fest bestens für das leibliche Wohl gesorgt.

Neues Angebot für die Jugend: Die Anfänge des Vereinswesens

Ein ganz neues Freizeitangebot bot der 1862 gegründete MTV Pfaffenhofen. Die Turner kümmerten sich um den Nachwuchs, hielten die Knaben zur Ertüchtigung des Körpers an und organisierten Turnwettbewerbe. Der 1858 gegründete Gesellenverein nahm sich in Zeiten von „Sittenverderben und Gleichgültigkeit in Religion“ der männlichen und weiblichen Jugend an und bereitete sie auf ein werteorientiertes Leben in Familie und Beruf vor.

Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen

Insbesondere das 20. Jahrhundert brachte große Veränderungen für die junge Generation. Während des Ersten Weltkriegs stellten die Behörden eine starke Verwahrlosung der Jugend fest. Die Abwesenheit der im Krieg befindlichen Väter und die vielfältigen Aufgaben der Mütter in der Landwirtschaft oder im eigenen Betrieb führten zu einer großen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht und Verrohung der Jugend.

Maßnahmen zur Hebung von Sitte und Anstand

Der „Kath. Jugend-Verein Pfaffenhofen“ von 1919 wollte „unsere lockere Jugend … in ihren Freistunden - und das sind die gefährlichsten - sammeln und in kluger Beeinflussung zu rechten, brauchbaren, sittlich gesunden Menschen heranziehen.“, wie es in der Satzung heißt. 1930 trat der „Jungmädchenverein“ hinzu, der die Mädchen durch „Wanderung, Spiel und belehrende Fortbildung“ auf der richtigen Bahn halten wollte. Die Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs, als sich die einheimischen Mädchen oft nachts mit Soldaten herumtrieben, hatte man noch deutlich vor Augen.

Zahlreiche neue Angebote nach 1945

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Jugendkultur weiter verändert. Ein immer breiteres Freizeitangebot, anfangs durch den Jugend-Club im Amerika-Haus, die Pfaffenhofener Kinos, das neue Bad am Gerolsbach oder die ersten Tanzlokale, und neue Initiativen seitens der Stadt Pfaffenhofen von den ersten Jugendtreffs aus den 1960-er Jahren bis zu den heutigen Jugendzentren boten und bieten Jugendlichen in einer sich rapide verändernden Welt eine bisher nicht gekannte Vielfalt an Freizeitgestaltung.

Autor:

Stadtarchiv Pfaffenhofen an der Ilm aus Pfaffenhofen

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