Die Stadt Pfaffenhofen a.d. Ilm im Ersten Weltkrieg

Telegramm vom 1. August 1914 an die Stadt über die Bekanntgabe der Mobilmachung: 
„Mobilmachung befohlen. Erster Mobilmachungstag 2. August, sofort Nebenboten, Ersatzleute, und Fuhrwerke zum Rathaus beordern.“
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  • Telegramm vom 1. August 1914 an die Stadt über die Bekanntgabe der Mobilmachung:
    „Mobilmachung befohlen. Erster Mobilmachungstag 2. August, sofort Nebenboten, Ersatzleute, und Fuhrwerke zum Rathaus beordern.“
  • Foto: Andreas Sauer
  • hochgeladen von Stadtarchiv Pfaffenhofen an der Ilm

Die Jahre des Ersten Weltkriegs 1914–1918, der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, gingen auch an Pfaffenhofen nicht spurlos vorüber. Obwohl während des Krieges auf deutschem Territorium keine Kampfhandlungen stattfanden, waren zahlreiche Auswirkungen in der Stadt zu spüren. Sie zeigten sich in menschlichen Schicksalen, in den Versorgungsengpässen aber auch in militärischer Präsenz in der Stadt.

Mobilmachung
Die schon im Vorfeld des am 1. August 1914 ausbrechenden Krieges aufgeheizte Stimmung in Europa entging auch der Bevölkerung nicht. Spätestens mit dem öffentlichen Verlesen einer „Verordnung zur drohenden Kriegsgefahr“ auf dem Hauptplatz am 31. Juli war den Menschen die Gefahr bewusst.

Bereits einen Tag später erging der Mobilmachungsbefehl, der ab dem 2. August 1914 auch in Pfaffenhofen umgesetzt wurde. Junge Männer sammelten sich auf dem Hautplatz, wurden mit aufmunternden Worten verabschiedet und schon kurz darauf vom Bahnhof aus mit der Eisenbahn an die Kriegsschauplätze transportiert. Dieses Bild sollte die folgenden vier Jahre prägen.

Nach anfänglicher Euphorie zeigen sich die Schrecken des Krieges
Trotz mancher mahnenden Haltung angesichts des Krieges herrschte anfangs eine große Euphorie, die auf einen schnellen und siegreichen Ausgang der Auseinandersetzungen noch 1914 setzte. Doch die Nachrichten von ersten Gefallenen aus Pfaffenhofen und Umgebung, die bereits im August von den Kriegsschauplätzen gemeldet wurden, ließen bald die Euphorie verfliegen. Schockzustand, tiefe Trauer und Kriegsmüdigkeit machten sich breit. Die Lücken, die durch den Krieg in viele Familien gerissen wurden, waren tief und nur schwer zu überwinden.

Das „Vereinslazarett“
Die hohen Zahlen an Verwundeten machten die Einrichtung von Kriegslazaretten in vielen Städten notwendig. Bereits am 1. September 1914 eröffnete im Knabenschulhaus an der Schulstraße (heute Joseph-Maria-Lutz-Schule) das „Vereinslazarett“, das von den Männern und Frauen vom Rot-Kreuz-Verein in Pfaffenhofen geführt wurde.
In der Zeit seines Bestehens von 1914 bis November 1918 entfalteten die Mitglieder des Vereins ihre aufopferungsvolle Hilfstätigkeit an mehr als 2.000 verwundeten Soldaten. Das hiesige Lazarett galt als eines der besten hinsichtlich seiner Ausstattung, Führung und angesichts der erbrachten Hilfe, wofür das diensttuende Personal ehrenvolle Auszeichnungen erhielt.

Garnisonsstadt
Auch um die Qualifikation der immer neu ausgehobenen Soldaten für den Kriegseinsatz im Feld sicherzustellen, wurden in Städten Garnisonen einquartiert, um dort zu exerzieren, Feldübungen zu leisten und Schützengräben zu ziehen. Pfaffenhofen wurde am 16. Oktober 1915 Garnisonsstadt, indem das II. Ersatz-Bataillon des 13. Infanterie-Regiments hier einzog.

Untergebracht in den ehemaligen, zum Teil nicht mehr genutzten Bierkellern an der Kellerstraße, in Fabrikgebäuden oder auch Privathäusern, vergrößerte sich die Einwohnerzahl der Stadt von 4.500 auf über 7.000. Es herrschte, auch angesichts der zunehmenden Versorgungsnot und des Wohnungs- und Versorgungsmangels bald Ausnahmezustand.

Kriegsende in Pfaffenhofen
Mit zunehmender Kriegsdauer sank die Stimmung in der Stadt immer mehr. Neben dem starken Mangel an Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern sorgte die hohe Zahl von mehr als 180 Gefallenen und in Lazaretten gestorbenen Söhnen für großes persönliches Leid unter den Bewohnern.

Zudem hatten die Menschen ihr Gold und Silber und ihre Barmittel im Rahmen der „Kriegsanleihe“ zur weiteren Finanzierung des Krieges und zur Unterstützung der Soldaten im Feld geopfert, ohne die zugesicherte Rendite in Höhe von 5% jemals ausbezahlt zu bekommen. Materiell standen weite Teile der Bevölkerung vor dem Nichts und blickten nach dem Ende des Königreichs Bayern und dem Niedergang der Wittelsbacher-Dynastie im November 1918 in eine ungewisse Zukunft.

Autor:

Stadtarchiv Pfaffenhofen an der Ilm aus Pfaffenhofen

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