186 alte Urkunden nach Pfaffenhofen heim geholt

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Stadtarchiv ist um Jahrhunderte alte Schätze reicher

Das Pfaffenhofener Stadtarchiv ist seit dem 1. Juli um einige Schätze reicher. Stadtarchivar Andreas Sauer hat 186 Urkunden aus dem Zeitraum von 1346 bis 1789, die seit rund 150 Jahren im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München eingelagert waren, nach Pfaffenhofen zurückgeholt. Bei den Urkunden, die zum Teil über 650 Jahre alt sind, handelt es sich u.a. um Bestätigungen der Rechte und Privilegien der Stadt Pfaffenhofen durch die bayerischen Herzöge – so z.B. das Ziegelbrennrecht oder die Gründung einer Salzniederlage -, aber auch um Stiftungen von Messen und Jahrtagen sowie um Grundstücksgeschäfte in der Stadt und ihrer Umgebung.

Die alten Urkunden waren um 1860 von Pfaffenhofen an das damalige Königliche Reichsarchiv in München übersandt worden – vermutlich um eine sichere Aufbewahrung sicherzustellen. Nach dem geltenden Archivrecht bzw. dem sogenannten Provenienz- bzw. Herkunftsprinzip besteht die Möglichkeit, derartiges Material wieder an seinen ursprünglichen Aufbewahrungsort zurückzuerbitten. Und da die Stadt Pfaffenhofen im neuen Verwaltungsgebäude am Sigleck selbst über geeignete Archivräume verfügt, setzte Stadtarchivar Andreas Sauer gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Herker die Rückholung der Dokumente in Gang. Dieses Ansinnen wurde von den Archivdirektoren des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, der Nachfolgeeinrichtung des königlichen Reichsarchivs, nach Prüfung der Sachlage genehmigt.

Bevor Andreas Sauer die Urkunden nun in München abholen und in vier Metallkästen nach Pfaffenhofen „in ihre Heimat“ zurückbringen konnte, wurde vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv eine Sicherungsverfilmung der Dokumente erstellt. Dieser Mikrofilm wird nun im Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik, einem umfunktionierten Bergwerksstollen in der Nähe von Freiburg, zusammen mit Zigtausenden wertvoller Archivalien aus ganz Deutschland atombombensicher eingelagert.

Im Pfaffenhofener Stadtarchiv werden die Original-Dokumente jetzt verwahrt, stehen aber der Forschung offen, wie Andreas Sauer erläutert. Voraussetzung ist allerdings, dass der Benutzer die Handschriften überhaupt lesen kann, denn die meisten sind zwar in Deutsch geschrieben (manche auch in Latein), aber gerade die ältesten Stücke aus dem Mittelalter sind in schwer zu lesenden Kanzleikursiven verfasst.

Viele Schriften, die jetzt ins Pfaffenhofener Stadtarchiv „heim“ geholt wurden, sind mit Hängesiegeln in rotem oder gelbem Wachs ausgestattet, die oft von hölzernen Siegelkapseln geschützt sind. Inhaltlich haben die Dokumente längst nicht alle etwas Spektakuläres zu bieten. Oft geht es um die schlichte Beurkundung eines Häuserkaufs – so etwa bei der ältesten Urkunde aus dem Jahr 1346. Aus manchen lassen sich aber doch sehr interessante Schlüsse auf die Stadtgeschichte und die damaligen Verhältnisse in Pfaffenhofen ziehen.

So erlaubt beispielsweise eine Urkunde aus dem Jahr 1389 dem damaligen Markt Pfaffenhofen (als Stadt erst 1438 erwähnt), Holz aus den herzoglichen Wäldern zu holen und einen Ziegelofen zu bauen. Hintergrund für diese Erlaubnis war wohl der verheerende Brand von 1388, bei dem der ganze Markt Pfaffenhofen niedergebrannt wurde.

Bei einer anderen Urkunde handelt es sich um eine Messstiftung aus dem Jahr 1409. Nach dem Wiederaufbau der Stadtpfarrkirche, die 1388 ebenfalls völlig abgebrannt war, bewilligte der Augsburger Bischof Eberhard dem Rat und den Bürgern Pfaffenhofens, eine Messe zu stiften, damit wieder regelmäßige Gottesdienste gefeiert werden konnten. Dieses Dokument wurde gleich dreifach beglaubigt, wie die anhängenden Siegel des Bischofs Eberhard von Augsburg, des Abtes von Scheyern und der beiden Kirchenpröpste zeigen.

Autor:

Stadtarchiv Pfaffenhofen an der Ilm aus Pfaffenhofen

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