Historisch, kurios und auf jeden Fall spannend - viel Wissenswertes über die Geschichte

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Historisch, kurios und auf jeden Fall spannend, das sind die Stadtführungen durch Pfaffenhofen. Zwei Mal im Monat können alle Interessierten an einer Führung durch die Innenstadt, vorbei an historisch bedeutsamen Orten, versteckten Plätzen und altehrwürdigen Gebäuden teilnehmen. An der Seite einer erfahrenen Stadtführerin oder eines Stadtführers erfährt man viel Wissenswertes über die Geschichte der Stadt Pfaffenhofen, darunter auch so manch erstaunliche Details. Von der Frühzeit über das Mittelalter bis in die jüngste Gegenwart, es gibt viel über die Stadt und ihre Bewohner zu erzählen – und alle geschichtlich wichtigen Bevölkerungsgruppen sind beteiligt: Stadtverantwortliche und Geistliche, Gangster und Ganoven, Bürger und Bauern, Handwerker und Gelehrte.

Warum macht man Stadtführungen
Stadtführungen haben nicht nur einen unterhaltenden Charakter, sondern sind vor allem aus gesellschaftlicher und geschichtlicher Sicht von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Sie bieten für alle Teilnehmer eine einfache Möglichkeit, einen Blick zurück in die Vergangenheit zu werfen. So fällt es leichter die Geschichte einer Stadt nachzuvollziehen und die Entwicklung bis in die Gegenwart hinein zu verstehen.

Außerdem bieten Stadtführungen und die damit verbundene Auseinandersetzung mit dem bestenfalls eigenen Wohnort ein identitätsstiftendes Moment. Die eigene Identität und Herkunft gewinnt gerade im Zuge der Globalisierung an immer größerer Bedeutung. Dabei können alle Bevölkerungsgruppen erreicht werden: alteingesessene Bewohner haben die Möglichkeit ihre Heimatstadt noch besser kennenzulernen, aber vor können Neubürger einen ersten Bezug zu „ihrer“ Stadt herstellen; das Gefühl der Fremde wird ihnen vielleicht genommen.

Doch nicht nur an die ortsanwesende Bevölkerung richten sich Stadtführungen. Sie sind auch von touristischer Bedeutung von Städten. Der Physiogeograf und Landschaftsökologe Hartmut Leser bezeichnet in seinem Buch Landschaftsökologie aus dem Jahr 1997, den Städtetourismus als eine Reise „in eine historische oder kunstgeschichtlich bedeutsame oder durch ihre natürliche Lage, ihre Einkaufsmöglichkeiten oder ihr Freizeitangebot attraktive Stadt zum Zweck eines relativ kurzfristigen Aufenthalts.“

Tatsächlich ist zu beobachten, dass die Bedeutung des Städtetourismus in den letzten Jahren signifikant gestiegen ist. Vor allem in Deutschland entscheidet man sich oft bewusst gegen Urlaub in einem fernen Land und beschließt die benachbarten Bundesländer und Gemeinden zu bereisen, eine gewisse Attraktivität vorausgesetzt. Demzufolge wird es vor allem für Städte immer wichtiger, die eigenen Besonderheiten hervorzuheben und Unterscheidungsmerkmale zu definieren.

So ist es besonders für Kleinstädte von großer Bedeutung einen Anreiz zum Besuch und laut Leser ein historisches Programm und Freizeitangebot zu schaffen und dadurch als attraktive und Stadt zu gelten, die einen Besuch wert ist. Zusammengefasst: Stadtführungen bieten die optimale Möglichkeit, dass Bürger, Gäste und Touristen die Stadt kennen und „lieben“ lernen.
Überleitung zu den regelmäßigen Stadtführungen
In der Stadt Pfaffenhofen können derzeit zwei verschiedene Führungen besucht werden. Zum einen die Pfaffenhofen Tour, zum anderen die Kuriositäten Tour. Treffpunkt zu den regelmäßigen Stadtführungen ist immer um 11 Uhr vor dem Rathaus. Der Unkostenbeitrag 2 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind die Stadtführungen kostenfrei. Individuell buchbare Touren sind nach Absprache zu fast jeder Zeit möglich. Sie eignen sich hervorragend für Firmenfeiern, Familienbesuche oder auch Geburtstage.

Pfaffenhofen Tour
Wichtige Eckdaten und Ereignisse aus der Geschichte Pfaffenhofens, von der Stadtgründung im Jahr 1438 bis zur Renovierung des Rathauses und der Umgestaltung des Hauptplatzes, erfährt man bei der Pfaffenhofen Tour, die jeden dritten Samstag im Monat stattfindet.
Die klassische Pfaffenhofen-Tour beginnt am Rathaus(1) auf dem Hauptplatz in Pfaffenhofen. Von den vier bayerischen Königen im Festsaal geht es weiter über die Weilhammer Klamm zum neu restaurierten Flaschlturm (2) an der Unteren Stadtmauer. Dort ist noch ein kleines Stück der Stadtmauer aus dem Jahr 1438 zu sehen. Mit ein bisschen Fantasie kann man sich vorstellen, wie es damals war, als hohe kurfürstliche Beamte im 17. und 18. Jahrhundert den Wehrturm an der Stadtmauer bezogen. Anschließend passiert man die Joseph-Maria-Lutz-Schule(3), die nach dem bekannten Heimatdichter Joseph Maria Lutz benannt wurde. Eine weitere historische Sehenswürdigkeit und Überrest der fast gänzlich entfernten Stadtmauer ist der Stadtturm(4), den man als nächstes erreicht. Es geht am Heimatmuseum, dem Alten Mesnerhaus(5) vorbei zum oberen Hauptplatz. Dort findet man die katholische Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptist(6) und die städtische Spitalkirche(8) vor. Warum Pfaffenhofen zwei Kirchen hat und die Spitalkirche eine städtische Kirche ist, erfährt man bei der Stadtführung. Vis-à-vis zum Rathaus, ebenfalls am Oberen Hauptplatz befindet sich das Haus der Begegnung(7). Einst war das Haus eine Knabenschule, heute ist dort die Städtische Musikschule – seit der Erbauung im Jahr 1876 wird in dem Gebäude unterrichtet und gelehrt. Dass an der Stelle, wo das heutige Rentamt(9) steht, bis ins 14. Jahrhundert eine Burg stand, erfahren die Teilnehmer auf ihrem Weg stadteinwärts. Als nächstes geleitet der Stadtführer die Gruppe zum Stegerbräu(10), der im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Schauplatz turbulenter Partei- und Wahlkampfveranstaltungen war. Vom Hungerturm(11), Teil der ehemaligen Wehranlage und lange Zeit Gefängnis für Leute die ihre Schulden nicht zahlen konnten, geht es über die Mariensäule(12) in der Frauenstraße zurück zum Hauptplatz. Dort besucht man noch die Lebzelterei und Wachszieherei (13) der Familie Hipp. Am Brunnen mit der Mariensäule(15), der in Mitten des Hauptplatzes steht endet die Klassische Pfaffenhofen-Tour.
Für alle, die Interesse an der geschichtlichen Entwicklung Pfaffenhofens haben und sich einen Überblick historischen Plätze und Gebäude in der Stadt verschaffen wollen, ist die Pfaffenhofen-Tour die richtige Stadtführung. Neben der Historie entdeckt der ein oder andere, auch ortsansässige Pfaffenhofener, vielleicht eine Gasse oder ein Plätzchen, die er zuvor so noch nie gesehen hat.

Kuriositäten Tour
Ist man eher an den skurrilen Stadtgeschichten interessiert, die sich im Laufe der Jahrhunderte in und um Pfaffenhofen zugetragen haben, dem ist die Kuriositäten-Tour zu empfehlen. Jeden ersten Samstag im Monat erfahren die Teilnehmer auf ihrer Tour durch Pfaffenhofen amüsante, aber auch absurde Begebenheiten aus den Zeiten des Mittelalters bis hin zur Moderne.
Wie zum Beispiel das „Gelage nach dem Galgenneubau“ im Jahr 1768, als innerhalb von drei Tagen ein neuer Galgen für eine Hinrichtung erbaut werden musste und die Rechnung über 1 300 Maß Bier für die Handwerker jahrelang unbeglichen blieb. Oder aber von der „Sauftour mit Folgen“ aus dem Jahr 1832, als Kaplan Johannes Baptist Wolf volltrunken in Pfaffenhofens Wirtshäuser verweilte. Sein Verhalten hatte für ihn weitreichende Konsequenzen. Oder als man 1798 aus hygienischen Gründen plante den städtischen Friedhof an der Stadtpfarrkirche auf den „Arme Leute Friedhof“ von Altenstadt zu verlegen, kam es am 22. August zu einem revolutionsartigen Tumult. Gleich drei „Weiberhaufen“ zogen zum oberen Hauptplatz um den Pfarrer zu finden, den sie beschuldigten, der Urheber der Friedhofsverlegung zu sein. Mit einer Axt bedrohten sie den armen Priester, der in Panik aus der Stadt floh. Wie der „Aufruhr der Weiber“ endet erfährt man jeden ersten Samstag im Monat.
„Durch die Kuriositäten-Tour erhält man einen guten Eindruck, wie derb es manchmal in Pfaffenhofen in den letzten Jahrhunderten zugegangen ist“ erklärt der Stadtarchivar Andreas Sauer, der gemeinsam mit Frieder Leipold an der Zusammenstellung und historischen Aufarbeitung der Touren beteiligt war. Die Arbeit an den Stadtführungen war für ihn sehr spannend: „Es gibt so viele Geschichten, die sich in Pfaffenhofen ereignet haben. Eigentlich wären alle erzählenswert gewesen“ so der Historiker, „doch wir mussten für die neunzigminütige Kuriositäten-Tour die wirklich skurrilsten und spannendsten heraussuchen.“

Musikalische Stadtführung
Eine besondere Stadtführung, zu einem besonderen Ereignis: Anlässlich der Feier des 30jährigen Jubiläums der städtischen Musikschule organisierte die Wirtschafts- und Servicegesellschaft zum ersten Mal eine musikalische Stadtführung. Dabei standen neben der Historie der Stadt auch das Können und die Fähigkeiten der vielen talentierten Musikschüler Pfaffenhofens.
Durch die Musik an den historischen Plätzen entstand eine ganz besondere Atmosphäre: Die Teilnehmer wurden an ausgewählten Plätzen und Gebäuden musikalisch empfangen und hatten die Möglichkeit, den Ort erst einmal auf sich wirken zu lassen. Nach der kurzen Darbietung war der Stadtführer am Zug, der wie auf Stadtführungen allgemein üblich, die Zuhörer mit vielen Informationen, Eckdaten und Ereignissen aus der Geschichte Pfaffenhofens versorgte. Nach dem geschichtlichen Teil, spielten die Musiker ein weiteres, letztes Stück. Der richtige Zeitpunkt sich die Vergangenheit in Ruhe vorzustellen, bevor es zur nächsten Station ging.
Da das Interesse und die Beteiligung an den Musikalischen Stadtführungen so groß waren, fiel die Entscheidung leicht, auch im kommenden Jahr wieder an dem neuen Format festzuhalten. Und so starten am 10. Mai jeweils um 10.30 Uhr und 11 Uhr wieder zwei kostenlose Stadtführungen mit musikalischer Umrahmung vor dem Rathaus in Pfaffenhofen. Die Besetzung wird wahrscheinlich wieder aus den Blechbläser-, Klarinetten-, Blockflöten-, Posaunen- und Volksmusikensembles der Musikschule Pfaffenhofen bestehen, ergänzt und abgeschlossen durch eine Orgeldarbietung.
Die Städtische Musikschule laden zusammen mit der Wirtschafts- und Servicegesellschaft Pfaffenhofen alle Musikliebhaber und Geschichtsbegeisterten ein, an den Musikalischen Stadtführungen teilzunehmen. Notieren Sie sich besser schon heute das Datum.

Fackelstadtführung
Passend zur dunklen und kalten Jahreszeit gibt es im Dezember wieder Fackelstadtführungen durch Pfaffenhofen. „Im Fackelschein durch die Stadt“ lautet dann das Motto, wenn Stadtführer Reinhard Haiplik, Andreas Sauer und Hans Prechter alle Pfaffenhofen-Interessierte zum kostenlosen Stadtrundgang einladen. Treffpunkt ist jeweils am 4., 11. und 18. Dezember, um 18 Uhr vor dem Rathaus in Pfaffenhofen. Zu Beginn erhalten die Teilnehmer vom Stadtführer auf Wunsch eine Fackel und sobald alle Fackeln brennen, beginnt die einzigartige Tour durch Pfaffenhofen.
Auf den Spuren eines Nachtwächters sieht man dann, am winterlichen Vorabend, die Orte und Gebäude im Licht der Fackeln anders als am Tag. Man kann sich durch das Flackern der Flammen längst vergangene Zeiten und härtere Lebensumstände gut vorstellen. Zeiten und Lebensumstände, in denen es noch kein elektrisches Licht gab. Doch trotz der Dunkelheit und der spärlichen Beleuchtung wird der Spaziergang durch die Geschichte der Stadt weder gruselig noch unheimlich. Es wird vielmehr eine Stadtführung mit ganz besonderer Atmosphäre und einem nostalgischen Flair. Ein besonderes, vorweihnachtliches Ereignis für Groß und Klein.

Stadtführung als App
Den Sprung in die Moderne schaffen die Stadtführungen seit März 2013 mit der neuen Pfaffenhofen-App. Neben vielen Stadtinformationen bietet die Pfaffenhofen App die Möglichkeit eine Stadtführung auf eigene Faust zu machen. Zu jedem historischen Ort oder kuriosen Geschichte erhält man die nötigen Hintergrundinformationen und Bildmaterial. Inklusive eines Audioguides, der ähnlich wie ein Stadtführer, das Publikum zu den Sehenswürdigkeiten begleitet und alle wichtigen Daten und Fakten liefert. So kann man seine ganz individuelle Stadtführung ohne zeitliche Bindung und Absprachen genießen.
Durch die übersichtliche Stadtkarte, inklusive Navigation, lässt sich der private Rundgang durch Pfaffenhofen leicht und übersichtlich gestalten. Für alle Pfaffenhofen Interessierten, diejenigen die eine Stadtführung gerne auf eigene Faust oder eventuell in mehreren Etappen gestalten wollen, ist die kostenlose Pfaffenhofen-App ein absolutes Muss. Vor allem, wenn man in Teilen der Innenstadt gratis surfen kann, dem kostenfreien W-LAN des Vereins Lebendige Innenstadt sei Dank.

Statements

Nathalie Buska (Stadtführerin und Geschichts- und Englischlehrerin)

Die Stadtführungen sind eine große Bereicherung für Pfaffenhofen. Denn will man eine Stadt kennenlernen, ist es nicht nur wichtig, das Hier und Jetzt zu betrachten, sondern man muss auch einen Blick zurück in die Vergangenheit werfen. Gerade Pfaffenhofen hat viele spannende Ereignisse aus den letzten Jahrhunderten zu erzählen, die durch die regelmäßigen Stadtführungen wieder lebendig und greifbar werden. Geschichte ist keinesfalls langweilig und nur in staubigen Büchern zu finden. Im Gegenteil, den Ursachen und Ursprüngen auf den Grund zu gehen ist spannend und faszinierend. Deshalb freue ich mich über jeden Teilnehmer bei den Stadtführungen und hoffe, ihnen allen die Freude und das Interesse an der Vergangenheit Pfaffenhofens vermitteln zu können.

Nadine Weiher (Referendarin an der Josef-Maria-Lutz Grundschule)

Da es in Pfaffenhofen einige Seminarschulen gibt, ziehen jährlich viele Lehramtsstudenten in die Stadt. Um nun Pfaffenhofen besser kennenzulernen organisierten einige Referendare Ende Oktober eine Stadtführung. Es war eine großartige Möglichkeit sich zu orientieren, die zentralen Plätze kennen zu lernen und etwas über die Stadt, in der man das nächste Jahr unterrichten und leben wird zu erfahren. Außerdem ist es wichtig, über die Vergangenheit Pfaffenhofens im Bilde zu sein, besonders wenn Schüler danach fragen.
Die Buchung war mit wenig Aufwand verbunden. Ein Anruf genügte und kurze später kam die Buchungsbestätigung. Wir sind sehr froh, dass wir an einer Stadtführung teilgenommen haben und können es nur wärmstens weiterempfehlen.

Autor:

PAF und DU Redaktion aus Pfaffenhofen

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