Ein musikalischer Spaß: Pfaffenhofener Winterbühne mit „Opern auf Bayrisch“

(Foto: Lukas Sammetinger)
 
(Foto: Lukas Sammetinger)
Winterlich war beim Freitagabend der Pfaffenhofener Winterbühne nur die Außentemperatur. Durchweg sonnig und heiter war hingegen die Laune der Zuschauer in der vollbesetzten Aula der Grund- und Mittelschule bei den „Opern auf Bayrisch“, mit denen das Programm der Winterbühne nach Kriminaltheater und Kinderkonzert ein weiteres Mal publikumstaugliche Vielfalt bewies.

Seit fast 35 Jahren begeistern Paul Schallwegs gereimte Verballhornungen berühmter Operntexte, wo auch immer sie zwischen Rüsselsheim und Garmisch-Partenkirchen aufgeführt werden. Man nehme drei Leser, ein gutes Dutzend Musiker (unter Leitung von Andreas Kowalewitz) und drei bavarisierte Bühnenwerke (wie hier „Carmen“, den „Fliegenden Holländer“ und „Die Zauberflöte“), und fertig ist die Erfolgsmischung. Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg widmen sich als Schauspieler-Trio den durchweg im Paarreim gehaltenen Schallweg-Versen mit sichtlichem Vergnügen. Zum zusätzlichen Gaudium des Publikums improvisieren sie gelegentlich auch über die Rollen und den Text hinaus. „Schee is᾽ bei Eich!“, meint Conny Glogger, und die Zuhörer können dieses Kompliment umgehend auch in Gegenrichtung bestätigen: In schönster Faschingsstimmung wird da auf der Bühne gelispelt, gepoltert und gesäuselt. Und wenn am Ende von Wagners Fliegendem Holländer („Des Geisterleb’n is barbarisch, a Weib muaß her, sonst wer’ i narrisch!“) das ohnehin schon auf Alpenglühen und Edelweißblühen gestimmte Erlösungspathos parodistisch weiter und weiter übersteigert wird, hat Alt und Jung dabei eine wahre Freude.

Ist schon die Mundart-Fassung der auch vom Spielort ins Bayerische verlegten Opernhandlungen ein rechter Spaß, so wird das Ganze – nicht nur bei der dramatischen „Carmen oder: Wia d’Liab an Sepp zum Mörder gmacht hat“ – eine Mordsgaudi durch die Musikbearbeitungen von Friedrich Meyer. Ausgehend von den berühmtesten Ohrwürmern der jeweiligen Oper wird im zwölfköpfigen Musikerensemble zitiert und verarbeitet, was das Zeug hält; der Matrosenchor aus dem „Fliegenden Holländer“ landet neben Prinz Orlowsky in der „Fledermaus“, „Die Entführung aus dem Serail“ findet sich plötzlich in der „Zauberflöte“ wieder, bruchlos geht der Carmen-Stierkampf in bayerische Volksmusik über, neben Mozart und Wagner tönt auf einmal der Schlager von „Donna Clara“, und mit Zitherklängen wird aus ehrwürdiger Klassik schwungvoller Dixieland. Und wo eine Oper – wie „Madame Butterfly“ – nicht zu viele Mitpfeifstücke hat, behilft man sich kurzerhand anderweitig: Statt Puccini erklingen dann, Hauptsache Orient, weithin bekannte Weisen aus Franz Lehárs „Land des Lächelns“, frei nach dem Motto „Alle Chineser san Japaner“.

„Musikalisches Gesicht“ und ein Highlight der Opern auf Bayrisch ist und bleibt der Schlagwerker. Philipp Jungk, dem Pfaffenhofener Publikum womöglich noch als eine Hälfte des Percussions-Duos „Double Drums“ in Erinnerung, hat diesen Part in Nachfolge von Werner Hofmeister seit 2018 übernommen. Mit allem möglichem und unmöglichem Instrumentarium, von Vogelpfeiferl und Trillerpfeife, Nachttopf und Donnerblech, Weinflasche und Wärmflasche bis zur Vuvuzela, mal Plakate herumzeigend, dann wieder schuhplattelnd zieht er alle Blicke auf sich und wird der heimliche Star des Abends.

Als Zugabe eine Kurzfassung der „Madame Butterfly“ – das Publikum hätte mit ähnlicher Begeisterung wohl auch noch die Langfassung von Wagners gesamtem „Ring“ in einem Aufwasch verfolgt.
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