Pfaffenhofen als Gewerbestandort im Lauf der Geschichte

Gewerbeschau in der Turnhalle der Knabenschule August 1921
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Pfaffenhofen, heute Standort international renommierter Unternehmen, besaß bis vor gut 100 Jahren noch keinen großen Arbeitgeber. Handwerk und Gewerbe beschäftigten nur einige wenige Mitarbeiter und kamen wirtschaftlich gerade so über die Runden. Erst Entwicklungen des 19. Jahrhunderts leiteten Veränderungen ein, die jahrhundertelang gewachsene Strukturen aufbrachen.

Buntes Wirtschaftsleben vor 500 Jahren

Die Vielzahl an Berufen - schon im 16. Jahrhundert gab es 70 verschiedene Gewerbe - erforderte Regelwerke, um Handwerk und Gewerbe in festen Bahnen laufen zu lassen. Die Pfaffenhofener Zünfte und viele Handwerksordnungen lieferten genaue Vorgaben, wie die die Betriebe in der Stadt zu arbeiten hatten. Dabei war die Verwendung von Material, Werkstoffen und Farben exakt festgelegt. Wich ein Meister von den Vorgaben ab, konnte er sich einer Bestrafung sicher sein.

„Ist sein Gewerbsbetrieb sehr gering“: Ständiger Überlebenskampf des Mittelstands

In der Stadt war die Konkurrenz unter den Gewerbetreibenden seit jeher sehr groß. Bis zu 13 Brauereien aber auch zehn Schneider oder neun Schuhmacher bei weniger als 2.000 Einwohnern machten sich im 18. Jahrhundert untereinander erheblich Konkurrenz. Die meisten Gewerbetreibenden hatten kaum Absatz und konnten nur Ausbesserungsarbeiten zu leisten. Beim Schlosser Xaver Modlhard in der Grabengasse hieß es 1810 im Jahr stellvertretend für zahlreiche andere Berufsgruppen: „Bei der zu starken Concurrenz von 3 Schlossern in Pfaffenhofen ist sein Gewerbsbetrieb sehr gering“. Auch das Gewerbe der Glaser war „sehr unbeträchtlich, denn es sind 2 Glaser in Pfaffenhofen und kann nur einer bestehen“, wie es in alten Quellen heißt.

Das 19. Jahrhundert bringt den großen Einschnitt

Umfassende Veränderungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts in allen Bereichen des menschlichen Lebens brachten auch für Handwerk und Gewerbe massive Einschnitte. Das starre, aber auch Sicherheit vermittelnde System der Zünfte wurde aufgehoben und die Anfänge eines freieren Marktes und Wettbewerbs nahmen ihren Anfang. Die Ansiedlung von neuen Gewerbebetrieben wurde einfacher und technische Entwicklungen sorgten für neue Berufe in Pfaffenhofen.
Der Bau der Eisenbahnlinie München-Treuchtlingen in den Jahren 1865 bis 1867 und die in der Folgezeit einsetzenden technischen Innovationen begannen die Geschäftswelt in Pfaffenhofen zu verändern, die „Globalisierung“ hielt Einzug in der Stadt. Neue Berufe kamen auf: Mechanische Werkstätten, erste Elektrobetriebe oder chemische Wäschereien mischten sich nach 1900 unter die alten Handwerksbetriebe. Größte Arbeitgeber waren bis in das 20. Jahrhundert hinein die Maschinenfabrik Stocker und die Firma "Blaudruck König", die zusammen über 100 Menschen Arbeit gaben.

Gewerbeschauen als Impulsgeber: Anfänge der Standortvermarktung

Mit den Veränderungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts einher gingen Krisenjahre für den Mittelstand, die auch in Pfaffenhofen zu spüren waren. Betriebsniederlegungen und Bankrotte waren nicht selten, sodass die Verantwortlichen von Stadt und Bezirk Gegenmaßnahmen ergriffen. Die Gewerbeschau von 1886 im Rathaus war ein erster Vorstoß in Richtung Standortvermarktung zur Stärkung des heimischen Gewerbes gegen die aufkommende Konkurrenz aus der Großstadt. Auch im Zuge der Wirtschaftskrise 1921 sowie ab 1976 nach dem „Ölschock“ vom Herbst 1973, der weltweit Industrie und Gewerbe erschütterte und die Arbeitslosenzahlen bedrohlich hatte ansteigen lassen, wurden und werden bis heute Gewerbeausstellungen ausgerichtet. In einer Zeit immer schnelleren Wandels im Gewerbeleben war man sich bewusst, dass eigene Aktivitäten notwendig waren, um die Stadt als Wirtschaftsstandort zu erhalten.

Autor:

Stadtarchiv Pfaffenhofen an der Ilm aus Pfaffenhofen

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