Energie für alle! - Erste Energiewende an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert

Ansicht der 1908 errichteten "Elektrischen Centrale" an der heutigen Schulstraße, die in Pfaffenhofen ein neues Energiezeitalter einleitete (1909).
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  • Ansicht der 1908 errichteten "Elektrischen Centrale" an der heutigen Schulstraße, die in Pfaffenhofen ein neues Energiezeitalter einleitete (1909).
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Vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen auf der Erde verstärkte die Forschung insbesondere in den letzten drei bis vier Jahrzehnten ihre Bemühungen auf der Suche nach alternativen, regenerativen Energieformen. In Pfaffenhofen setzten bereits im 19. Jahrhundert Überlegungen ein, natürliche Gegebenheiten aber auch neue technische Möglichkeiten zur Energieversorgung zu nutzen.

Wasser, Dampf und Wind - Wichtige Energielieferanten bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert

Die Versorgung der Stadt gründete wesentlich auf der Ressource Wasser. Neben der Versorgung mit Trinkwasser, hierfür existierte bereits im 16. Jahrhundert eine Wasserleitung vom Bugscharrn in die Stadt, diente die Wasserkraft der Ilm und ihrer Nebenarme etwa dem Antrieb von Mühlrädern. Bei der Erntearbeit bediente man sich noch der Arbeitskraft von Mensch und Tier.
Erst mit der beginnenden Technisierung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, sichtbar geworden durch die 1867 fertig gestellte Eisenbahntrasse München-Treuchtlingen, ergaben sich neue Möglichkeiten der Energiegewinnung. Einen Anfang machten dampfbetriebene Erntemaschinen und Fabrikanlagen, die in Bahnhofsnähe entlang der Münchener Straße entstanden. Die Dampfbäckerei von Castulus Bergmeister am Hauptplatz basierte ebenso auf den neuen technischen Möglichkeiten wie die aufkommenden Dampfdreschmaschinen.
Eine heute ganz aktuelle Technik war in Pfaffenhofen in den 1880er Jahren im Gespräch. Amerikanische Windmotoren, die der Maschinenfabrikant und Dampfsägebesitzer Josef Lindner verkaufte, leisteten zwischen einer und 18 Pferdestärken und dienten dem Antrieb mechanischer Anlagen.

Energiewende um 1900 - Die Elektrifizierung Pfaffenhofens

Zum Ausgang des 19. Jahrhunderts sorgte eine neue Errungenschaft in den Großstädten für Schlagzeilen, die heute alltäglich und selbstverständlich zum Alltag gehört: Die Nutzung des elektrischen Stroms, anfangs zur Straßenbeleuchtung und „Illuminierung“ der öffentlichen Gebäude genutzt.
Erste Diskussionen bei den Verantwortlichen Pfaffenhofens setzten im Jahr 1892 ein. Zunächst entschied man sich aber nicht für eine Einführung des elektrischen Stroms in der Stadt, sodass private Initiativen der Bevölkerung den Vorzug der neuen Technik vermittelten.
So ließ Maschinenfabrikant Kaspar Stocker im Dezember 1895 mit Strom aus seiner Fabrik den Hauptplatz mit vier Bogenlampen elektrisch beleuchten, was die Menschen in Erstaunen und Begeisterung versetzte. Doch erst im Jahr 1898 traten die Planungen zur Elektrifizierung der Stadt in ein konkretes Stadium. Mehrere Firmen bewarben sich um die Versorgung Pfaffenhofens mit elektrischem Strom. Am 26. Oktober 1898 schließlich schloss die Stadt einen Vertrag mit den „Bayerischen Wasserwerken A.G. in Nürnberg“ zur Errichtung einer elektrischen Zentrale. In Pfaffenhofen waren zunächst vier Bogenlampen und 32kerzige Glühlichter für die Beleuchtung des Hauptplatzes und wichtiger Straßen vorgesehen.
Um auch die letzten Skeptiker zu überzeugen, veranstaltete die „Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft München (AEG)“ im Juni 1899 beim „Franzbräu“ in der Ingolstädter Straße eine venezianische Nacht, bei der abwechslungsreiche Lichteffekte die Besucher begeisterten. Im September desselben Jahres verlief der Probelauf für die elektrische Beleuchtung des Hauptplatzes „zur vollsten Befriedigung“, sodass umgehend die Betriebsaufnahme der elektrischen Anlage in Pfaffenhofen erfolgte.

Dr. Josef Bergmeister - Pionier der Energiewende

Das anfängliche „Luxusgut“ Strom machte der gebürtige Pfaffenhofener Dr. Josef Bergmeister (1874-1950) in seiner Heimatstadt möglich. Unter seiner technischen Federführung führten die Amperwerke insbesondere ab 1908 schrittweise den Ausbau des Stromnetzes durch, das in den folgenden Jahren, insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918), auch auf die umliegenden Gemeinden ausgedehnt wurde. Aufkommende elektrische Installationsgeschäfte führten die erste und damals revolutionäre Energiewende in Stadt und Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm weiter.

Autor:

Stadtarchiv Pfaffenhofen an der Ilm aus Pfaffenhofen

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