Historischer Rückblick
Vielfältige Winterfreuden in Pfaffenhofen

Eislaufen an der Scheyerer Straße um 1935 | Foto: Stadtverwaltung
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Was früher im Sommer die Bierkeller an der Kellerstraße oder die Rennwiese am heutigen Volksfestplatz darstellten, waren im Winter die Eisweiher an der Scheyerer Straße: Orte der Begegnung, der Unterhaltung und der Freude. Bis vor rund 60 Jahren herrschte auf ihnen ein buntes Treiben und es zog die Pfaffenhofener in großer Zahl hinaus.

Eis für den Brauereibedarf

Die Pfaffenhofener Brauereien mussten vor der Entwicklung großer Eismaschinen zur Kühlung ihrer Biervorräte Eisblöcke aus gefrorenen Weihern schlagen. Hierfür gab es im Bereich des heutigen Schulzentrums von Gymnasium und Realschule große Flächen, aus denen die Brauereiinhaber die nötigen Vor-räte an Eis gewinnen konnten. Bevor sie es einholten, stellten die Besitzer der Müllerbrauerei ihre Flächen der Bevölkerung zur Verfügung, so konnten die Pfaffenhofener bereits im frühen 20. Jahrhundert Wintersport betreiben.

Die Anfänge des Eislaufsports

Schon damals gab es Sportbegeisterte, die sich Kufen unter ihre Winterstiefel schraubten und das Dahingleiten auf den Weihern genossen. Geübtere drehten schon Pirouetten oder wagten Sprünge auf dem Eis. Gegen geringes „Eintrittsgeld“ durfte man auf die Eislauffläche, später war sogar mit musikalischer Beschallung auf den Weihern viel geboten.

Geschichten ums Eisstockschießen

Für die älteren Jahrgänge bot das Eisstockschießen die Gelegenheit, sich im Wettkampf zu messen, und man lieferte sich heiße Duelle auf kaltem Untergrund. Der laute Knall der aufeinanderprallenden Stöcke und herzhafte Kommentare der Stockschützen prägten über Jahrzehnte an schönen Wintertagen auf den Eisweihern das Geschehen. Berühmt geworden ist die Geschichte vom „Teifi am Eisweiher“, als fünf gestandene Männer den Sieger ihres Wettschießens ermitteln wollten und auf einmal ein weiterer, schwarzer Eisstock ohne Spieler auftauchte. Dies versetzte die Männer in so großen Schrecken, dass sie fluchtartig und ohne ihre Stöcke mitzunehmen den Ort des ominösen Geschehens verließen. In einem Gedicht im Amtsblatt erhielten sie eine nachträgliche „Würdigung“ und mussten manchen Spott über sich ergehen lassen.

Eislaufvereine und Eishockey

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es erstmals zur Gründung eines Eissportvereins, dessen Mitglieder die Eisweiher nutzen konnten. In einem aus Holz errichteten kleinen Häuschen beim Eislaufplatz konnte man Ausruhen und eine wärmende Stärkung einnehmen. Neben dem Eislaufen und dem Stockschießen spiel-ten einige schon damals Eishockey. Nach dem Zweiten Weltkrieg schufen Mitglieder des neu gegründeten Eissportvereins „EV Pfaffenhofen“ ein Spielfeld und trugen gut besuchte Spiele gegen auswärtige Mannschaften aus.

Ende der Eisweiher an der Scheyerer Straße und Neubau einer Eissportanlage

Noch bis in die 1960er Jahre bestanden die Weiher und wurden zuletzt im Winter 1966/67 von den Brauereien für die Kühlung des eingelagerten Bieres genutzt. Mit der Errichtung des Schulzentrums ging die Tradition der Eisweiher zu Ende. Vorübergehend gab es keinerlei Möglichkeit für Eislaufsport in der Kreisstadt, bis nach dem Bau des neuen Freibads an der Ingolstädter Straße im Winter provisorisch das Schwimmerbecken zum Eislaufen zur Verfügung gestellt und bald darauf eine offizielle Eissportanlage beim Freibad errichtet wurde.

Autor:

Stadtarchiv Pfaffenhofen an der Ilm aus Pfaffenhofen

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