Interview zur Attraktivität der Innenstadt

„Repräsentatives Zentrum, Treffpunkt, Aufenthaltsbereich und Identifikationsort einer Stadt“

Das neue Verkehrs- und Parkraumkonzept soll dazu beitragen, den Aufenthalt in der Innenstadt angenehmer zu machen. Mit der Attraktivität der Innenstadt beschäftigt sich auch das Einzelhandelsgutachten, das derzeit von der iq-Projektgesellschaft im Auftrag der Stadt aktualisiert wird. Im PAF und DU-Interview erläutert der Wirtschaftsgeograph Robert Leiner, was eine weitere Verkehrsberuhigung für den Hauptplatz und den Standort bedeutet.

Herr Dr. Leiner, was haben Sie in Pfaffenhofen untersucht?
Leiner: Wir haben wir im Sommer 2017 den gesamten Einzelhandelsbestand der Stadt Pfaffenhofen aufgenommen sowie in der Innenstadt zudem den Bestand an Gastronomie und weiteren Dienstleistungen. Darüber hinaus haben wir die Veränderungen auf der Nachfrageseite quantifiziert, die sich aus dem Bevölkerungswachstum ergeben und die Bestandsveränderung im Vergleich zum Jahr 2008 ermittelt.

Wie steht Pfaffenhofen dabei da?
Im Vergleich zu 2008 hat die Stadt deutlich an Verkaufsfläche hinzugewonnen, so dass sich die Angebotssituation zumindest quantitativ verbessert hat. Der weit überwiegende Teil dieses Zuwachses hat in der Innenstadt stattgefunden. Diese Entwicklung ist im Vergleich zu vielen anderen bayerischen Kleinstädten außergewöhnlich und nachahmenswert.

Wie lässt sich die Attraktivität der Innenstadt weiter steigern?
Die Attraktivität einer Innenstadt machen viele Bausteine aus. Leitbild ist die multifunktionale Innenstadt, in der geeignete Rahmenbedingungen für Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeitgestaltung herrschen. Eine Innenstadt ist zudem auch repräsentatives Zentrum, Treffpunkt, Aufenthaltsbereich und Identifikationsort einer Stadt. Neben einer ansprechenden Gestaltung des öffentlichen Raumes gilt es auch immer wieder, die Innenstadt als Treffpunkt und Veranstaltungsort zu positionieren. In diesem Bereich hat sich die Stadt Pfaffenhofen seit 2008 hervorragend aufgestellt.

Was bedeutet eine weitere Verkehrsberuhigung des Pfaffenhofener Hauptplatzes für den Einzelhandel?
Die Aufenthaltsqualität erhöht sich und die Fußgängerfrequenz zwischen den Innenstadtstellplätzen und dem Hauptplatz steigt an. Hiervon können insbesondere diejenigen Geschäfte profitieren, deren Kunden dem Segment des Erlebniseinkaufes zuzuordnen sind - gegenüber dem reinen Versorgungseinkauf.

"Verträgt" Pfaffenhofen eine größere Fußgängerzone?
Im Standortwettbewerb geht es für die Innenstädte darum, ein besonderes Angebot zu schaffen, das sich von den übrigen örtlichen Standorten und dem Onlinehandel abhebt. Die erfolgreichen Einkaufszentren entwickeln ihre Funktion als Aufenthaltsort immer stärker weiter. Dies spricht ein Kundenbedürfnis an, eine Weiterentwicklung dieser Qualitätsdimension in der Pfaffenhofener Innenstadt halte ich deshalb für anforderungsgerecht. Allerdings reicht das über das Thema Fußgängerzone hinaus: Es gilt ein Gesamtkonzept zur multifunktionalen Pfaffenhofener Innenstadt zu entwickeln, deren Kernelement dann auch ein verkehrsfreier Hauptplatz sein kann.

Parkplätze sind – wie wohl in vielen Kleinstädten – ein heiß diskutiertes Thema. Wie wirkt es sich aus, wenn Stellplätze am Hauptplatz wegfallen?
Es ist aus meiner Sicht nicht zielführend, Einzelaspekte zu diskutieren, ohne sich zu vergegenwärtigen, aus welchem Gestaltungswillen heraus Veränderungen stattfinden sollen. Die Erfahrung aus anderen Kommunen lehrt, dass die Diskussion der Stellplatzthematik häufig nur ein Stellvertreterthema ist, hinter dem sich ein grundsätzlich fehlender Gestaltungs- oder Veränderungswille versteckt. Wenn zunächst ein gemeinsam getragenes Entwicklungsziel formuliert ist, lassen sich zum Thema der Erreichbarkeit Lösungen finden. Entscheidend ist die grundlegende Zielsetzung, die verfolgt werden soll. Mit Blick auf eine nachhaltige Stadtentwicklung zählen die Verbesserung der Wohn- und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, die Sicherung der Zentralität der Innenstadt und die Reduzierung des Pkw-Verkehrs zu den grundlegenden Zielen.
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