Freie Fahrt für Pfaffenhofen?

Dichter Verkehr herscht oft am Kreisel an der Scheyerer Straße.
 
Viel Blech am Hauptplatz - in nächster Zeit wird entschieden, ob zumindest einige Parkplätze wegfallen sollen.
 
Die Autos parken auf dem Hauptplatz bis direkt an den Kinderspielplatz.

Neues Verkehrskonzept ist in Arbeit

Die Atmosphäre in der Pfaffenhofener Innenstadt war im Sommer 2017 eine ganz besondere. Und das lag nicht nur an der Gartenschau. Der neue Spielplatz und der Stadtstrand, Familien mit Kindern am Wasserspiel und vollbesetzte Straßencafés brachten südländisches Flair und ein bisschen Urlaubsstimmung auf den Hauptplatz. Da wurde so richtig bewusst, wie schön es sich in der Innenstadt leben, bummeln und verweilen lässt. Einziger „Störfaktor“: Es parken und fahren sehr viele Autos auf dem Hauptplatz. Und nicht nur dort, sondern in der ganzen Stadt wird die Verkehrssituation immer unangenehmer. Wer beispielsweise zu Stoßzeiten den Kreisel an der Scheyerer Straße passieren will, steckt mitten in einer Blechlawine.

Wie lässt sich die Verkehrssituation in der Pfaffenhofener Innenstadt verbessern und ein drohendes Verkehrschaos vermeiden? Mit einem Verkehrs- und Parkraumkonzept will die Stadt Pfaffenhofen dieses Thema proaktiv angehen. Mögliche Maßnahmen werden im November Thema im Stadtrat sein. Denkbar wäre z. B. eine Verbannung des unnötigen Durchfahrtsverkehrs vom Hauptplatz. Und für eine Steigerung der Aufenthaltsqualität sowie nicht zuletzt mehr Sicherheit rund um den Spielplatz auf dem Hauptplatz könnten dort einige Parkplätze entfallen.

Die Stadt Pfaffenhofen ist gerade dabei, einen neuen Flächennutzungsplan aufzustellen. Die Verkehrsplanung ist dabei ein wesentlicher Teil. Auch wenn in der Kleinstadt noch keine Dieselfahrverbote wegen Feinstaubs drohen, so will die Stadt das Thema Mobilität doch vorausschauend und nachhaltig gestalten. Denn höhere Einwohnerzahlen und wachsende Umlandgemeinden bedeuten auch mehr Verkehr. Die Verkehrsbelastung ist zum Teil extrem angestiegen, wie sich zum Bespiel täglich am Scheyerer Kreisel beobachten lässt. Tausende von Fahrzeugen sind hier tagtäglich unterwegs, und eine weitere deutliche Steigerung wird prognostiziert, wenn sich an der Verkehrsführung nichts ändert.

Alle Verkehrsarten im Fokus
„Wir wollen nicht warten, dass alles schlimmer wird“, erklärt Bürgermeister Thomas Herker. „Es gilt jetzt Entscheidungen zu treffen, wie wir den sich abzeichnenden Entwicklungen begegnen können.“ So wird an einem Bündel von Maßnahmen gearbeitet, die u. a. eine Änderung des Mobilitätsverhaltens weg vom motorisierten Individualverkehr hin zu klimaschonenden Verkehrsmitteln bewirken sollen. Die Verbesserung der Radinfrastruktur gehört ebenso dazu wie eine Neukonzeption des ÖPNV, wenn der Betrieb der Stadtbusse 2020 neu ausgeschrieben wird. Die Förderung von Elektromobilität und Car-Sharing-Angebote sind weitere Stichworte.

Doch auch der individuelle Pkw-Verkehr wird in Pfaffenhofen mit seinen Ortsteilen und aufgrund des großen Einzugsgebietes stets eine gewichtige Rolle spielen. Um wenigstens den überörtlichen Verkehr zu reduzieren, wirkt die Stadt nach wie vor darauf hin, dass die Ortsumgehung vom Bahnhof zur Autobahn kommt. Allerdings zeigen Verkehrszählungen, dass der meiste Verkehr im Gemeindegebiet „hausgemacht“ ist: Nur zehn Prozent der Pkw haben ihren Start- oder Zielort außerhalb Pfaffenhofens.

Unnötige Fahrten über den Hauptplatz reduzieren
Besonderes Augenmerk bei den Überlegungen zum Verkehr der Zukunft liegt auf der „guten Stube“ der Stadt, dem Hauptplatz. Daher wurde ein Verkehrs- und Parkraumkonzept für die Innenstadt in Auftrag gegeben, das eine weitere Verkehrsberuhigung in mehreren Stufen vorschlägt.

Eine zentrale Maßnahme könnte sein, die Durchfahrt über den Hauptplatz zu sperren. Eine Zufahrt würde dann auch weiterhin möglich sein für alle, die den Hauptplatz als Ziel haben, sei es für einen Arztbesuch, den Kirchgang, Behördenbesuche und natürlich den schnellen Einkauf. Pkw-Fahrer aber, die den Hauptplatz nur durchqueren wollen, müssten dann eine andere Route nehmen. So würden viele unnötige Fahrten über den Hauptplatz vermieden und im Idealfall könnten Teile der Verkehrsströme großräumig umgeleitet werden. Zudem würde auch der Parksuchverkehr reduziert.

Mehr Ruhe und Sicherheit am Hauptplatz
Ein Vorschlag von Städteplaner Klaus Immich sieht zudem vor, dass ca. 40 Parkplätze im Bereich des mittleren Hauptplatzes bzw. rund um Spielplatz und Stadtstrand wegfallen. „Die Beliebtheit des Spielplatzes steht symbolisch für den Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach einer hohen Aufenthaltsqualität am Hauptplatz“, meint Pfaffenhofens Stadtbaumeister Gerald Baumann. Durch die Wegnahme der Stellplätze soll es in diesem Bereich deutlich weniger Autoverkehr geben – was zudem eine wesentliche Erhöhung der Sicherheit der spielenden Kinder bedeuten würde.

Als Ausgleich könnten Dauerparker aus der Tiefgarage unter der Post verbannt werden. Das würde als Kompensation ca. 65 zusätzliche Stellplätze für Innenstadtbesucher ergeben. Generell wird an einer neuen Parkordnung getüftelt, was die zeitliche Staffelung und die Gebühren angeht. Grundlage für die Vorschläge sind Erkenntnisse aus einer Parkraumauswertung. Demnach ist die Auslastung der innerstädtischen Parkplätze gegen 10 Uhr am höchsten, sie liegt aber selbst am Markt-Dienstag durchschnittlich nur bei 82 Prozent. Die Zahl der Behindertenstellplätze soll in jedem Fall erhalten bleiben, die Plätze würden lediglich teilweise verlegt.

Autofreier Hauptplatz als Fernziel?
„Es geht jetzt nicht um den autofreien Hauptplatz“, stellt Stadtbaumeister Baumann klar, „sondern wir müssen schlichtweg Verkehrsströme und Parkraum neu ordnen, wenn wir die Aufenthaltsqualität erhöhen wollen.“ Eine komplette Fußgängerzone könne lediglich ein Fernziel sein: „Die Voraussetzungen sind noch nicht gegeben.“ Dazu gehören laut Verkehrskonzept u. a. weitere Parkhäuser im Zentrum. „Wir erwarten auch nicht, dass jeder mit dem Radl aus Tegernbach kommt“, ergänzt Herker.

Treffpunkt Innenstadt
Doch „verträgt“ Pfaffenhofens Innenstadt und insbesondere der Handel überhaupt eine weitere Verkehrsberuhigung? Robert Leiner von der iq-Projektgesellschaft, die derzeit das Einzelhandelsgutachten aktualisiert, bejaht das: „Im Standortwettbewerb geht es für die Innenstädte darum, ein besonderes Angebot zu schaffen, das sich von den übrigen örtlichen Standorten und dem Onlinehandel abhebt.“ Er verweist auf erfolgreiche Einkaufszentren, die sich immer mehr als Aufenthaltsort präsentieren. Dies spreche ein Kundenbedürfnis an. Dabei geht es aber um mehr als einen verkehrsfreien Hauptplatz: „Neben einer ansprechenden Gestaltung des öffentlichen Raumes gilt es auch immer wieder, die Innenstadt als Treffpunkt und Veranstaltungsort zu positionieren. Sie ist auch repräsentatives Zentrum und Identifikationsort einer Stadt“, so der Experte.

Vorschläge liegen nun jedenfalls auf dem Tisch, wie der Pkw-Verkehr auf dem Hauptplatz reduziert werden kann. Der Stadtrat diskutiert in der Sitzung am 8. November über die konkreten Details. Zuvor wurden Einzelhändler und Innenstadtbetriebe zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Die Pfaffenhofener selbst haben ihre Meinung zur Hauptplatzgestaltung und Verkehrsplanung auch bereits bei den Bürgerdialog-Veranstaltungen geäußert, die im Rahmen der Entwicklung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts und der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans bzw. Verkehrsplans durchgeführt wurden.

Dabei war eines immer wieder deutlich geworden: Gemeinsames Ziel aller ist eine lebendige Innenstadt. Dazu gehört einerseits eine gute Erreichbarkeit. Andererseits soll sich hier nicht nur der Autofahrer wohlfühlen, sondern auch, wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, wer mit Kinderwagen spazieren geht oder wer einfach nur einen Kaffee vor historischer Kulisse genießen will.

Siehe dazu auch ein Interview zur Attraktivität der Innnenstadt: www.pafunddu.de/11150
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