Pfaffenhofener Nachhaltigkeitserklärung im Stadtrat unterzeichnet

  Was haben das Seniorenbüro, die Gartenschau und der Rufbus „Linie Nacht“ gemeinsam? Sie alle tragen in Pfaffenhofen bereits zu den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen bei. Und auch künftig will Pfaffenhofen eine nachhaltige Stadt sein. So hat der Stadtrat in der Sitzung am Donnerstag, 27. Juli, einstimmig die „Pfaffenhofener Nachhaltigkeitserklärung“ verabschiedet. Darin werden die Nachhaltigkeitsziele aus der Agenda 2030 der Vereinten Nationen anerkannt. Doch es soll nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben: Zugleich erklärt sich die Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm bereit, sich für die Ziele auf lokaler Ebene zu engagieren. Mehr noch: Die Stadträte wollen bei allen künftigen Entscheidungen berücksichtigen, ob diese im Sinne der Nachhaltigkeitsziele sind.

Auch zukünftig handlungsfähig und lebenswert
„Eine nachhaltige Stadtentwicklung ist ein Garant dafür, auch in Zukunft handlungsfähig zu sein – und damit lebenswert zu bleiben“, begründet Bürgermeister Thomas Herker die Motivation. Die Nachhaltigkeitserklärung soll die bisherigen Aktivitäten für eine nachhaltige Stadtentwicklung fortführen und erweitern, wie sie z. B. in der lokalen Agenda 21, im Integrierten Stadtentwicklungskonzept, im Klimaschutzkonzept oder im neuen Flächennutzungsplan bereits formuliert wurden. Auch die Planungen für die Gartenschau waren sehr auf bleibende Werte ausgerichtet. Dass Pfaffenhofen Vorreiter unter den deutschen Kleinstädten in puncto Nachhaltigkeit ist, unterstreichen Auszeichnungen wie der Deutsche Nachhaltigkeitspreis, den Pfaffenhofen 2013 erhalten hat.

Städte spielen wichtige Rolle
„Pfaffenhofen ist auch eine der ersten bayerischen Kleinstädte, welche die Agenda 2030 der Vereinten Nationen (UN) auf die lokale Ebene herunterbricht“, berichtete Ex-Stadtrat Theo Abenstein, der in seiner Funktion als Vorsitzender der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise die Erklärung mit vorbereitet hatte. Im September 2015 haben sich die UN-Mitgliedsstaaten auf eine „Agenda 2030“ geeinigt. Diese solle einen neuen globalen Rahmen für nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung bilden. In der Agenda sind 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung weltweit formuliert – zu Themenfeldern wie Gesundheit, Bildung, Arbeit, Energie oder Konsum. Staaten, Kommunen, Wirtschaft und Bürger sollen für gemeinsame Anliegen und öffentliche Güter auch gemeinsame Sorge übernehmen – wie etwa für das Klima, die biologische Vielfalt, das Wasser und den Boden. Gemeinsam die Armut zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu erreichen oder Frieden zu sichern, werden als Aufgabe aller festgeschrieben. Für die Umsetzung der weltweiten Ziele spielt erstmals die kommunale Ebene eine führende Rolle: Städte erreichen die Menschen ganz unmittelbar in ihrem Lebensumfeld.

Urkunde unterzeichnet
Um die grundsätzliche Bedeutung der Pfaffenhofener Nachhaltigkeitserklärung zu unterstreichen, haben die Bürgermeister und Stadträte nach dem einstimmigen Beschluss eine Urkunde unterzeichnet. Eine feierlich-fröhliche Atmosphäre legte sich über den Sitzungssaal, während das Dokument herumging. SPD-Fraktionssprecher Markus Käser bekundete, er wolle „mit Herzblut“ unterschreiben. Zuvor aber war in Redebeiträgen deutlich geworden, dass es nicht immer leicht sein werde, sich in allen Themenfeldern nachhaltig zu orientieren. „Im Zweifel sind verschiedene Aspekte hier bewusst miteinander abzuwägen“, stellte Erster Bürgermeister Thomas Herker klar. CSU-Fraktionssprecher Martin Rohrmann sprach von einem „ernsthaften Thema“. Steffen Kopetzky (SPD) warnte davor, künftig eine Inflation des Begriffs „nachhaltig“ zu betreiben „bei allem was einem passt oder auch nicht passt.“ So würde nur ein „Geplapper“ entstehen und eine „Überbietungsrhetorik“. „Die Welt können wir nicht alleine retten, aber wir können unseren eigenen Entscheidungsspielraum nutzen“, fasste Herker zusammen.

Pfaffenhofen trägt zu 16 der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele bei
Zur Vorbereitung der Erklärung ist eine umfangreiche Aufbereitung der 17 Ziele für Pfaffenhofen entstanden. Daran haben Experten aus Stadtverwaltung, Behörden, Verbänden, Zivilgesellschaft sowie Vertreter des Jugendparlaments mitgewirkt. Als Autorin des Berichtsbandes stellte die Pfaffenhofener Kommunikationsberaterin Verena Schlegel die Ergebnisse vor: In einer Bestandsaufnahme konnten demnach insgesamt 165 Maßnahmen gesammelt werden, mit denen Pfaffenhofen bereits zu den Nachhaltigkeitszielen der UN beiträgt. Dabei wurden neben städtischen Aktivitäten auch herausragende Beispiele für nachhaltiges Handeln von Verbänden, Vereinen, Initiativen und Privatwirtschaft erfasst. Vom städtischen Sozialrabatt über das „Grüne Klassenzimmer“ des Bund Naturschutz bis zur Kleiderkammer oder die Inklusionskita im ecoQuartier reicht das Spektrum. Zu 16 der 17 Ziele konnten Projekte festgestellt werden. Ohne Aktivitäten ist in Pfaffenhofen lediglich Ziel 14, das sich mit den Ozeanen und Küsten befasst. Die meisten Maßnahmen kommen dabei direkt den Pfaffenhofener Bürgerinnen und Bürgern zugute, noch wenig der lokalen Maßnahmen wirken global.

„Potentiale für weitere Aktivitäten“
Zudem haben die Experten für jedes Ziel eine Exzellenz-Bewertung vorgenommen. Diese schätzt das bisherige Niveau der Aktivitäten ein. Die beste Bewertung haben die Maßnahmen im Bereich von Ziel 7 „Erneuerbare Energie“ erreicht, gefolgt von Ziel 4 „Hochwertige Bildung“, das auch den Kulturbereich umfasst. Das Fazit des Berichts: „Insgesamt sind Zahl und Spektrum der bisherigen lokalen Maßnahmen beeindruckend. Gleichwohl gibt es zu allen 17 Zielen noch Potentiale für weitere Aktivitäten.“

Umsetzung im alltäglichen Handeln
Um genau diese weiteren Aktivitäten anzustoßen, hat der Stadtrat beschlossen, dass konkrete Handlungsansätze erarbeitet werden sollen. Die Vorschläge sind in einer „Pfaffenhofener Nachhaltigkeitsstrategie“ festgehalten und drehen sich vor allem darum, „wie sich Nachhaltigkeit in das alltägliche Handeln der Stadt übertragen lässt und wie sich verwaltungsseitig Verantwortung abbilden lässt“, so Bürgermeister Herker. In den Umsetzungsvorschlägen wird unter anderem genannt, eine entsprechende Stelle in der Verwaltung zu schaffen oder einen Nachhaltigkeitsbeirat einzurichten. Zudem sollen Vereine, Verbände und Unternehmen eingeladen werden, der Pfaffenhofener Nachhaltigkeitserklärung ebenfalls beizutreten – verbunden mit der Selbstverpflichtung, ein konkretes Nachhaltigkeitsprojekt durchzuführen.

Wie die Ziele praxisbezogen und strukturiert umgesetzt werden können, zeigte Stadtrat Manfred „Mensch“ Mayer am Beispiel des Projekts „Kommunale Nachhaltigkeitspartnerschaft“ mit dem serbischen Valjevo. Die beiden Städte erarbeiten dabei gemeinsam Ansätze, wie öffentliche Grünflächen in urbane Lebensräume mit viel Artenvielfalt umgewandelt werden können. Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert.

Download
Die Bestandsaufnahme und die Pfaffenhofener Nachhaltigkeitsstrategie mit der Nachhaltigkeitserklärung sind ab Anfang August per Download abrufbar unter www.pfaffenhofen.de/nachhaltigkeitserklaerung

Die Pfaffenhofener Nachhaltigkeitserklärung im Wortlaut

Pfaffenhofener Nachhaltigkeitserklärung
Anerkennung der Agenda 2030 und der nachhaltigen Entwicklungsziele der UN – Nachhaltigkeitsziele als Leitlinie


1. Die Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm bekennt sich zu der von den Vereinten Nationen (United Nations – UN) am 27.9.2015 verabschiedeten 2030-Agenda und den darin enthaltenen nachhaltigen Entwicklungszielen, den „Sustainable Development Goals“ (SDGs) (http://www.un.org/depts/german/gv-70/a70-l1.pdf). Diese richten sich an die Mitgliedstaaten der UN und sollen insbesondere durch eine kommunale Beteiligung und Verantwortung mit Leben gefüllt werden.

2. Die Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm erklärt ihre Bereitschaft, sich für die Ziele der Agenda auf lokaler Ebene zu engagieren.

3. Die Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm begrüßt die Anerkennung von Städten, Gemeinden und Kreisen als zentrale Akteure für nachhaltige Entwicklung durch die erstmalige Aufnahme des sogenannten Stadtziels 11 „Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen“ in die Entwicklungsagenda der UN.

4. Die Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm unterstützt die in der 2030-Agenda enthaltene stärkere Fokussierung auf die gemeinsame Verantwortung des Nordens und des Südens für mehr Gerechtigkeit in der Einen Welt und die darin beschriebene Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Entwicklung.

5. Der Stadtrat und seine Ausschüsse orientieren sich bei künftigen Entscheidungen an den 17 Nachhaltigkeitszielen. Der Stadtrat berücksichtigt bei Entscheidungen, ob damit ein Beitrag zu einem oder mehreren der 17 Ziele erfolgt. Im Zweifelsfall findet eine bewusste Abwägung statt.

6. Diese Erklärung soll die bisherigen Nachhaltigkeitsaktivitäten fortführen, ergänzen und erweitern, wie sie z. B. in der lokalen Agenda 21, im Integrierten Stadtentwicklungskonzept, im Klimaschutzkonzept oder im Flächennutzungsplan bereits formuliert wurden.

7. Stadtrat, Stadtverwaltung, städtische Unternehmen und Einrichtungen sowie gesellschaftliche Akteure, Vereine, Verbände, Initiativen und wirtschaftliche Unternehmen sind aufgefordert, an allen 17 Zielen umfänglich zu arbeiten.
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