Der Kampf gegen die „alles überwuchernde Großindustrie“ – Werbeaktionen des Pfaffenhofener Mittelstands für heimische Produkte seit über 100 Jahren

Mit einem breiten Angebot von Maggi bis Odol, das in einem kleinen, aber liebevoll dekorier-ten Schaufenster präsentiert wurde, wartete die Mariendrogerie in der Frauenstraße auf (ca. 1910).
 
Postwurfsendungen als Beilage zum Ilmgau-Kurier waren eine beliebte Möglichkeit der Eigenwerbung. Auch das Möbelhaus Birk präsentierte auf diese Weise den Haushalten sein An-gebot (1954).
„Besser daheim“, das neue Portal für die Einkaufsstadt Pfaffenhofen, hatte schon im späten 19. Jahrhundert Vorläufer, die zwar noch ohne moderne Technik ausgestattet waren, von der Grundidee her jedoch ein ähnliches Anliegen verfolgten. Schon seit den 1880er Jahren, einer Periode der Wirtschaftskrisen in Bayern, setzten Geschäftsinhaber und der Stadtrat alle Hebel in Bewegung, um Kapitalabfluss und Geschäftesterben in der Stadt zu verhindern und die Bevölkerung anzuhalten, nicht auf Billigprodukte aus der Großstadt zu setzen, sondern vor Ort hergestellte Ware zu kaufen.

Das regionale Geschäftsleben seit 1850
Bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts hinein war der Warenaustausch mit auswärtigen Orten noch kaum vorhanden. Das heimische Handwerk versorgte seit jeher die Bevölkerung mit allen Bedarfsgütern. Lediglich an Markttagen kamen Händler aus benachbarten Räumen nach Pfaffenhofen, die Großstädte dagegen besaßen angesichts fehlender Verkehrsmittel noch keinen Einfluss auf das regionale Handwerk und Gewerbe.

Neue Konkurrenz: Die Eisenbahn bringt das Großstadtgewerbe nach Pfaffenhofen
Mit dem technischen Fortschritt – am deutlichsten sichtbar geworden durch die Eisenbahn mit einem Bahnhof in Pfaffenhofen – änderte sich dies jedoch schnell. Dem Mittelstand und den Kleinunternehmen drohten jetzt neue Konkurrenz aus den Metropolen und der Verlust der Stammkundschaft. Daneben blühte der Hausierhandel, der den Pfaffenhofener Betrieben ein großer Dorn im Auge war. Deshalb galt es gegen Ende des 19. Jahrhunderts, Maßnahmen zu ergreifen, um heimische Waren weiterhin an den Mann und die Frau zu bringen. Die Grün-dung einer „Gesamtinnung selbständiger Gewerbetreibender des Amtsgerichts Pfaffenhofen“ als Interessenvertretung im Jahr 1883 war ein wichtiger Schritt dazu.

„Kaufet am Platz!“
Auch die drei Jahre später ausgerichtete erste Gewerbeschau, auf der rund 160 Aussteller in Räumen des Rathauses ihre Waren präsentierten, sowie gezielte Werbeaktionen schärften das Profil des heimischen Gewerbes. Geworben wurde insbesondere mit dem persönlichen Kon-takt zwischen Kunde und Hersteller und dem Reparaturservice vor Ort, der in der Großstadt nicht gewährleistet sei.

Der im Amtsblatt im Dezember 1890 erschienene Aufruf „Kaufet am Platze“ wandte sich direkt an die Kunden in Stadt und Umland, diese beiden Vorzüge gegenüber großstädtischen Angeboten nicht zu übersehen. Aufgerufen wurde hier, den „Detailreisenden und Hausierern“ und ihrer Zudringlichkeit nicht nachzugeben und stattdessen einen „soliden Kaufmann“ in der Stadt aufzusuchen. Auswärtige Händler würden nur einmal kommen und besäßen kein Inte-resse an der Zufriedenheit des Kunden.

Konkurrenz von außen belastet die heimische Wirtschaft
Ganz unterschiedliche Projekte aus Großstädten bedrohten vor 100 Jahren den heimischen Mittelstand. Mit Sorge registrierte man Ende des Jahres 1907 mehrfache Besuche „auswärti-ger Herren“ aus München und Frankfurt, die Ausschau nach einem Standort für ein Waren-haus im großstädtischen Stil hielten. Von dem Projekt hörte man aber bald nichts mehr.

Weitere Versuche von außen, den Pfaffenhofener Markt zu erobern, folgten. So wurde ein aus München kommendes „Lebensmittelauto“ argwöhnisch beäugt. Es brachte Produkte der Grundversorgung in die Stadt Pfaffenhofen und drohte durch den günstigeren Preis die heimischen Geschäfte in Schwierigkeiten zu bringen. Für die heimischen Geschäftsinhaber blieb es weiterhin eine Herausforderung, über Werbeaktionen auf die eigenen Vorzüge gegenüber auswärtiger Konkurrenz und Billigherstellern hinzuweisen. Die späteren Leistungsschauen auf den Volksfesten oder die ab 1976 regelmäßig organisierten Gewerbeschauen sind bis heute sichtbare Zeichen dieser Notwendigkeit.
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