Stadtwerke sorgen für Sicherheit und Artenvielfalt am Straßenrand

Die Gräben müssen freigehalten werden, um Überflutungen zu verhindern
 
Der Arbeitskreis Stadtgrün des Bayerischen Städtetages

Immer weniger Arten auf dem Land

250 Kilometer – so lang ist insgesamt das Straßennetz in Pfaffenhofen und seinen Ortsteilen.

Die Dörfer im Umkreis liegen im ländlichen Bereich, also dort, wo es besonders grün ist. Paradoxerweise nimmt die Artenvielfalt gerade auf dem Land ab, immer mehr Insekten- und Pflanzenarten sterben dort aus. Sogar früher weit verbreitete Vögel wie die Feldlerche werden selten, weil immer weniger Pflanzensamen in der Natur zu finden sind, für manche Vogelarten die wichtigste Nahrungsquelle. Mit der Ausbreitung von Monokulturen in der Landwirtschaft wird dieses Problem ständig akuter. Die Stadtwerke Pfaffenhofen wollen als nachhaltig orientiertes Unternehmen dieser Entwicklung entgegenwirken. Auch bei der Pflege der Straßengräben.
Der Leiter der Abteilung Grünanlagen, Mario Dietrich, wurde am Dienstag als Repräsentant der Stadt Pfaffenhofen vom Arbeitskreis Stadtgrün des Bayerische Städtetags aufgenommen. In diesem Gremium tauschen die Gartenamtsleiter der Bayerischen Städte Erfahrungen bei der Planung und dem Unterhalt der städtischen Grünflächen aus und stimmen sich ab, wie sie die Maßgaben der Bundesregierung umsetzen. Dies wird sich künftig auch positiv auf die Gestaltung von nachhaltigem Grün in Pfaffenhofen auswirken. Mario Dietrich erläuterte den Vertretern der 28 bayerischen Mitgliedsstädte auch seine positiven Erfahrungen mit den nachhaltig gestalteten Trockenstaudenbeeten und den seit kurzem verwendeten klimatoleranten Stadtbäumen in Pfaffenhofen. Hitzeresistente Klimabäume, die Trockenheit aushalten, sind für die Zukunft der Städte lebenswichtig, denn die Zahl der heißen Tropennächte und Hitzetage wird laut Aussagen von Klimaforschern auch in Bayern in den kommenden Jahren zunehmen. Um die innerstädtische Klimaerwärmung aufzufangen, brauchen die Städte mehr Verdunstungs- und Beschattungsflächen, die aufgeheizte Straßen und Bauwerke kühlen – Bäume wirken hier wie lebendige Klimaanlagen! Experten fordern, 20 Prozent mehr Bäume in den bayerischen Städten zu pflanzen, um die erwartete Temperaturerhöhung der nächsten 30 Jahre zu kompensieren und den Klimawandel aufzufangen.



70 Prozent aller Nutzpflanzen bestäuben Bienen


Bei der Jahrestagung in Straubing standen außerdem noch das Artensterben und dessen negative Folgen für die Landwirtschaft im Fokus.Mindestens 70 Prozent aller Nutzpflanzen werden von Bienen bestäubt. Fachleute haben bei der Tagung darauf hingewiesen, dass nicht nur innerstädtische Grünflächen, sondern auch Straßenränder wichtigen Lebensraum und Nahrungsquelle für gefährdete Vogel- und Insektenarten darstellen. Zwischen Feldern und Asphalt wachsen viele Gräser, Kräuter und Blumen, die Insekten als Nahrungsquelle brauchen. Deswegen sollen diese Pflanzen so weit wie möglich geschont werden, wenn die Stadtwerke die Straßengräben pflegen und den Bewuchs dort mähen. Die Gräben sind für die Entwässerung der Landschaft unverzichtbar; sie müssen freigehalten werden, damit keine Überflutungen auftreten. Wenn man sie falsch einsetzt, lassen die modernen Mähmaschinen nichts mehr stehen, wovon sich Insekten und Vögel ernähren können. Mario Dietrich setzt sich auch hier für ein ökologisches Umdenken ein. Natürlich nur soweit es die Verkehrssicherheit zulässt. Wenn Pflanzenbewuchs am Straßenrand in Kurvenlagen die Sicht auf den Gegenverkehr verhindert, dürfen diese Gräser und Blumen nicht stehen bleiben. Es gilt mit Augenmaß vorzugehen, damit die Verkehrssicherheit garantiert wird, ohne das Artensterben weiter zu beschleunigen.
Zweimal im Jahr fährt ein Team der Stadtwerke an sämtlichen Straßen innerhalb der Stadtgrenzen entlang und mäht die Gräben und Straßenränder. Dafür wird an den Unimog aus dem Fuhrpark ein spezielles Mähwerk montiert. Diese Vorrichtung kann man bis zu acht Meter weit ausfahren, so dass sie auch in die Straßengräben hineinreicht. Der hydraulische Mulcher verfügt auch über einen variablen Neigungswinkel. Damit der Fahrer des Unimogs sieht, was er am rechten Straßenrand abmäht, kann er sein Lenkrad versetzen – je nach Bedarf nach links oder rechts. Die Stadtwerkemitarbeiter Wolfgang Hermann und Wolfgang Sendel fahren den Sommer über gern „englisch“, d.h. sie verschieben das Lenkrad auf die rechte Seite, damit sie von ihrem Fahrersitz aus die Straßenränder und Gräben genau im Auge haben. „Im Winter schieben wir das Steuer dann wieder nach links,“ erklärt Wolfgang Hermann: „Beim Schneeräumen ist das besser!“
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