Berufstaucher untersuchen Faultürme der Stadtwerke

Kurz vor dem Tauchgang
Er hängt an einem dünnen Stahlseil und wird mit einer Winde ganz langsam und vorsichtig abgelassen, durch eine Luke oben in der Trichterspitze des Turms. 21 Meter hoch ist jeder der beiden Faultürme, in denen das Klärwerk der Stadtwerke Pfaffenhofen Energie speichert. Wie bei einer Biogasanlage wird hier organisches Material in das Biogas Methan und in Kohlenstoffdioxid abgebaut. Damit erzeugt das Kommunalunternehmen dann in einem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme für die eigene Kläranlage.

Das kleine Glasfenster im Helm des altertümlich aussehenden Taucheranzugs beschlägt ein wenig, schon bevor der Berufstaucher überhaupt eingestiegen ist. Doch Grund zur Sorge besteht nicht. Oben kümmern sich insgesamt vier weitere Kollegen, drei Männer und eine Frau, um die Sicherheit des Tauchers im Faulturm. Der wird über einen Schlauch mit komprimierter Luft versorgt und hat für alle Fälle noch eine Reserveflasche bei sich. Außerdem kühlt Wasser seinen Taucheranzug. Denn weil es im Faulturm gärt, herrschen dort Temperaturen um die 37 Grad Celsius.

Doch warum muss der Berufstaucher überhaupt in diese beiden Türme hinein? Er soll dort überprüfen, was sich im Laufe der Zeit an deren Wänden abgelagert hat. Nicht nur wie viel Masse, sondern auch welche Substanzen dort kleben. Dafür nimmt er einen Metalleimer mit in den Turm und füllt ihn mit Schlamm, der dann genau untersucht wird. Das Ergebnis: In einem der Türme befinden sich laut Schätzungen nach den Tauchgängen 500 Kubikmeter Schlamm. Schlamm, der nicht mehr fließen kann, sondern sich verdichtet hat zu einer kompakten dicken Masse. Im anderen Turm sind es 200 Kubikmeter verdichteter Schlamm. Zum Vergleich: Beide Türme haben eine Kapazität von jeweils 2.500 Kubikmeter.

Jetzt besteht Handlungsbedarf. Mit einer sogenannten nassen Faulschlammräumung müssen die Türme demnächst gereinigt werden. Dabei kommt ein Druckluftheber zum Einsatz, der die Ablagerungen absaugen wird. Die gute Nachricht: Bei dieser Reinigung können die Türme in Betrieb bleiben.
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