Neuer Gaskonzessionsvertrag für Pfaffenhofen

Bei der Unterzeichnung des Konzessionsvertrages: ESB-Geschäftsführer Werner Bähre (links) und Bürgermeister Thomas Herker. Hinten von links: ENB-Geschäftsführer Michael Schneider, Zweiter Bürgermeister Albert Gürtner, Stadtwerke-Geschäftsführer Stefan Eisenmann und Sebastian Brandmayr, Technischer Leiter der Stadtwerke Pfaffenhofen.
 
Von links: Stadtwerke-Geschäftsführer Stefan Eisenmann, ESB-Geschäftsführer Werner Bähre, Bürgermeister Thomas Herker, Technischer Leiter der Stadtwerke Sebastian Brandmayr und ENB-Geschäftsführer Michael Schneider.
Das Gasnetz der Stadt Pfaffenhofen ist jetzt wieder in Bürgerhand. Im Rathaussaal unterzeichneten am 27.09.2016 Vertreter der Stadt und der Gasversorgung Pfaffenhofen (GVP) einen entsprechenden Konzessionsvertrag. Für diesen weiteren Schritt in Richtung Rekommunalisierung wurde eigens die GVP gegründet, deren Gesellschafter sowohl die Energie Südbayern(ESB) als auch die Stadtwerke sind. Die Mehrheit der Anteile halten die Stadtwerke. Im Vertrag vereinbart ist unter anderem, dass die Stadtwerke die Betreuung der Kunden und die kaufmännische Abrechnung übernehmen. Das hundertprozentige Tochterunternehmen der ESB, die Energienetze Bayern (ENB), gewährleistet den technischen Betrieb.

Die GVP hat sich in einer öffentlichen Ausschreibung für die Gasnetzkonzession gegen einen Mitbewerber durchsetzen können. Zur fristgemäßen Neuvergabe wurde eigens ein „Vergabeausschuss Konzessionen“ eingerichtet. „Der Ausschuss hat großen Wert auf die Durchführung eines transparenten und diskriminierungsfreien Auswahlverfahrens gelegt“, so Zweiter Bürgermeister und Vorsitzender des Konzessionsausschusses Albert Gürtner. Als Grundlage des Verfahrens wurden deshalb Auswahlkriterien mit deren Gewichtung sowie Mindestanforderungen im Rahmen der gesetzlichen Regelungen beschlossen. Im Zuge des Auswahlverfahrens gingen zwei verbindliche Angebote ein. Nach einer gründlichen Bewertung der Angebote hinsichtlich der vorab festgelegten Anforderungen, Kriterien und Gewichtungen erhielt das Angebot der Bietergemeinschaft aus Kommunalunternehmen Stadtwerke Pfaffenhofen a. d. Ilm und Energie Südbayern (ESB) den Zuschlag im Gaskonzessionsverfahren, weil es die Anforderungen am umfassendsten erfüllt.

Ab dem 01. Januar 2017 betreibt die GVP das Gasnetz im Stadtgebiet. Damit gewinnen die Bürger mehr Einfluss auf die lokale Netzinfrastruktur. Die Stadtwerke übernehmen künftig die Koordination der Hausanschlüsse und wickeln die Angebote und Aufträge mit den Bürgern direkt ab. „Der Konzessionsgewinn ist ein wichtiger Schritt auf unserem Weg einer nachhaltigen Stadtentwicklung“, konstatiert Bürgermeister Thomas Herker: „Die Netze bilden das Rückgrat der Energieversorgung. Über das neue Unternehmen können wir nun mehr Einfluss auf die konkrete Entwicklung hier vor Ort nehmen und unsere gesteckten Klimaschutzziele umsetzen.“


Historische Entwicklung der Gasversorgung in Pfaffenhofen

Am 27.10.1965 wurde die Gasversorgung der Stadt Pfaffenhofen offiziell in Betrieb genommen. 3,5 Kilometer lang war das Rohrnetz damals. Daran angeschlossen waren die Dr.- Bergmeister-Straße, die Scheyerer Straße, die Straße Draht, die Schul-, die Auen- und die Sonnenstraße. Das Gas musste damals unter hohem Druck verflüssigt in Kesselwagen der Bundesbahn von Ingolstadt nach Pfaffenhofen transportiert werden. Hier wurde es dann in einen Behälter mit 28.000 Kubikmeter Fassungsvermögen umgefüllt. Das dauerte fünf Stunden. 35 Tonnen Flüssiggas ergaben seinerzeit 17.000 Kubikmeter Gas. 1975 war das Netz bereits 18,5 km lang und belieferte 400 Abnehmer. Ein Jahr später konnte Pfaffenhofen nach langwierigen Verhandlungen an das internationale Erdgasverbundsystem angeschlossen werden. Heute hat das Gasnetz eine Länge von 115 Kilometern und beliefert im Stadtgebiet 2.300 Anschlüsse.


Power-to-Gas: Schlüssel zur Energiewende

Gas spielt bei der Verwirklichung der Energiewende in Zukunft eine wesentliche Rolle. Das Medium und die dafür vorhandene Infrastruktur – ein deutschlandweites Gasnetz – eignen sich sehr gut, um momentan nicht benötigte Energie aus Wind- und Sonnenkraft von Strom in Gas umzuwandeln, zu speichern und bei Bedarf wieder in elektrische Energie zurück zu wandeln. Die technischen Abläufe und den Stand der Technik dafür erläuterten im Zuge der feierlichen Vertragsunterzeichnung im Rathaussaal der Technische Leiter der Stadtwerke, Dr. Sebastian Brandmayr, und Michael Schneider von der Energienetze Bayern (ENB).

Die Energiewende bestimmen verschiedene Faktoren: Liberalisierung, Regulierung, Dekarbonisierung, Digitalisierung und viele mehr. Saubere und kostenlose Wind- und Sonnenkraft drängen auf den Markt. Viele Kunden wandeln sich und bleiben keine reinen Konsumenten mehr. Sie produzieren und speichern selbst Energie. Das führt zu völlig neuen Anforderungen an das Gasnetz. Dort soll es künftig auch lokale Einspeise von erneuerbarem Gas geben. Die Power-to-Gas-Technologie spielt eine zentrale Rolle für die Energiewende. Damit kann Strom aus sauberen Quellen über Wochen und Monate gespeichert werden. 500.000 Kilometer lang ist das Gasnetz in Deutschland, verzweigt in alle Himmelsrichtungen. Das entspricht 12,5 Erdumrundungen. Das unterirdische Gasnetz fasst bis 24 Milliarden Kubikmeter Gas – eine halbe Bodensee-Füllung. Dieses Potential gilt es zu nutzen. Power-to-Gas-Anlagen können kurzfristig an- und ausgeschaltet werden, um Bedarfsschwankungen auszugleichen. Außerdem eignet sich das dabei gewonnene synthetische Methan (CNG) auch als Kraftstoff für Erdgasfahrzeuge. Derzeit wird die Hälfte der Gebäude in Deutschland mit fossilem Erdgas beheizt. Synthetisches Methan (CNG) kann hier langfristig erhebliche Mengen klimaschädlicher CO₂- Emissionen einsparen und stellt damit auch einen Schlüssel zum Erreichen der Wärmewende dar.
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