Ludwig Thoma – ein schwieriger Bayer. Michael Lerchenberg liest auf der Pfaffenhofener Lesebühne.

Michael Lerchenberg mit Texten von Ludwig Thoma
Das herbstliche Highlight und gleichzeitig auch der Abschluss der Saison 2016 der Pfaffenhofener Lesebühne am vergangenen Freitag war einem Giganten der bayerischen Literatur gewidmet. In Szene gesetzt wurde der Abend von einem der bekanntesten bayerischen Schauspieler: Michael Lerchenberg las im Festsaal des Rathauses Texte von Ludwig Thoma.

Dass Ludwig Thoma Zeit seines Lebens ein schwieriger Mensch war, ist allgemein bekannt. Die zahlreichen Anekdoten, Gedichte und Erzählungen, die Michael Lerchenberg auf der Bühne zum Besten gibt unterstreichen diese These aber sehr anschaulich, wenn der Schauspieler mit hoher und fast heiserer Stimme die Empörung der Tante Frieda nachempfindet, nachdem sie ihren geliebten Papagei nach einem dumpfen Knall rußgeschwärzt vorfindet. Dafür verantwortlich ist freilich der Lausbub Ludwig, der dem Tier mit Pulver und Lunte Feuer unter den Schwanzfedern gemacht hat.

Michael Lerchenberg erzählt in Abschnitten vom Leben Thomas, zitiert immer wieder Gedichte und haucht den Texten mit seiner stimmlichen Interpretation Leben ein. So wird er auch einmal lauter auf der Bühne und man kann die Emotionen in Thomas Worten direkt nachvollziehen. Jeder Abschnitt arbeitet gezielt auf eine Pointe hin, die vom Publikum mit Gelächter und Applaus honoriert wird. Gut gelaunt ist die Stimmung im ausverkauften Festsaal des Rathauses, der Abend gestaltet sich kurzweilig und amüsant. Lediglich gegen Ende nehmen die ausgewählten Texte Thomas und damit auch die Stimmung im Saal ernstere Züge an.

Umrahmt wurde der Abend vom Trio „eberwein“. Das sind Marlene Eberwein (Konzertharfe), Matthias Klimmer (Klarinette) und Max Seefelder (Kontrabass), die die Lesung musikalisch mit Grenzgängen in farbige Crossover-Klangwelten aus Polka, Klezmer, Tango oder Jazz umrahmen. Die drei Musiker erfüllen nach jedem Abschnitt den Raum mit heiteren, bisweilen aber auch ruhigen und nachdenklichen Klängen und sorgen so für eine gelungene Einheit zwischen Text und Musik. Das Publikum bedankt sich mit lang anhaltendem Schlussapplaus bei dem Schauspieler Michael Lerchenberg und den Musikern des Trios „eberwein“.
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