Lesung des Lutz-Stipendiaten Johann Reißer

Es ist wieder ein „Zwischenfall“: Am Ende des Kultursommers stellt der Lutz-Stipendiat seinen lang erwarteten Text über Pfaffenhofen vor. In diesem Jahr ist es Johann Reißer, der am Freitag, 22. Juli, um 20 Uhr seinen Beitrag im Festsaal des Rathauses dem Publikum vorstellt.

Seit Mitte Mai bewohnt der Wahl-Berliner Schriftsteller mit Wurzeln in Regensburg den pittoresken Flaschlturm, den er bis Mitte August nutzen kann. Seinen Text zur Stadt Pfaffenhofen, der Bedingung für die jeweiligen Lutz-Stipendiaten ist, wird Reißer bei dieser Lesung den Pfaffenhofenern vorstellen. Die Zuhörer dürfen gespannt sein auf den Text, der hier am Ort entstanden ist – quasi als literarischer Entwurf einer Außensicht des Autors auf das Leben in Pfaffenhofen. Im Andenken an den Namensgeber des Stipendiums Joseph Maria Lutz wird Johann Reißer wieder einen „Zwischenfall“ schildern; der gleichnamige Roman war 1928 der literarische Durchbruch für den jungen Schriftsteller Joseph Maria Lutz. Die Beiträge der beiden letzten Autoren, Matthias Jügler und Marko Dinic, hatten in Pfaffenhofen jeder auf seine Art für große Aufmerksamkeit gesorgt.

Die Stadt Pfaffenhofen hat das Aufenthaltsstipendium für Schriftsteller in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben. Die Jury – Kulturreferent und Schriftsteller Steffen Kopetzky, Kulturjournalistin Barbara Fröhlich und Dramaturg und Philosoph Dr. Lenz Prütting – hat sich aus über 70 eingereichten Bewerbungen auch in diesem Jahr wieder für einen relativ jungen Autor entschieden.

Der promovierte Literaturwissenschaftler Johann Reißer ist 36 Jahre alt und lebt derzeit als freier Autor und Theatermacher in Berlin, kommt allerdings ursprünglich aus der Nähe von Regensburg. Seine Beziehung zu Bayern war es auch, welche die Jury neben seinen schriftstellerisch herausragenden Textproben von seiner Eignung überzeugte: Reißer reichte drei Erzählungen ein, die lokale Eigenheiten und Eigenwilligkeiten seiner Heimat Ostbayern einfangen. Ebenfalls in diesem Kontext spielt sein derzeit entstehender Roman „Landmaschinenparadies“, der von eigenwilligen, skurrilen und unheimlichen Phänomenen erzählt, die auftreten, wenn sich eine traditionell-bäuerlich geprägte Landschaft in eine reiche Industrieregion verwandelt. Dieses Thema war der Jury zufolge eine hervorragende Brücke zu Pfaffenhofen und der in der Ausschreibung festgesetzten Aufgabe, einen Text über das Zusammentreffen eines Dichters mit der Stadt zu verfassen.

Reißer studierte in Regensburg und Berlin. 2012 promovierte er über Archäologie und Sampling in der Lyrik von Rolf Dieter Brinkmann, Thomas Kling und Barbara Köhler am Graduiertenkolleg „Lebensformen und Lebenswissen“ in Frankfurt an der Oder und Potsdam. Seit 2004 veröffentlicht er Prosa, Lyrik, Essays und intermediale Arbeiten in deutsch- und englischsprachigen Literaturzeitschriften.

2009 gründete er gemeinsam mit Kamila Handzik die Theatergruppe „PlastikWorks“, die er seitdem leitet. Die Theatergruppe führt eigene Theaterstücke und Performances in verschiedenen Theaterhäusern und bei zahlreichen Theater- und Medienkunstfestivals auf. Neben weiteren Auszeichnungen war Reißer 2013 Stadtschreiber in seiner Heimatstadt Regensburg und 2014 in Rottweil. Ebenfalls 2014 erhielt er das Alfred-Döblin-Stipendium der Berliner Akademie der Künste mit Aufenthalt im Döblin-Haus Wewelsfleth.

Im Rahmen der Lesung am Freitag, 22. Juli, um 20 Uhr im Festsaal des Rathauses wird Reißer auch weitere Kostproben aus seinem Schaffen präsentieren. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
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