Blühendes Band: 5.000 Stauden für ein Blütenmeer im Bürgerpark

Am zukünftigen Hopfenturm (Foto: Katharina Hipp)
Mitte April konnte man im Bürgerpark des Gartenschaugeländes Zeuge eines in seiner Dimension und Umfang seltenen Pflanzereignisses werden. Auf dem 800 qm Staudenband wurden über 5000 Stauden ausgelegt und eingepflanzt.

Wenn sich 2017 die Tore zur Gartenschau öffnen, erwartet den Besucher im Bürgerpark ein blühendes Highlight: umlaufend um den gesamten Park erstreckt sich ein prächtiges Staudenband in den Farben des Sommers, begleitet von einer Sitzlandschaft mit vielen Raffinessen wie integrierte Hängematten, die zum Seele baumeln lassen einladen.

Fünf bis sieben Pflanzen pro Quadratmeter zieren demnächst das 800 qm Staudenband. Eine Mischung aus Rosen, Ziersalbei und Sonnenbraut gepaart mit Taglilien, staudigen Sonnenblumen und verschiedenen Schafgarben.

„Die Stauden werden in ihrer Farbigkeit und Vielfalt den Sommer widerspiegeln. Verschiedenste Gelb- und Orangetöne, unterbrochen von zarten Farbtupfern in Rosa bringen die Fröhlichkeit und Unbeschwertheit eines sonnigen Sommertages zum Ausdruck“, so Eva Linder, Geschäftsführerin der Natur in Pfaffenhofen a. d. Ilm 2017 GmbH. „Zum Start im Mai 2017 werden die Stauden flankiert von zahlreichen Zwiebelgewächsen, hauptsächlich Zierlauch in – passend zu Bayern – Weiß und Blau. Die Stauden haben ihre Blütenhöhepunkte dann ab Juli.“

Bei Stauden handelt es sich um mehrjährige Blütenpflanzen, die jedes Jahr wieder kommen und im Gegensatz zu Sträuchern nicht verholzen. Die in Pfaffenhofen zum Einsatz kommenden Stauden sind alle in bayerischen Staudengärtnereien „groß geworden“. Die meisten Pflanzen stammen von der Staudengärtnerei Doris Erhardt in Weisendorf, bei so großen Projekten arbeiten die bayerischen Staudengärtnereien aber gerne Hand in Hand und helfen mit ausgefallenen Sorten oder neu- bzw. wiederentdeckten Züchtungen untereinander aus.

Mit Christine Orel vom Landschaftsarchitekturbüro Orel+Heidrich aus Herzogenaurach konnte das, mit der Gesamtplanung beauftragte Landschaftsarchitekturbüro Hutterreimann eine der renommiertesten Staudenplanerinnen deutschlands für das Gartenschauprojekt in Pfaffenhofen gewinnen.

Bei der Staudenpflanzung vor Ort ergab sich die Möglichkeit mit Christine Orel über das Projekt in Pfaffenhofen und ihre generelle Arbeit als Staudenplanerin zu sprechen.

Andrea Stolberg: Wie viele Gartenschauen haben Sie bereits begleitet, Frau Orel?

Christine Orel: Seit 1989 plane ich Stauden und Wechselflorpflanzungen für Gartenschauen und andere ‚Grünevents‘, es dürften inzwischen an die 60 Projekte sein, ein jedes mit einer individueller Aufgabenstellung.

A.S.: Tatsächlich habe ich mir einige Ihrer vorangegangenen, sehr fantasievoll umgesetzten Projekte angesehen. Können Sie uns kurz das Konzept für die Staudenplanung in Pfaffenhofen erläutern?

C.O.: Solch eine lang gezogene Staudenfläche mit nahezu 200 Metern Länge muss einen großen Spannungsbogen haben damit die Parkbesucher auch mit Genuss daran entlang wandeln können. Diesen kann man mit der Rhythmisierung und Verdichtung von Farben und Formen erhalten. So werden zur Mitte des Bandes hin die Farben kräftiger, sind es am Anfang und Ende auch zarte Cremetöne mit Hellblau und Lavendel, so zeigt sich in der Mitte leuchtendes Orange mit Purpurpurtönen. Innerhalb der einzelnen Beete - aber auf die ganze Länge spürbar - leiten die Höhenstaffelung und die Anordnung von kerzenförmigen und runden Blütenformen das Auge des Betrachters. Der Charakter diese Pflanzung ist sonnig-heiter, viele Strahlenblüten zeigen sich auf den Beeten. Durch den Farbschwerpunkt Gelb-Orange wird diese frische Wirkung noch verstärkt.

A.S.: Wenn Sie Pflanzen auslegen, sehen Sie dann bereits das fertige Bild vor sich?

C.O.: Das fertige Bild sehe ich schon beim ersten Entwurf für eine Pflanzung vor Augen, nur so kann etwas Spannendes entstehen. Daher entwerfe ich auch nie systematisch von links nach rechts sondern so, wie sich die Pflanzung im Beet aufbaut. Also erst die Hauptpflanzen, dann besonders markante Gruppen und schließlich die Begleiter. Beim Auslegen wird dann aber ab und zu noch etwas verändert, wenn ich merke, dass der Entwurf nicht so ganz passt. Und Pflanzplanung ist so etwas Kompliziertes, dass man einen ganz treuen Begleiter hat: Fehler. Aus denen hoffe ich dann jedes Mal ein wenig zu lernen.

A.S.: Welche Besonderheiten gibt es unter den Gewächsen hier auf der Pfaffenhofener Gartenschau für die Besucher zu entdecken?


C.O.: Hier sind besonders viele ausgefallene Tagliliensorten und Katzenminzenarten in die Beete eingebunden.

A.S.: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Haben Sie eine Lieblingspflanze unter den in Pfaffenhofen verwendeten Stauden?


C.O.: Das ist eine schwere Frage - ich mag sehr viele Pflanzen sehr gerne und weiß gar nicht, welcher ich da so den Vorzug geben sollte. Was hier bei der Pflanzenauswahl sehr wichtig war, ist, dass die Stauden unkompliziert und robust sind für eine nachhaltig unkomplizierte Pflege. Da sind Taglilien und Storchenschnabel besonders geeignet. Ich finde die Mandschurisch Katzenminze sehr spannend, sie wuchert zwar, aber ist ein super robuster nahezu Dauerblüher.
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