Neue Mobilität für Pfaffenhofen – Flexibel und umweltfreundlich ans Ziel

Der Stadtbus wird sehr viel stärker genutzt, seit er kostenlos fährt. In einer online-Befragung kann man jetzt Anregungen für den Stadtbus der Zukunft machen
 
Im Juli konnten Bürger eine ganze Woche lang mit dem Mobilitätsteam der Stadtwerke vor dem Rathaus über Mobilität diskutieren und sich aktiv in die Initiative „mitanand mobil“ einbringen.
Das Pfaffenhofener Verkehrskonzept hat zwei große Ziele: Die Verkehrsberuhigung der Innenstadt und Verbesserungen im Umweltverbund. Damit ist die Fortbewegung zu Fuß, per Rad und ÖPNV gemeint, ergänzt durch neue Mobilitätsformen. Um entsprechende Angebote zu schaffen, haben die Stadtwerke Pfaffenhofen die Initiative „mitanand mobil“ gestartet – u. a. mit Carsharing, der Mobilitätswerkstatt und einer Neukonzeption für den Stadtbus. Und auch die Infrastruktur für E-Mobilität wurde ausgebaut. Es geht um ein Ineinandergreifen aller Verkehrsarten sowie flexible, umweltfreundliche und bedarfsgerechte Mobilitätsangebote. Die Vision: Gemeinsam mit Spaß mobil sein statt alleine im Stau stehen.

Wie lässt sich die Mobilität in Pfaffenhofen vorausschauend und nachhaltig gestalten? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Verkehrsentwicklungsplan. Es gilt, verstopfte Straßen und Schadstoffe zu vermeiden. Denn Stadt und Umlandgemeinden wachsen und somit auch der Verkehr. Allerdings gibt es vielerorts noch keine oder unattraktive Alternativen zum eigenen PKW. So enthält das Verkehrskonzept, das der Stadtrat beschlossen hat, viele Maßnahmen, die den Umstieg auf klimaschonende Verkehrsmittel erleichtern sollen. Nun arbeiten Stadtrat, Stadtverwaltung und Stadtwerke seit etwa einem Jahr an der Umsetzung des Konzepts.

Klimaschonend mit Fahrrad und Stadtbus
Um das Radfahren attraktiver und sicherer zu machen, wurden u. a. Fahrradstreifen sowie mehr Abstellmöglichkeiten geschaffen. Beim jährlichen Stadtradeln wird nicht nur für ein gutes Klima geradelt. Nebenbei sammeln die Teilnehmer im Radlradar des PAF und DU-Bürgermelders Anregungen für weitere Verbesserungen der Radinfrastruktur. Mit dem Umsattelbonus schafft die Stadt einen Anreiz, auf Pedelec, E-Bike bzw. E-Lastenfahrrad umzusteigen. Schließlich machen E-Bikes das Radfahren im hügeligen Pfaffenhofen um einiges bequemer.

Als erfolgreich hat sich der Beschluss des Stadtrats erwiesen, den Stadtbus kostenlos, öfter und abends länger fahren zu lassen. Die Gratis-Fahrten für alle gelten während einer Testphase von drei Jahren seit Dezember 2018. Seither haben sich die Fahrgastzahlen mehr als verdoppelt, ca. 2.200 Passagiere nutzen pro Werktag die sieben Linien. Beim Ortsteil-Rufbus haben ab Oktober 99 Prozent der Ortsteil-Bürger einen Anschluss in maximal 500 Meter Entfernung.

Befragung zum Stadtbus der Zukunft
Ab 2020 übernehmen die Stadtwerke die Organisation der Stadtbusse. Für die Fahrgäste ändert sich außer dem Ansprechpartner nichts. Vorerst zumindest – denn das Kommunalunternehmen erarbeitet für die Zeit ab 2022 ein neues ÖPNV-System. Umweltfreundliche Antriebe, andere Linienführungen oder flexiblere Fahrpläne sind nur einige der Gedankenspiele. Begleitet wird die Konzeption von Experten der DB Regio – und natürlich ist eine intensive Beteiligung von Bürgern und weiteren Interessensgruppen vorgesehen. Zunächst kann jeder bei einer Befragung mitmachen: Welche Anforderungen haben Stadtbus-Nutzer – und Noch-Nicht-Nutzer? Die
Online-Befragung läuft ab sofort und ist unter www.mobilitaet.stadtwerke-pfaffenhofen.de/stadtbus zu finden.

„Mitanand mobil“
Mitmachen ist überhaupt das passende Stichwort für „mitanand mobil“. Unter dieses Motto haben die Stadtwerke ihre Initiative für eine neue Mobilität gestellt. Das Ziel ist es, die Straßen zu entlasten, für saubere Luft zu sorgen, die Anzahl der Fahrzeuge zu reduzieren, wertvollen Lebensraum zu schaffen und Spaß an einer gemeinsamen Mobilität zu haben. Doch das gelingt nicht, wenn jeder allein per Auto unterwegs ist.
Bei Mitmachprojekten wie der Mobilitätswoche im Juli oder im PAF und DU-Bürgermelder werden daher Ideen rund um Fortbewegung in Pfaffenhofen gesammelt. Zur Ideenschatzkarte für neue Mobilität können alle beitragen, die hier unterwegs sind – also auch Auswärtige (www.pafunddu.de/buergermelder). Für 2020 ist eine große Bürgerkonferenz geplant. Bisherige Vorschläge sind u. a. Leihbusse für Angehörige von Behinderten, Einkaufsgemeinschaften unter Nachbarn oder bewachte Fahrradstellplätze am Bahnhof.
Der nächste Schritt ist, die Ideen auf Umsetzbarkeit zu prüfen und gemeinsam praktisch umzusetzen. Dies geschieht in der Mobilitätswerkstatt. Hier gestalten die Bewohnerinnen und Bewohner eines Viertels genau die Angebote mit, die sie wirklich brauchen können. Den Anfang machen das ecoQuartier und Weihern, denn hier war bei einer Befragung das Interesse besonders groß. Die Auftaktveranstaltung ist am 25. September.

Carsharing am Start
Zum Thema Fahrzeug-Teilen sammeln die Stadtwerke gerade Erfahrungen mit ihrem pulsierenden betrieblichen Carsharing. Die Fahrzeuge stehen nicht nur den eigenen Mitarbeitern zur Verfügung, mit einer Software können die Stadtwerke ihren Fuhrpark mit der Bevölkerung teilen. Dank Carsharing-Pool lässt sich der Arbeitsweg oder Ausflug auch ohne eigenes Auto zurücklegen. Zugleich wird das Umland, wo viele Mitarbeiter wohnen, mit Carsharing erschlossen. Das Projekt wurde von der Bundesregierung im Rahmen der Initiative „mobil gewinnt“ ausgezeichnet und gefördert.
Im Carsharing-Pilotprojekt der Stadtwerke sind schon heute die ersten Bürger „mitanand mobil“. Weil es im Landkreis Pfaffenhofen eine der höchsten Kfz-Zulassungszahlen bundesweit gibt, möchten die Stadtwerke für das Carsharing nicht unbedingt noch mehr Fahrzeuge anschaffen, sondern möglichst viele bestehende Fahrzeuge integrieren. Daher sind Unternehmen wie Privatpersonen dazu eingeladen, wenig genutzte Fahrzeuge in das Carsharing aufzunehmen. So sollen bis 2020 insgesamt 30 PKW integriert werden.

Auch Roller- und Bike-Sharing
Wobei es schon bald nicht nur Autos zu nutzen gibt: Neben E-Rollern sollen auch Pedelecs und Lastenräder das Sharing-Angebot erweitern. Somit muss man sich nicht wie beim Kauf auf Fahrzeug-Typ oder -Größe festlegen, nicht zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor entscheiden, sondern kann für jeden Einsatz das passende Modell wählen. Und man zahlt nur, wenn man das Fahrzeug tatsächlich nutzt, nicht dafür, dass es herumsteht. Interessenten können sich bei simon.plass@stadtwerke-pfaffenhofen.de melden.
Außerdem informieren die Stadtwerke beim Mobilitätstag am 6. Oktober auf dem Hauptplatz über ihr Carsharing-Modell.

Alternative Antriebe
Für den motorisierten Individualverkehr setzen die Stadtwerke auf klimafreundliche Alternativen. Für eine Bio-CNG-Tankstelle (Compressed Natural Gas) ist der Standort gefunden: In Kürze bietet das Kommunalunternehmen in Kooperation mit dem Betreiber der „Pink“-Tankstelle in der Joseph-Fraunhofer-Straße CO2-neutrales Biomethan an.
Im Bereich der Elektromobilität wurde die Infrastruktur zuletzt stark ausgebaut. Zehn öffentliche Ladepunkte bieten allein die Stadtwerke an: am Oberen Hauptplatz, in der Tiefgarage „Zur Post“, beim Volksfestplatz und gegenüber der Stadtverwaltung. Hinzu kommen allgemein zugängliche Ladestationen von Bayernwerk, dem Biomasse-Heizkraftwerk und örtlichen Kfz-Händlern.
Wer seine E-Fahrzeuge an den Ladepunkten der Stadtwerke auflädt, bekommt bayerischen Ökostrom in die Batterie. Vom 1. Juli 2018 bis zum 30. Juni 2019 wurde etwa 930-mal angesteckt. Die Zahl der Ladevorgänge ist um 23 Prozent gestiegen, die Zahl der Ladepunkte ist hingegen von vier auf zehn gewachsen – das zeigt, dass die Infrastruktur schneller wächst als der Bedarf.
Für alle Elektrofahrrad-Besitzer ist ein Ladeschrank beim Maibaum stationiert. Dort kann der Akku während Besorgungen eingeschlossen und kostenlos aufgeladen werden.

Richtung Mobilitätswende
Insgesamt setzt Pfaffenhofen bei der Mobilität der Zukunft auf einen Mix vieler Verkehrsmittel, mehr öffentliche Angebote und gemeinsame Nutzung. Szenarien aus dem Verkehrskonzept halten es für realistisch, zehn Prozent des Kfz-Verkehrs im Bereich der Mikro- und Nahmobilität Richtung Fuß, Rad und ÖPNV zu verschieben. Laut Verkehrszählung fahren die Pfaffenhofener nämlich zwei Drittel der Strecken unter drei Kilometer mit dem Auto.

Die Mobilitätswende soll nicht nur die Straßen entlasten. Sie hilft auch, das lokale Klimaschutzziel zu erreichen. Rund 58.000 Tonnen CO2 gingen 2010 in Pfaffenhofen laut Klimaschutzkonzept auf Kraftstoffverbrauch zurück, das sind 37 Prozent des Gesamtausstoßes. Und es dürfte seither kaum weniger geworden sein. Der individuelle PKW-Verkehr wird in Pfaffenhofen mit seinen Ortsteilen und dem großen Einzugsgebiet stets eine große Rolle spielen. Mit den Angeboten für eine neue Mobilität gibt es künftig aber mehr Möglichkeiten, auch ohne eigenes Auto flexibel, umweltfreundlich und mit Spaß ans Ziel zu kommen.
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