Mit Video: Stadtbus fährt kostenlos, öfter, länger - Neuerungen für einen attraktiven ÖPNV

    Ab 10. Dezember fährt der Stadtbus in Pfaffenhofen a. d. Ilm kostenlos – für alle! Dies gilt zunächst für drei Jahre. Die Gratis-Fahrten sind aber nur eine der Neuerungen, um die Stadtbusse attraktiver zu machen: Künftig werden die Busse häufiger – fast durchgehend im 30-Minuten-Takt – und abends länger fahren. Außerdem werden die Ilmtalklinik, das ecoQuartier und die Firma Daiichi Sankyo besser angebunden. Die Verbesserungen sind Teil des städtischen Verkehrskonzepts. Ziel ist es, den PKW-Verkehr zu reduzieren und vor allem in der Innenstadt den Aufenthalt angenehmer zu machen.

Während der Gartenschau 2017 fuhr der Stadtbus schon einmal zum Nulltarif – ohne Fahrschein oder Monatskarte für jeden. Da der größte Parkplatz im Stadtgebiet, der Volksfestplatz, als Ausstellungsbereich genutzt wurde, versuchte man so, möglichst viele Besucher zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu animieren. Während einer Mai-Woche wurden damals rund 20 Prozent mehr Fahrgäste gezählt. Nun werden die kostenlosen Stadtbus-Fahrten längerfristig umgesetzt: Das Gratis-Angebot gilt drei Jahre lang zunächst als Übergangslösung. Ab 2022 wird auf ein komplett neues Stadtbus-System umgestellt. Unter anderem sollen dann Elektrobusse eingesetzt werden, der Betrieb wird ab 2020 an die Stadtwerke ausgelagert.

Kein Ticket nötig
Wer mit dem Stadtbus fahren will, kann ab dem 10. Dezember einfach einsteigen. Es ist keine Fahrkarte nötig – und das Angebot gilt für alle. Nicht nur Einwohner Pfaffenhofens, sondern auch Einpendler oder Tagesgäste können gratis mitfahren. So bietet sich der Stadtbus z. B. auch als Park-and-ride-Zubringer an, um von den kostenlosen Parkplätzen (Volksfestplatz, Hirschberger Wiese) zum Hauptplatz zu fahren. Die Null-Euro-Fahrten gelten auf allen Stadtbus-Linien und bei der Kleinbus-Linie. Jahreskarten, die über Dezember hinaus gültig sind, können aus verwaltungstechnischen Gründen allerdings nicht erstattet werden. Auch der Ortsteil-Rufbus wird ab 10. Dezember günstiger: Künftig gilt ein einheitlicher Tarif von nur noch 1,50 Euro pro Fahrt. Der Rufbus bringt Fahrgäste nach Voranmeldung von Ortsteilen, die nicht ans Stadtbusnetz angebunden sind, in die Innenstadt – mit einem festen Fahrplan und fixen Haltestellen. Neu mit angebunden sind hier seit einigen Monaten die Ortsteile Streitdorf, Kleinreichertshofen, Gundamsried und Eja. 2019 soll eine zusätzliche Verbindung nach Wolfsberg, Fürholzen, Siebenecken, Haimpertshofen und Göbelsbach geprüft werden

Auf dem Weg zur Mobilitätswende
Mit dem kostenlosen öffentlichen Nahverkehr hofft die Stadt, mehr Bürger vom Stadtbus zu überzeugen. Was auf bundes- und landespolitischer Ebene als Antwort auf drohende Fahrverbote in den Innenstädten ohne greifbare Ergebnisse diskutiert wurde, hat Pfaffenhofen bereits in die Tat umgesetzt. Zwar hat die Kleinstadt (noch) kein Feinstaubproblem. Jedoch ist hier die Verkehrsbelastung stark gestiegen, und daher hat die Stadt bekanntlich ein umfassendes Verkehrskonzept erarbeitet, um die Mobilitätswende zu schaffen: Ein großes Maßnahmenbündel soll dafür sorgen, dass künftig alle gut in der Stadt unterwegs sein können. Vor allem soll der Verkehr in der Innenstadt beruhigt, Durchgangsverkehr verringert werden. Dies hat unter anderem zu einer Ausweitung der Fußgängerzone am Hauptplatz geführt. Verbesserungen für Radfahrer, Fußgänger und eben den Stadtbus gehören dazu.

So war sich der Stadtrat einig, die Attraktivität des Stadtbusses zu erhöhen und damit gleichzeitig zur Verringerung des individuellen PKW-Verkehrs beitragen zu wollen. In ihren Sitzungen im Juli und September haben die Stadträte einstimmig die Optimierungen beschlossen. Und die große Mehrheit sprach sich auch dafür aus, die Busse übergangsweise kostenlos fahren zu lassen. Im Gegenzug befürwortete das Gremium grundsätzlich die Einführung von Parkgebühren im Bahnhofsumfeld. Entsprechende Eckdaten wird die Verwaltung noch ausarbeiten.

Damit alle von den Neuerungen erfahren, tragen einige Busse eine neue Beklebung, verschiedene Werbemittel informieren über das Gratis-Angebot. Darauf ist eine Stadtbus-Zeichnung zu sehen. Das Bild stammt von Lisa Sedlmeier, 5 Jahre, aus dem Kindergarten Maria Rast. Sie hat den Malwettbewerb gewonnen, den die Stadt in Kindertagesstätten veranstaltet hat.

Mehr Fahrten im 30-Minuten-Takt
Attraktiver soll der ÖPNV auch dadurch werden, dass die Stadtbusse Montag bis Freitag öfter fahren. So gilt auf den meisten Linien (1–3, 5–6) der 30-Minuten-Takt nun durchgehend, abgesehen von der Mittagszeit. Zwischen 13.30 Uhr und 15.30 Uhr gilt weiter der Stundentakt, ebenso am Samstagvormittag wegen der geringeren Auslastung. Bisher waren die Busse nur zu den Pendlerzeiten in der Früh und abends halbstündlich unterwegs. Damit wird der Schülerverkehr am Nachmittag besser bedient – ein Wunsch der Elternvertreter. Und der Stadtbus wird zu einer Option für Fahrten am Vormittag oder Nachmittag zum Einkaufen, Arzt- oder Behördenbesuch. Für viele potentielle Nutzer war der Stundentakt für diese Zwecke unattraktiv, da die Rückfahrt oft nur schwer einschätzbar ist und so lange Wartezeiten für nur kurze Fahrzeiten entstanden sind. Insgesamt ergeben sich durch die Taktverbesserung 50 zusätzliche Fahrten pro Tag bzw. zehn Zusatzfahrten je Linie.

Abends länger
Am Abend fahren die Stadtbusse künftig länger, nämlich bis ca. 20.15 Uhr. So können mehr Bahn-Pendler den Bus noch nutzen. Hier soll auch die Anpassung der Abfahrtszeiten an den neuen Fahrplan der Bahn helfen, dass sich mehr Pendler für den Stadtbus entscheiden und mit ihm heimfahren. Bisher konnten Pendler, die bis 19 Uhr mit dem Zug am Bahnhof ankamen oder umgekehrt Pfaffenhofen verlassen wollten, mit dem Stadtbus heimfahren. Diese Zeit wird jetzt um eine Stunde verlängert: Züge, die bis ca. 20 Uhr ankommen bzw. abfahren, werden noch bedient. Das bedeutet pro Linie vier bis sechs zusätzliche Fahrten am Abend. Morgens finden die ersten Fahrten je nach Linie wie gehabt ab ca. 5.30 Uhr statt.

Bessere Anbindung, neue Haltestellen
Schon heute ist das Stadtbus-Netz so ausgerichtet, dass man innerhalb von maximal zehn Minuten in die Innenstadt fahren kann – mit bisher acht Linien und mehr als 60 Haltestellen. Nun sollen bessere Anbindungen sowie weitere Haltestellen neue Fahrgäste für den Stadtbus gewinnen. Die Neuerungen im Einzelnen:
• Ilmtalklinik: Die Haltestelle Ilmtalklinik wird nicht mehr über die separate Linie 7 vom Bahnhof aus angebunden. Diese Linie wird aufgelöst. Dafür fährt die Linie 5 auf dem Weg von Niederscheyern zur Ilmtalklinik. Somit sind die Gesundheitseinrichtungen für Besucher, Mitarbeiter und Patienten direkt vom Zentrum aus und häufiger zu erreichen.
• ecoQuartier: Neu ist die von Anwohnern gewünschte Bedienung des ecoQuartiers. Dadurch ergeben sich für die Linie 4 zwei neue, zusätzliche Haltestellen: Weihern und ecoQuartier.
• Daiichi Sankyo: Ebenfalls neu ist eine zeitlich bessere Abstimmung bei der Linie 4, damit einpendelnde Mitarbeiter das Pharma-Werk besser erreichen können. Dies kommt auch all jenen zugute, die in anderen Betrieben an der äußeren Ingolstädter Straße zu tun haben.

Investition in mehr Lebensqualität
Bisher nutzen pro Jahr rund 270.000 Passagiere die städtischen Busse, die reguläre Einzelfahrt kostete 1,30 Euro, die übertragbare Monatskarte 29 Euro. Diese Einnahmen von insgesamt rund 120.000 Euro im Jahre fallen ab 2019 zwar weg. Sie haben jedoch nur in geringem Maß zur Finanzierung des Busbetriebes beigetragen. Bisher lag das jährliche Defizit, das die Stadt auszugleichen hatte, bei rund 600.000 Euro. Künftig rechnet die Kämmerei mit einem jährlichen Defizit von rund einer Million Euro für 2019, für die Folgejahre aufgrund steigender Kosten mit etwas mehr – allerdings bei einem deutlich besseren Angebot mit mehr Fahrten. Der engere Takt, die Ausweitung der Fahrzeiten abends und die Anbindung neuer Haltestellen kosten insgesamt rund 220.000 Euro.

Letztlich handelt es sich bei dem kostenlosen und verbesserten Stadtbus-Angebot um eine Investition für mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität in Pfaffenhofen: So mancher konnte sich bisher den Stadtbus – trotz Sozialrabatt – finanziell kaum leisten. Andere haben nun einen Anreiz, den Stadtbus einfach mal auszuprobieren und das Auto für Kurzstrecken stehen zu lassen. Das spart dem Einzelnen nicht nur Geld und die Parkplatzsuche. Weniger Kfz-Verkehr in der Stadt trägt zum Wohle aller zum Klimaschutz bei, schont die Nerven von Anwohnern und Passanten und verbessert die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt.



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