Besser unterwegs in der Stadt

Visualisierung: So könnte der Obere Hauptplatz nach der Pflasterung und Verkehrsberuhigung aussehen, unabhängig davon, ob die Durchfahrt gesperrt wird oder nicht.
 
Visualisierung: So könnte zukünftig der Platz an der Münchener Straße/Moosburger Straße aussehen.
 
Visualisierung: Poller an der Schlachthofstraße sollen Abkürzungen durch das Wohngebiet verhindern.
 
Die Zeitschiene zeigt, wann welche Maßnahmen durchgeführt werden sollen.

Stadtrat beschließt einstimmig großes Maßnahmenbündel zur Verkehrsberuhigung

Ein großes Maßnahmenbündel soll dafür sorgen, dass trotz zunehmendem Verkehr künftig alle gut in der Stadt unterwegs sein können. Verbesserungen für Radfahrer, Fußgänger und den Stadtbus gehören dazu. Vor allem aber soll der Verkehr in der Innenstadt beruhigt, Durchgangsverkehr verringert werden. „Von innen nach außen“ ist die Devise: Verlagerung von den Zufahrtsstraßen auf die Umgehung, vom Hauptplatz auf den Altstadtring. Die viel diskutierte Sperrung der Hauptplatzdurchfahrt wird zeitnah nicht weiter verfolgt. Erst sollen die anderen Maßnahmen greifen.

Die Verkehrsbelastung in Pfaffenhofen nimmt zu. Das zeigen Verkehrszählungen und das erlebt jeder, der zu Stoßzeiten unterwegs ist. Dazu trägt nicht nur das Einwohnerwachstum bei. So fahren die Pfaffenhofener zwei Drittel der Strecken unter drei Kilometer mit dem Auto. Um einer weiteren Zunahme der Verkehrsbelastung entgegenzuwirken, arbeitet die Stadt Pfaffenhofen seit drei Jahren proaktiv an einem Verkehrsentwicklungsplan, der parallel zum neuen Flächennutzungsplan entsteht. Mehrere Fachplaner, aber auch viele Pfaffenhofener Bürger haben daran bereits mitgewirkt.

Verkehrsplanung nicht nur für Autos
Nun hat der Stadtrat ein integriertes Maßnahmenkonzept für die kommenden drei Jahre beschlossen. Dabei spielt der Ausbau der Radinfrastruktur eine große Rolle, z. B. durch weitere Fahrradstreifen. Eine Neukonzipierung beim Stadtbus mit einer Verdichtung des Angebots soll mehr Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV motivieren. Verbesserungen für Fußgänger bringen u. a. zusätzliche Fußgängerampeln.

Nicht zuletzt werden nachhaltige Mobilitätsformen gefördert. Um nur ein Beispiel aus dem Bereich „Mobilitätsmanagement“ zu nennen: Die Stadt wird dieses Jahr die private Anschaffung von E-Bikes und erstmals auch von Lastenpedelecs bezuschussen. Damit wird deutlich: Die Verkehrsplanung ist nicht nur auf die Autofahrer zugeschnitten.

Verkehr von innen nach außen verlagern
Alle Verkehrsteilnehmer sollen besser in der Stadt unterwegs sein können – sicher und ohne Stau. Daher ist das oberste Ziel des Verkehrskonzepts, Durchgangsverkehr aus der Innenstadt herauszuhalten. Man will Verkehr von innen nach außen verlagern: von den radialen Zufahrtstraßen auf die Anton-Schranz- und die Schrobenhausener Straße sowie vom Hauptplatz auf den Altstadtring. Dabei geht es nicht mal so sehr um den überörtlichen Durchgangsverkehr. Wie Verkehrsanalysen zeigen, nehmen viele Pfaffenhofener selbst den Weg durch die Innenstadt als Abkürzung.

Verkehrsberuhigung in den Zufahrtstraßen
Insgesamt werden auf den radialen Zufahrtsstraßen 2018 bzw. 2019 acht Maßnahmen umgesetzt (Zeitplan siehe Grafik).
1. Eine abknickende Vorfahrt von der Hohenwarter zur Anton-Schranz-Straße mit Fußgängerampel soll mehr Verkehr auf die Westtangente leiten.
2. Zur Geschwindigkeitsreduzierung wird die Hohenwarter Straße im Bereich der Moschee mit einer Mittelinsel verengt.
3. Ein Minikreisverkehr an der Ecke Hohenwarter-/Schirmbeckstraße soll ebenfalls den Verkehr ausbremsen, Zebrastreifen erleichtern Fußgängern das Queren.
4. An der Einmündung von Äußerer Quellengasse bzw. Radlberg erhält die Hohenwarter Straße eine Fußgängerampel.
5. Eine weitere Fußgängerampel wird es an der Einmündung der Quellengasse geben, also dort, wo der Fahrradstreifen endet. Radler können ihre Fahrt in die Innenstadt künftig gefahrlos durch die Quellengasse fortsetzen. Diese wird als „Schlupfloch“ für Kraftfahrzeuge gesperrt und zur reinen Fahrradstraße.
6. Die Ampelsteuerung an der Radlhöfe-Kreuzung wird so angepasst, dass der Verkehr auf der Umgehungsstraße bevorzugt wird – zur Entlastung der Scheyerer Straße.
7. Blumenkübel in der Niederscheyerer Straße auf Höhe des Kreisbauhofs verengen die Fahrbahn.
8. Die auch aus städtebaulicher Sicht größte Veränderung ist am Dreieck Münchener-/Moosburger Straße angestrebt: Bei der evangelischen Kirche wird zunächst ein Mini-Kreisverkehr angelegt. So können u. a. die vom Bahnhof kommenden Stadtbusse flüssiger Richtung Innenstadt abbiegen. Später soll der gesamte Bereich zu einem Platz umgestaltet werden, der die evangelische Kirche integriert. Bis zur Schulstraße könnte ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich entstehen.

Dazu kommen noch Fahrradstreifen in der Scheyerer und Ingolstädter Straße, die nach Fahrbahnsanierungen bzw. Kanalbauarbeiten umgesetzt werden. Weitere Baustellen – unabhängig von der Verkehrsberuhigung – bringen der Kanalbau in Altenstadt und die Sanierung der Anton-Schranz-Straße zwischen Ziegelstraße und Ingolstädter Straße.

Verkehrslenkung am Altstadtring
Einen zweiten großen Block im Verkehrskonzept nehmen Maßnahmen ein, die den Verkehr entlang des Altstadtrings neu lenken sollen – z. B. durch neue Abbiege- oder Einbahnregelungen. Auch hier geht es darum, Verkehr nach außen zu verlagern und Knotenpunkte zu entschärfen. Die wichtigsten Neuerungen:
• Poller entlang des Stadtgrabens an der Schlachthof-/Grabmeierstraße sollen Abkürzungsverkehr zur Autobahn durch das Wohngebiet verhindern.
• Am Ende der Weiherer Straße wird man nur noch rechts abbiegen können. Richtung Stadtmitte führt der Weg dann zum Kreisel am Volksfestplatz und über die Ingolstädter
Straße.
• Zugleich wird die Spitalstraße, die bisher nur für Anlieger befahrbar ist, als Einbahnstraße aus Richtung Ingolstädter Straße geöffnet. Radler können in beiden Richtungen fahren und erhalten einen Schutzstreifen.
• Auch entlang der Türltorstraße wird ein Fahrrad-Schutzstreifen installiert.
• Die Frauenstraße wird zwischen Löwenstraße und Riederweg keine Einbahnstraße
mehr sein, sondern in beiden Richtungen befahrbar.

Maßnahmen gegen Parkplatzsuchverkehr
Flankiert werden die Maßnahmen zur Verkehrslenkung durch ein neues Parkraumkonzept. Denn auch die Suche nach (günstigen) Parkplätzen verursacht vermeidbare Fahrten. Grob gesagt werden Stellplätze innerhalb des Altstadtrings teurer, außenherum sollen günstigere oder kostenfreie Parkmöglichkeiten angeboten werden. Auch die Parkhäuser sollen günstiger sein als das Parken direkt am Hauptplatz. Die genauen Gebühren werden noch erarbeitet.

Aufenthaltsqualität am und um den Hauptplatz
Und die unmittelbare Innenstadt, also der Bereich innerhalb des Altstadtrings? Die Entscheidung über ein eventuelles Durchfahrtsverbot am Hauptplatz fällt erst nach Umsetzung der anderen Maßnahmen. Unabhängig davon sind bauliche Umgestaltungen vorgesehen, die Fußgängerzone soll erweitert, die Aufenthaltsqualität mit  Sitzgelegenheiten und Bäumen verbessert werden. Außerdem enthält das  Verkehrskonzept eine neue Fußgängerzone hinter dem Rathaus in der Frauenstraße. Und auch für eine autofreie Sonnenstraße liegen Visualisierungen vor, die Lust auf  Flanieren und Verweilen machen.

Somit sind die Weichen in der Stadt auf Beruhigung gestellt: Der Stadtrat hat seinen früheren Grundsatzbeschluss zur Sperrung der Hauptplatzdurchfahrt modifiziert und so die erhitzte Diskussion beruhigt. Und die übrigen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung
der Innenstadt können nun zügig angegangen werden.

Was wird aus dem Hauptplatz? Fragen und wichtige Antworten

Wird der Hauptplatz jetzt gesperrt oder nicht?

Ob eine Sperrung für den Durchfahrtsverkehr kommt, wird erst entschieden, wenn die anderen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung umgesetzt sind. Dies ist frühestens 2020 der Fall. Konkret geht es um versenkbare Poller an der Ecke des Rentamtes und eine Sperre am Hofberg. Eine komplette Sperrung des Hauptplatzes für Kfz war ohnehin
nie geplant.

Was würde „Durchfahrtssperre“ bedeuten?

Die Zufahrt zum Hauptplatz wäre nach wie vor von der Scheyerer bzw. der Ingolstädter Straße möglich. Lediglich das Verbindungsstück zwischen Oberem und Unterem Hauptplatz, also die Strecke entlang von Landratsamt und Rentamt, wäre nur noch für Stadtbusse und Radler befahrbar. So kann jeder den Hauptplatz erreichen, der dort etwas zu erledigen hat. Unnötiger Durchgangsverkehr – fast 6.000 Fahrzeuge
pro Tag – würde vermieden.

Was passiert mit dem Bürgerbegehren „Lebendiger Hauptplatz ohne Hindernisse“?

Mitte Februar wurde ein Bürgerbegehren eingereicht, um die Sperrung der Hauptplatzdurchfahrt zu verhindern. In der Sitzung vom 22. Februar hat der Stadtrat seinen früheren Beschluss abgeändert: Die Durchfahrtssperre ist erst einmal vom Tisch, sie ist nicht mehr Bestandteil der aktuellen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen. Damit ist die zentrale Forderung des Bürgerbegehrens erfüllt, eine Abstimmung der Bürger ist nicht mehr nötig.

Ändert sich trotzdem etwas am Hauptplatz?

• Tempolimit: Bisher gilt am Hauptplatz Tempo 20. Stattdessen könnte künftig ein sogenannter „verkehrsberuhigter Geschäftsbereich“ mit einer Begrenzung auf 10 km/h eingerichtet werden.
• Fußgängerzone: 2018 wird untersucht, wie eine Ausweitung der Fußgängerzone im Bereich der Mariensäule bzw. des Maibaums bis zum Eingang des Parkhauses realisiert werden kann. Weitere Sitzbereiche und mehr Bäume sollen hier die Aufenthaltsqualität wesentlich verbessern.
• Pflasterung: Das jetzige Asphaltband soll durch Granitpflaster ersetzt werden, so dass der Platz einen einheitlichen Belag erhält.
• Parkplätze: Je nach Jahreszeit und Außenbestuhlung der Gastronomie am Hauptplatz würden durch eine größere Fußgängerzone 15 bis 19 Stellplätze entfallen. Die südliche Parkplatzreihe wird Richtung Mariensäule verlängert.
• Spielplatz: Die Fahrgasse am Unteren Hauptplatz lässt sich verengen, die beiden Parkplatzreihen rutschen dadurch zusammen. So entsteht ein Fußgänger- und Fahrradstreifen entlang der Grünanlage im Bereich des Spielplatzes. Dieser bleibt nun definitiv erhalten.
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