Tag der Offenen Tür: "Das Interesse am Tierschutz steigt mehr und mehr"

Sie will doch nur spielen? – Nein, will sie nicht. Nicht jetzt! Frauchen hat kurz den Stand mit den selbstgemachten Hundeleinen verlassen, Rosi übernimmt jetzt mit gestrengem Blick die Standwache. "Damit das klar ist!"
 
Ruhe vor dem (An-) Sturm. Die Tierherberge Pfaffenhofen.
Pfaffenhofen: Tierherberge | "Mit derart vielen Besuchern hatten wir dann doch nicht gerechnet", sagt ein Mitarbeiter der Tierherberge. "Zwar steigen unsere Besucherzahlen von Mal zu Mal. Aber dass Besucher schon vor der Öffnungszeit vorm Zaun warten, das gab es noch nie." 

Dort mussten sie vorab auch bleiben, Tag der offenen Tür hin oder her: Frühstück geht vor. Wohlgemerkt: Frühstück für die Tiere! Ebenso das tägliche Saubermachen der Gehege. Medikamte für diejenigen die (noch) darauf angewiesen sind. Und viele andere Routine-Arbeiten, die auch an den übrigen 364 Tagen des Jahres erledigt werden.

Vielleicht mal eine Ausnahme, auch mal fünfe grade sein lassen? "Es gibt bei uns keine Ausnahmen", heißt es lapidar. Auch dann nicht, wenn wieder einmal Ausnahmezustand herrscht. Weil vielleicht kurzfristig sehr viele Tiere wegen eines Notfalls mitten in der Nacht aufgenommen werden müssen. Oder weil zu wenige Mitarbeiter wegen Krankheit und/oder Urlaub vor Ort sind. Oder weil eben, wie vergangenen Sonntag, Tag der offenen Tür ist.


"Wer passt eigentlich zu mir?"

Man könne dann nicht einfach irgendwo anrufen "Schickt uns bitte ein paar Leute rüber, die mit anpacken." Viele Tätigkeiten eines Tierheims verlangen Fachwissen. 

Aber für Sonntag war man natürlich vorbereitet. Und es wurde ein tolles Fest. Mit überdurchschnittlich vielen Besuchern, Essen, darunter etwa 20 selbstgebackenen Kuchen, Getränken. Und, gefühlt, hunderten Fragen an die Mitarbeiter. "Welches Tier passt zu mir? Was tue ich, wenn ...? Ich hab' da ein Problem ..."


Überraschungs- und zugleich Ehrengast des Tages: die kleine Molly

Traditionell gehört an diesem Tag der – meist unangemeldete – Besuch ehemaliger tierischer Gäste, nebst deren neuen neuen Besitzern. Erstaunlich genug: "Sogar Tiere, die seit Jahren vermittelt sind, erinnern sich manchmal zweifelsfrei, dass sie hier schon mal waren", erzählt eine Tierherberglerin, die vor allem für die Hunde zuständig ist. Das erkenne man beispielsweise  daran, dass sie schnurstracks auf einen Kollegen oder eine Kollegin zulaufen, mit der sie während ihres Aufenthaltes besonders eng zu tun hatten.

'Eng' müsse nicht zwingend positiv heißen. Schließlich seien viele krank oder verletzt  gekommen. Hatten Schmerzen. Auch gebe es sicher Spannenderes für ein Tier, als die qhälend lange Wartezeit in der Quarantäne-Station. "Hilft aber nix, es muss sein, damit sie keine Artgenossen anstecken und zu Leidens-Genossen machen."


Mollys Auftritt

Überraschungs- und zugleich Ehrengast des Tages war die kleine, weiß-graue Molly. Mollys legendäre Geschichte kennt jeder hier. Die ganz junge Yorkshire-Terrier-Hündin war vor einigen Jahren mit einer schweren angeborenen, schweren Missbildung auf die Welt gekommen und in der Tierherberge abgegeben worden. Damals überlegten die Tierärzte, ob es möglicherweise besser sei, sie gehen zu lassen. Sie werde, falls sie denn überlebe, nicht viele schöne Momente haben, so die damalige Prognose. Es kam anders. Mehrere Operationen kosteten viel Geld. Tierfreunde, die von Mollys Schicksal hörten, halfen bei der Finanzierung. Vor einem halben Jahr nun durfte Molly endlich von einer Pflegestelle umziehen in einen sogenannten "Endplatz" zu ihrem Frauchen Iris umziehen. Endplatz bedeutet, sie darf jetzt für immer dort bleiben. Und wohnt dort sogar mit weiteren behinderten Haustieren zusammen. Dass sie auf Ihr (Renn-) Wägelchen angewiesen ist und auch bleiben wird, hat sie offensichtlich vergessen. Sie präsentierte sich am Sonntag lebensfroh, quirlig, kurz: quietschfidel. 


Spielen mit "richtigen" Hunden


Das schöne Wetter sei auch der Grund gewesen, dass man zum ersten Mal Kinder von Besuchern zusammen mit den Hunden aus dem Tierheim habe spielen lassen können - für manche Kinder die erste nähere Begegnung mit einem "echten" Hund.

Barbara Whittaker, eine der Hundespezialistinnen und gelernte Kindergärtnerin, brachte das nötige Know-how mit; die Hunde die notwendige Geduld, sich ausgiebig beschmusen zu lassen.

"Sicherlich hat das tolle Wetter uns am Sonntag in die Hände gespielt hat", fasst die Vereinsvorsitzende Manuele Braunmüller am späten Nachmittag den Tag zusammen. Aber das Wetter allein ist nach ihrer Meinung nicht der Hauptgrund für den Besucher-Ansturm: „Die Menschen entwickeln mehr und mehr Empathie für die Umwelt, für die Natur. Und damit auch für Tiere. Mit jedem Fall von Tiermisshandlung wächst die Zahl derer, die solche Dinge nicht mehr hinnehmen wollen."

Ob es im kommenden Jahr wieder einen Tag der offenen Tür geben wird?
"Bei diesem Erfolg? Selbstverständlich! Aber vorher kommt noch unsere öffentliche Weihnachtsfeier."
 

Paul Ehrenreich
Fotos: Ehrenreich / Rudisch / Schneider / Whittaker / Weißenburger / Wessollek
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