Tag der offenen Tierheim-Tür: Petrus muss Tierfreund sein

So viele Menschen braucht es, um ein Tierheim an 365 Tagen im Jahr zu unterhalten. Auf dem Foto sind es exakt 30. Eingerechnet Fundhund „Bertl“, der als Controller der Wurst-Vorräte tätig ist. Tatsächlich helfen sogar mehr mit. (Foto: Paul Ehrenreich)
 
Trotz des Trubels drumherum: Schwergewicht Django nimmt’s gelassen (Foto: Paul Ehrenreich)
Pfaffenhofen: Tierherberge | „Herbstlich. Sonnig. Saukalt.“ Dieses Wetter hatte der Tierschutzverein Pfaffenhofen sich gewünscht für den Tag der offenen Tierheim-Tür am 18. November – und mutig dieses Traumwetter auch gleich prophezeit. Nun sind Wünsche die eine Sache; erfüllt werden sie anderen, nämlich höheren Ortes.

Petrus scheint ein Tierfreund zu sein! Er hielt sich streng an die Vorgaben aus der Tierherberge. Eisig kalt war’s am frühen Morgen, Raureif an den Bäumen, strahlende Sonne den ganzen Tag über.
Besucher kamen in Strömen an die Weiberrast, nicht wenige verbanden einen Spaziergang in den Wäldern drumherum mit einem Besuch in der Herberge.

Gleich zu Beginn des Fests wurde von zwei hochrangigen Mitgliedern des Deutschen Tierschutzbundes, Ilona Wojahn und Dr. Katharina Pasche, die Tierschutz-Plakette
überreicht. Wojahn ist Vizepräsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern; Frau Dr. Pasche Tierärztin und Tierschutz-Beraterin. Beide beglückwünschten den Pfaffenhofener Verein und erklärten, wie hoch die Messlatte liege, um diese Auszeichnung zu erhalten. Ein Tier, das an der Weiberrast vorübergehend oder längerfristig einziehe, müsse eine tiergerechte Behausung erhalten. Außerdem muss jede Tierart eine eigene Quarantäne-Station haben. Nur so kann verhindert werden, dass eventuell eingeschleppte Krankheiten sich ausbreiten. Pflicht sei darüber hinaus sogar eine Krankenstation für Tiere. Schließlich lägen die Anforderungen an die Kenntnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiter wie auch der Tierheim-Führung weit über dem Durchschnitt und müssen regelmäßig auf den aktuellsten Stand gebracht werden. Dieses Wissen erarbeite man sich nicht in zwei Wochenend-Seminaren. „Deshalb kann längst nicht jedes Tierheim diese Anforderungen erfüllen. In Pfaffenhofen sind sie erfüllt“, gratulierte Wojahn.

Wer mustert hier wen?
Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker betonte in einer sehr persönlichen Rede, der ganze Landkreis könne stolz sein, ein „so überragend geführtes, sauberes und mit Herz geführtes Tierheim in Pfaffenhofen zu haben. Wir sollten nie vergessen, dass Tierschutz kein privates Hobby ist, sondern dass Tierheime Pflichten übernehmen, die ansonsten die Kommunen selbst zu tragen hätten – bei deutlich höheren Kosten.“
Der bei weitem größte Teil dieser Arbeit werde hier dagegen von Ehrenamtlichen erledigt, so Herker weiter. Das ganze Jahr über und ohne Entlohnung.

Ein Überraschungs-Leckerli finanzieller Art hatte Manfred Russer in der Tasche. Russer kam in Personalunion, als Sprecher sämtlicher Bürgermeister im Landkreis Pfaffenhofen, sowie als Bürgermeister des Marktes Hohenwart. Er verwies auf die nagelneuen, endlich besuchs- und ausbruchssicheren Außengehege, die während der Sommermonate gebaut worden waren. Investitionen, die den Tierschutzverein finanziell arg in die Mangel genommen hatten. 17 von 19 Landkreis-Gemeinden haben Verträge geschlossen mit der Tierherberge. „Natürlich wussten wir, dass derart hohe Investitionen vom Verein allein nicht getragen werden können, und es auch nicht sollen. Wir Bürgermeister haben uns zusammengesetzt und beschlossen, diese sehr dringenden Baumaßnahmen zu unterstützen.“ Er könne den exakten Zuschuss noch nicht auf Euro und Cent genau nennen, der Tierschutzverein dürfe aber mit „rund 22.000 Euro“ rechnen.

Die folgenden Stunden verbrachten hunderte Besucher damit, sich dort umzusehen, wo die Hunde sich tagsüber künftig aufhalten: In neugestalteten, großzügigen, vor allem ausbruchs- und übersprungssicheren Gehegen. Beinahe das komplette Aufgebot der Spezies Hund war vertreten. Vom knapp fünf Kilogramm leichten Dackel-Federgewicht ‚Snoopy‘ bis hin zu ‚Django‘ mit rund 70 Kilogramm. Stoisch ließ der majestätische Kangal das Menschen-Gewoge an sich vorbeiziehen.

So groß war der Besucheransturm, dass zeitweise der Eindruck entstand, nicht die Besucher besichtigten die Wuffis. Sondern, umgekehrt, die Wuffis beobachteten aus ihren großen Gehegen hundevernarrte Menschen, wie diese sich in schmalen Zwischengängen drängelten und um die besten Plätze schubsten. Wer begafft hier eigentlich wen?
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