Nur ein Häufchen Elend: Klara

Klaras Gesundheitszustand lässt sich selbst auf Fotos kaum darstellen  (Fotos © Braunmüller)
 
Reparatur an Leib und Seele
Pfaffenhofen: Tierherberge |

Wer in einem Tierheim arbeitet, ist häufig Zeuge schlechter Tierhaltung. Manchmal sogar sehr schlechter. Der aktuelle Fall einer Fundhündin in der Herberge Pfaffenhofen übersteigt selbst bei unseren hartgesottensten Kollegen das Vorstellbare. Wir sind uns einig: Könnte ein Hund weinen – Klara würde es tun.

Gegen halb zwei Uhr am Dienstagmorgen wurde Klara, so haben wir sie genannt, in einem Wald in der Nähe des Hohenwarter Klosterberges aufgelesen.Das Opfer jüngster tierischer Vernachlässigung ist eine schätzungsweise vier- bis sechsjährige Berner-Sennen-Hündin. Wegen ihrer schlechten Erscheinung wirkt sie allerdings deutlich älter – das ist häufig so bei „vergessenen“ Tieren. Allerdings lassen ihre Zähne vermuten, dass sie noch recht jung ist. Gekennzeichnet war nicht, ihre einzigen Erkennungsmerkmale: Ein schwarzes Halsband. Und ein miserabler Gesundheitszustand.
Wir haben umgehend bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt wegen Tierquälerei. Begründung: erhebliche Vernachlässigung, strafbar nach Paragraf 1 und 2 des Tierschutzgesetzes.


Selbst Fotos könnten nicht wiedergeben, wie armselig das Tier aussieht. In unserer Anzeige haben wir ihren aktuellen Gesundheitszustand unter anderem so beschrieben: „…das Fell weist großflächig kahle Stellen auf, die Haut ist deutlich sichtbar und weist hochgradige Entzündungen und diverse Hautverletzungen auf, die der Hund sich vermutlich durch sein ständiges Kratzen selbst beigebracht hat. Auch die Augen sind entzündet, am linken Auge sind Spuren einer älteren Verletzung erkennbar. Die Ballen an allen vier Pfoten sind so stark entzündet, dass der Hund kaum noch schmerzfrei auftreten beziehungsweise laufen kann.“ In den kommenden Tagen erwarten wir noch das Ergebnis eines tiermedizinischen Gutachtens.


Wenn Hunde weinen könnten


Der Hund dürfte in den letzten Wochen und Monaten viele Schmerzen gehabt haben. Dennoch, er ist erstaunlich zutraulich. Angelika Hiller kümmert sich bei uns unter anderem um die Hunde: „Klara ist sooo lieb, legte sofort ihren Kopf auf meine Beine. Unglaublich, nach all dem Erlebten. Allerdings darf man sie kaum irgendwo anfassen, weil sie bei jeder Berührung vor Schmerzen aufheult.“


Manuela Braunmüller ist die Vorsitzende unseres Vereins: Jetzt muss das Häufchen Elend wieder zu einem Hund, regelrecht "repariert" werden an Leib und Seele. Und natürlich wollen wir den Besitzer finden und verantwortlich machen. Deshalb haben wir gleichzeitig mit der Anzeige das Veterinäramt über den Fall informiert. „Theoretisch könnte der Besitzer bei uns auftauchen. Zur Zeit könnten wir nicht völlig ausschließen, dass wir das Tier dann sogar zurückgeben müssten. Noch nicht. Deshalb haben wir das Veterinäramt gebeten, dass Klaras Besitzer entweder mit einem Haltungsverbot belegt wird. Oder in Zukunft wenigstens Tiere nur gegen strenge Auflagen und regelmäßige Kontrollen halten darf. Anderenfalls würde Klaras Leidensweg möglicherweise von vorne beginnen. Wir werden alles tun, so etwas zu verhindern.
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