MIT VIDEO! „Die Erinnerung nicht einschlafen lassen“ Gedenkabend zum Volkstrauertag

Wie kann man der Opfer der beiden Weltkriege auch zukünftig gedenken? Und wie kann man die Lehren aus der Vergangenheit wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken? Die Erinnerung dürfe nicht einschlafen, betonte Bürgermeister Thomas Herker bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag am Freitagabend im Rathausfestsaal. Keine leichte Aufgabe: Neben den geladenen Fahnenabordnungen der Krieger- und Soldatenvereine aus Pfaffenhofen und den Ortsteilen nahmen nur wenige Interessierte an der öffentlichen Gedenkveranstaltung teil. Der Volkstrauertag stößt in Pfaffenhofen in den letzten Jahren auf sinkende Resonanz. Soldatenvereine beklagen landesweit schwindende Mitgliederzahlen – dabei ist gerade ihre aktive Friedensarbeit so wichtig gegen das Vergessen. Deshalb seien besonders die Medien und die Schulen dazu aufgefordert, das Thema in der Öffentlichkeit zu verankern, erklärte Herker.

Stadtarchivar Andreas Sauer sowie Stadtrat und Buchautor Reinhard Haiplik nahmen die Anwesenden mit Texten aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs mit auf eine Zeitreise. Auszüge aus Tagebüchern, Feldpostbriefe, Gedichte, Amtsblätter und Augenzeugenberichte von Pfaffenhofener Bürgern zeugen von Verzweiflung, Angst und Sehnsucht nach dem Kriegsende, aber auch von bedingungsloser Linientreue, Begeisterung, Judenhetze und Kriegspropaganda. Tagebuchzitate von Soldaten, wie „Jeder sieht sich vor seinem eigenen Grab“, „Ob man selbst dabei ist?“ oder „Der Krieg ist die grausamste Gewaltanwendung“, spiegelten die Stimmung unter dem Eindruck der Erlebnisse an der Front wider.


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Oberstabsfeldwebel Markus Lischka, Spezialist für Kampfmittelbeseitigung beim Gebirgspionierbataillon 8 aus Ingolstadt, berichtete von seinen Erlebnissen bei Bundeswehreinsätzen im Kosovo und in Mali. Der Berufssoldat schilderte die Situation und die Gefahren in den Einsatzgebieten, aber auch die veränderten Möglichkeiten, Kontakt mit der Familie und den Freunden in der Heimat zu halten. Er sprach auch offen über die öffentliche Wahrnehmung und das Ansehen seines Berufs, über Beleidigungen und über die Nachwuchssorgen der Bundeswehr.

Die Veranstaltung wurde umrahmt von ausgewählten Musikstücken der Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy, Edward Elgar und Maurice Ravel sowie aus dem Film „Schindlers Liste“, dargeboten von Christiane Sauer (Geige), Marie-Therese Daubner (Violoncello) und Hisayo Fujisaki (Klavier). Die Stücke, die in direktem Bezug zu den Ereignissen der beiden Kriege standen, gaben dem Gedenkabend einen eindringlichen und berührenden Charakter.
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