Kein Herz für Tiere

Nebulöse Zukunft. Obwohl die bayerischen Tierheime kommunale Aufgaben übernehmen, erhalten sie nach der jüngsten Abstimmung im Landtag keine Unterstützung vom Freistaat
 
Eine gegen alle: die CSU überstimmte mit ihrer Mehrheit alle anderen Abgeordneten im Bayerischen Landtag
Pfaffenhofen: Tierherberge | Vor 16 Jahren wurde der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz der Bundesrepublik verankert. Die Bayerische Landesregierung interessiert das bis heute wenig. Im Landtag ist Ende Juni der „Aktionsplan zur Gewährleistung des Tierschutzes in Bayern“ an der CSU-Mehrheit zerschellt. Dabei fehlen allein den bayerischen Tierheimen 65 Millionen Euro für dringende Investitionen. 

Das hat Auswirkungen auch auf den Tier-
schutzverein Pfaffenhofen. Dessen Vorsitzende Manuela Braunmüller erklärt, inwiefern.


Viele Tierschutzvereine kämpfen Jahr für Jahr ums Überleben. Das muss sich ändern, forderte ein "Aktionsplan zur Gewährleistung des Tierschutzes in Bayern". Am 26. Juni wurde abgestimmt. SPD, Grüne, Freie Wähler waren sich einig. Geschlossen stimmten sie dafür, dass es so nicht weitergehen könne. Einig waren sich – mit Ausnahme von zwei Enthaltungen –– auch die CSU-Abgeordneten, die Mehrheit im Bayerischen Landtag. Ergebnis: Abgelehnt.

Zusammengefasst und flapsig interpretiert: Tierschutz mag ein schönes Hobby sein. Bleibt aber überflüssiger Schnickschnack.

So einfach ist das aber nicht. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Pfaffenhofen, Manuela Braunmüller, erklärt warum: „Viele Menschen wissen nicht, dass die Zuständigkeit für Fundtiere bei den Kommunen liegt. Vergleichbar einer verlorenen Geldbörse. Allerdings ist es sehr viel komplizierter und aufwändiger, Tiere ‚aufzubewahren‘ als Hüte, Regenschirme oder einen einzelnen, verlorenen Schuh.“

Die Gemeinden geben die Verantwortung gerne weiter an Leute, die sich damit auskennen. Und die sitzen in den örtlichen Tierheimen. Sie schließen Verträge für Fundtiere mit den Heimen. Meist liegt die Pauschale bei weniger als 50 Cent pro Einwohner und Jahr – viel zu wenig. Von diesem Moment an sind die Tierheime für artgerechte Versorgung, Verpflegung und Unterkunft der Tiere verantwortlich. Durchschnittlich sind die Tierheime zu rund 80 Prozent mit Fund- und beschlagnahmten Tieren belegt, für deren Unterhalt die Behörden zuständig wären. Aber nur etwa 25 Prozent der hierdurch anfallenden Kosten werden von den Behörden tatsächlich erstattet. Aus diesem Grund sind die meisten kleineren Tierheime gezwungen, die tägliche Arbeit an und mit den Tieren von ehrenamtlichen Helfern durchführen zu lassen. Das Geld reicht nicht für bezahlte Fachkräfte. Dennoch werden von den Heimen fachlich und sachlich fundiertes Wissen und Kenntnisse erwartet. Nicht von ungefähr wirtschaftet die Mehrheit der Tierheime Jahr für Jahr mit dem Risiko einer Pleite – nicht selten vergeblich.


Manuela Braunmüller: "Man erwartet von uns, stets auf dem aktuellsten Stand zu sein. Gleichzeitig bleiben wir auf den Kosten sitzen."

Tierschützerin Braunmüller weiß ein aktuelles Beispiel aus dem eigenen Haus, der  Tierherberge in Pfaffenhofen: „Unsere Hundezäune waren nur als Provisorium geplant, als wir die neue Herberge gebaut haben. Mittlerweile sind sie endgültig in die Jahre gekommen. Wir mussten sie jetzt dringend modernisieren, um die Sicherheit von Besuchern und Mitarbeitern weiter zu gewährleisten. Die Kosten liegen im mittleren fünfstelligen Bereich. Sehr viel Geld für uns. Einerseits wird von uns erwartet, stets auf dem aktuellen Stand zu sein. Andererseits bleiben wir auf den Kosten sitzen.“

Herbert Woerlein ist tierschutzpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Er ärgert sich: „Die Unterstützung der über 80 Tierheime in Bayern ist die vordringlichste Aufgabe. Nach dem Willen der SPD soll der Freistaat Bayern Tierheime finanziell unterstützen, wenn Sanierungen anstehen. Eine bayernweite Regelung zur Fundtierpauschale wäre ein weiterer notwendiger Schritt, die Tierheime finanziell zu stabilisieren.
Die Kolleginnen und Kollegen der Freien Wähler und von Bündnis 90/Die Grünen unterstützten diesen Antrag, die CSU lehnte ihn ab. Ich bin darüber nicht nur enttäuscht, sondern auch zornig über das Desinteresse der CSU am Tierschutz und an der Gesundheit der dort hauptamtlich und ehrenamtlich arbeitenden Menschen. Auch Anträge zu illegalen Welpentransporten, zu effektiveren Kontrollen der Schlachthöfe sowie der Schlachttiertransporte und zur Katzenkastration wurden in den letzten Jahren im Landtag von der Mehrheitsfraktion abgelehnt. Aber wir kämpfen weiter für den Tierschutz.“

Immerhin gewähren die Bundesländer Zuschüsse an die Heime, damit diese ihre Aufgaben wahrnehmen können. Alle Bundesländer? Es gibt eine Ausnahme, Bayern. Eines der reichsten Bundesländer zahlt – nichts.

Noch einmal Manuela Braunmüller: „Bitte unterstützen Sie Tierheime durch Ihr Engagement! Zeigen Sie, dass Ihnen Tierschutz nicht egal ist. Sonst bleibt es wohl dabei: Ein Tier ist für die bayerische Regierung lediglich dann von Wert, wenn es als Schweinebraten auf den Teller kommt.“

Paul Ehrenreich
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