Wohnungsbau in Pfaffenhofen in den letzten zwei Jahrhunderten

Das sogenannte „Beamtenviertel“ entstand 1925 und bot sowohl Bediensteten der städtischen und staatlichen Behörden als auch mit den dort errichteten Mehrfamilienhäusern der übrigen Bevölkerung neuen Wohnraum (ca. 1935).
 
Häuserzeile der heutigen Frauenstraße um 1830. Meist mit einem Obergeschoss versehen bildeten diese Gebäude das typische Haus der Handwerker und Gewerbetreibenden im 19. Jahrhundert.
Angesichts der baulichen Entwicklung Pfaffenhofens in den letzten Jahren mit einer enormen Nachfrage nach Wohnungen und einer intensiven Bautätigkeit macht ein Blick zurück in die letzten 200 Jahre deutlich, dass die Stadt hier von unterschiedlichen Phasen geprägt war. Schon im 19. Jahrhundert gab es Zeiten, in denen Plätze für Bauwillige fehlten, aber auch Jahre, in denen Wohnungen und Häuser zu erschwinglichen Preisen gekauft werden konnten.

Bautätigkeit im 19. Jahrhundert
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu keiner nennenswerten Bautätigkeit. Im Lauf der 1860er Jahre und vor allem mit der Eröffnung der über Pfaffenhofen führenden Eisenbahnlinie München–Ingolstadt im Jahr 1867 begann sich die Situation jedoch zu wandeln. Erste Ansiedlungen von Unternehmen und die steigende Nachfrage nach Bauplätzen zur Errichtung von Wohnhäusern begannen die Stadt zu verändern.
Waren zwischen den Jahren 1800 und 1850 lediglich 35 Neubauten auf bisher unbebauten Flächen zu verzeichnen, entstanden in den folgenden 50 Jahren 240 neue Wohnhäuser, als Geschäftsleute und Bürger Bauplätze an Private verkauften. Pfaffenhofen begann nach 1850 sichtbar in den Raum zu wachsen und dehnte sich in alle vier Himmelsrichtungen aus.

Kriege und ihre Folgen für den Wohnungsmarkt
Einschnitte in die Bautätigkeit in Pfaffenhofen bedeuteten die beiden Weltkriege der Jahre 1914–1918 und 1939–1945. Während der Kriege kam die städtische wie private Bautätigkeit aus Mangel an Material und wegen des Fehlens finanzieller Mittel fast völlig zum Erliegen.
Schon zum Ende des Ersten Weltkriegs orientierten sich Familien von den Dörfern in die Städte, da sie dort bessere berufliche Perspektiven erwarteten. Dadurch setzte auch in Pfaffenhofen eine verstärkte Nachfrage nach Häusern und Mietwohnungen ein, die aber zunächst nicht gedeckt werden konnte. Erst der Bautätigkeit der 1925 gegründeten „Gemeinnützigen Baugenossenschaft Pfaffenhofen“ auf der „Bortenschlagerhöhe“ und mit dem Bau von Wohnblöcken durch die Stadt in den folgenden Jahren besserte sich die Situation. Die Gründungen eines Grund- und Hausbesitzervereins und eines Mietervereins waren damals Zeichen für die gestiegene Bedeutung des Themas „Wohnen“.

Endgültige Überwindung der Wohnungsnot in den 1960er Jahren
Eklatant war das seit 1945 herrschende Wohnraumproblem. Vor allem die rund 2000 Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, die zwischen 1944 und 1946 in die Stadt gekommen waren und von denen sich viele in Pfaffenhofen eine Existenz aufbauen wollten, aber auch Einheimische hatten erst im Lauf der 1950er Jahre die Möglichkeit, sich ein Eigenheim zu schaffen.
Der Bauboom dieser Zeit spiegelte sich in den neuen Wohngebieten im Westen wie im Osten der Stadt wieder, wo binnen 20 Jahren mehrere Hundert errichtete Wohnungen vielen Familien ein neues Zuhause boten. Bis die letzten Not- und Einfachwohnungen verschwanden dauerte es noch bis weit in die 1960er Jahre.

Ein symbolträchtiger Tag im August 1968
Das Ende der Vergangenheit und den Beginn der Zukunft des Wohnens in Pfaffenhofen markierte der 30. August 1968. An diesem Tag ließ die Stadt zunächst die letzte Wohnbaracke an der äußeren Ziegelstraße abbrechen, ehe wenige Stunden später der Hebauf für ein städtisches Wohnprojekt mit 16 Wohnungen an der Dr.-Bergmeister-Straße erfolgte. In den 1950er und 1960er Jahren trug die Pfaffenhofen erstmals in größerem Umfang durch den Bau stadteigener Wohngebäude zur Schaffung von Wohnraum für die sozial schwächere Bevölkerung bei.
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