„Wahrhaftiger Bericht über einige Vorkommnisse im April und Mai“ Peter Zemla verabschiedet sich mit einem „Zwischenfall“ aus Pfaffenhofen

Kulturreferent Steffen Kopetzky moderierte die Lesung
 
Peter Zemla mit der Jury: v.l.n.r: der Kulturreferent und Schriftsteller Steffen Kopetzky, der Stipendiat Peter Zemla, der Theaterwissenschaftler und Autor Dr. Lenz Prütting und die Journalistin Barbara Fröhlich
Drei Monate hat er hier in Pfaffenhofen im Flaschlturm verbracht. Nun ist der diesjährige Lutz-Stipendiat Peter Zemla nach einer erfolgreichen Abschlusslesung wieder abgereist. Nicht aber, ohne Pfaffenhofen einen „Zwischenfall“ in Form eines wunderbaren, nachdenklichen Textes präsentiert zu haben.
Es sei eine angenehme und sehr produktive Zeit gewesen und er vermisse Pfaffenhofen jetzt schon, ließ Zemla auf die Frage von Kulturreferent Steffen Kopetzky, wie denn sein Aufenthalt gewesen sei, wissen. Kopetzky moderierte die Lesung, bei der der Stipendiat Kostproben seines literarischen Schaffens und den lang erwarteten Text über Pfaffenhofen vortrug.

Lesung der Erzählung „Herr Fehr weicht aus“
Zu Beginn las Zemla die Erzählung „Herr Fehr weicht aus“, die minutiöse und exakte Schilderung der Gedankengänge eines Hundebesitzers, der beim täglichen Rundgang eine Begegnung mit einem anderen, ihm unangenehmen Hundebesitzer vermeiden möchte. Wechselnde Strategien und Szenarien werden dabei durchgespielt und geschildert, ohne dass Herr Fehr die Begegnung letztendlich verhindern kann. Eine genaue Beobachtungsgabe verbunden mit großem Sprachvermögen, dem Fokus auf die verborgenen Vorgänge und eine echte Sprachlust könne man dem Schreiben Zemlas attestieren, so Kopetzky: „Ich habe das Gefühl, Sie könnten jede mögliche Situation literarisch verarbeiten und in Sprache fassen.“

Der „Zwischenfall“ von Peter Zemla
Gerade diese Beobachtungsgabe und der Sinn für die Schilderung der kleinen Geste zeichneten auch den „Zwischenfall“ aus. Jeder Stipendiat ist bekanntermaßen verpflichtet, in Erinnerung an Joseph-Maria-Lutz einen „Zwischenfall“ zu schildern, einen druckfähigen Text über Pfaffenhofen. Zemla erzählte mit „Herr Fürbringer, Herr Vorbringer, Fortburger oder so ähnlich“ die Suche nach einem in unterschiedlichsten Erscheinungen auftretenden Mann, einem Fremden und einer Art Schutzheiligen, der in einer Zeit von zwei Wochen in unterschiedlichsten Situationen auftaucht, aber nie genau erkannt werden kann. Durch kleine Gesten beeinflusst und verbessert er das Leben einiger Pfaffenhofener und hinterlässt so Spuren in der Kleinstadt. Ankerpunkt der Erzählung ist dabei die akribische Suche des pensionierten Oberstudienrats Wallner, einem leidenschaftlichem Ortschronisten, der die Suche nach dem hilfsbereiten Unbekannten in seinem „Wahrhaftigen Bericht über einige Vorkommnisse im April und Mai“, der in der Heimatkundlichen Schriftenreihe des Landkreises erschienen ist, zusammenfasst.

Viele Spuren von Zemlas Aufenthalt in Pfaffenhofen ließen sich im nachdenklichen Text erkennen, der mitunter auch mit leisem Vergnügen die skurrilen Bewohner der Kleinstadt schildert – Ähnlichkeiten sind sicherlich nicht ganz unbeabsichtigt. Es zeichnet sich aber auch ein Grundthema in Zemlas Schaffen ab: Die Beobachtung des Menschen in seiner Individualität und des Miteinanders der Menschen allgemein – für das er sich ab und an mehr Achtsamkeit und Würdigung der kleinen Momente des Glücks wünsche, so Zemla.

Mit Peter Zemla, der sich kurz vor seiner Abreise noch ins Goldene Buch der Stadt Pfaffenhofen eintrug, verlässt der fünfte Stipendiat Pfaffenhofen.
Ab August ist damit auch wieder die Bewerbungsphase für das Lutz-Stipendium für Literatur in Pfaffenhofen eröffnet. Informationen und Richtlinien zum Stipendium sind auf der Internetseite der Stadt unter www.pfaffenhofen.de/lutzstipendium zu finden.
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