Von den ersten Stellwagenfahrten zum Stadtbus – Der Personennahverkehr in Pfaffenhofen im Wandel der Zeit

Personennahverkehr im 19. Jahrhundert: Derartige Stellwagen verkehrten zwischen Ingolstadt und Lohhof und machten auch in Pfaffenhofen Halt (1863). (Foto: Andreas Sauer)
 
Bekanntmachung zur Einrichtung einer zweiten Postomnibuslinie zwischen Ingolstadt und Lohhof (1859). (Foto: Andreas Sauer)
Im Laufe des 19. Jahrhunderts setzten im Königreich Bayern Bestrebungen ein, das Verkehrswesen zu verbessern. Als Folge des Baus der ersten Eisenbahnlinien ab den 1830er Jahren sollte auch die Landbevölkerung Anschlussmöglichkeiten erhalten, um mit dem Zug in die Metropolen reisen zu können. In Pfaffenhofen nahm der Personennahverkehr Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Anfang.

Postomnibusse und Stellwagenfahrten
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts übernahmen meist die Boten der Stadt Pfaffenhofen die Gepäck- und Personenbeförderung in die Großstädte München und Ingolstadt. Nachdem nahezu die gesamte Bevölkerung am Ort oder in der nächsten Umgebung arbeitete, bestand jedoch kein großer Bedarf an Personenfahrten in andere Orte.

Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie München–Freising–Landshut im Jahr 1858 begann sich jedoch die Situation zu verändern. Neben einer ersten Postomnibus-Linie, die von Eichstätt über Ingolstadt und Pfaffenhofen nach Lohhof fuhr, wo am dortigen Bahnhof eine Einstiegsmöglichkeit in die Züge nach München und Landshut bestand, richtete die zuständige Verkehrsgesellschaft eine weitere Linie ein, die zwischen Lohhof und Ingolstadt verkehrte.

Bald darauf gewannen die sogenannten „Stellwagenfahrten“ an Bedeutung. Die Stellwagen, die in der Regel 15 bis 20 nummerierte Sitzplätze besaßen, boten der Bevölkerung zusätzliche Reisemöglichkeiten an Orte mit Bahnhöfen, um von dort mit der Dampfeisenbahn weiter entfernt gelegene Orte erreichen zu können. Der Fuhrunternehmer und Stadtbote Wilhelm Ecker in Pfaffenhofen bot derartige Fahrten mit seinem Wagen an.

Neben dem 1839 gegründeten Bürgerverein Pfaffenhofen nutzten auch die Mitglieder der Liedertafel diese Möglichkeit, um 1861 nach Mainburg oder zwei Jahre später nach Aichach Ausflüge zu unternehmen und an Sängertreffen teilzunehmen.

Einrichtung von Motorpostlinien nach 1900
Mit der Einrichtung der Lokalbahnen von Wolnzach–Bahnhof nach Wolnzach–Markt 1894 bzw. nach Geisenfeld 1906 einher ging die Einrichtung der ersten Motorpostlinien. Die über Pfaffenhofen führenden Verbindungen nach Schrobenhausen (1906) und Scheyern ermöglichten jetzt vielen Einwohnern im ländlichen Raum einen Zugang zu den Bahnhöfen der Umgebung.

Die Motorwagen besaßen einen Laderaum von vier Metern Länge und zwei Metern Breite bei einer maximalen Zuladung von drei Tonnen. Steigungen bis zu 10% meisterten die Fahrzeuge problemlos.

Lediglich unterbrochen von den Weltkriegen bildeten diese Fahrmöglichkeiten vor dem Anbruch der Massenmotorisierung ab den 1950-er Jahren das bedeutendste Nahverkehrsangebot im Landkreis.

1996 – Der Pfaffenhofener Stadtbus nimmt Fahrt auf
Schon seit den 1980-er Jahren wurden in Pfaffenhofen neue Verkehrskonzepte diskutiert und Gutachten erstellt, die unter anderem eine Verkehrsberuhigung des Hauptplatzes und eine Ableitung des Autoverkehrs vorsahen. Auch städtische Buslinien wurden dabei ins Spiel gebracht.

Der Stadtbus wurde schließlich im Jahr 1996 eingerichtet. Nach dem erfolgreichen Probelauf mit zunächst einer Linie, die den Ortsteil Niederscheyern, die Ilmtalklinik und den Bahnhof ansteuerte und in Sulzbach wendete, wurde das Netz 1998 bereits auf drei Linien ausgebaut und bis heute schrittweise erweitert.
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