Theater zur Geschichte Afrikas ging unter die Haut

  Absolut beeindruckend war das Theaterstück „Die Weißen kommen“, mit dem die Berliner Compagnie am Samstagabend in der KulturAula der Grund- und Mittelschule gastierte. Der Internationale Kulturverein Pfaffenhofen (IKVP) hatte die renommierte Gruppe engagiert, die deutschlandweit bekannt ist für anspruchsvolles politisches Theater. Wie der IKVP-Vorsitzende Sepp Steinbüchler erläuterte, war das zehnjährige Bestehen des Vereins der Anlass für das Engagement, denn das Jubiläum sollte nicht nur mit einem Begegnungsfest gefeiert werden, sondern auch inhaltlich und künstlerisch wollte der Kulturverein einen Akzent setzen.

Die Berliner Compagnie, im Jahr 2009 mit dem nationalen Aachener Friedenspreis ausgezeichnet, hatte der Internationale Kulturverein auch bereits 2014, zu seinem fünfjährigen Bestehen, nach Pfaffenhofen eingeladen, und zwar damals mit dem Stück „Anderes als du glaubst“, bei dem es um Christen, Juden und Muslime ging. „Seitdem ist so viel passiert und so viele Flüchtlinge sind zu uns gekommen“, erklärte Steinbüchler, und weil auch in Pfaffenhofen inzwischen viele Geflüchtete aus Marokko, Eritrea, Nigeria, Tunesien

und dem Sudan leben, habe man sich jetzt für das Theaterstück über Afrika entschieden. Die Berliner Compagnie spielte ihr Stück „Die Weißen kommen“ an diesem Abend zum letzten Mal. Bereits seit neun Jahren hat die Gruppe es in ihrem Repertoire, und rund 100mal hat sie es erfolgreich in zahlreichen deutschen Städten aufgeführt.

Das Publikum erlebte eine rasante Reise durch die Geschichte Afrikas, mitreißend gespielt von Natascha Menzel, Jean-Theo Jost, Dimo Wendt und dem „Kopf“ der Gruppe, H. G. Fries. 90 spannende Minuten lang agieren die Vier ohne Pause, und sie fordern auch ihrem Publikum einiges ab. Starke Texte aus der Feder von Helma Fries und Elke Schuster, licht- und bühnentechnisch perfekt unterstützt von Wulf Jahn, machen die Geschichte lebendig und gehen unter die Haut. Da schämt man sich, ein Weißer zu sein: Seit die Europäer den Schwarzen Kontinent erobert haben, nutzen sie das Land und die Menschen brutal aus – von der Kolonialisierung über Sklavenhandel und Völkermord bis zur aktuellen Rohstoff- und Flächenausbeutung.

Die vier Figuren auf der Bühne agieren dabei wie in einem Computerspiel und haben verschiedene Aufgaben zu erfüllen, um ins jeweils nächste Level zu gelangen. Die wichtigste Regel dabei: Kein Mitleid! Und die nächste: Nur der Profit zählt! Wer Mitgefühl zeigt oder keinen Gewinn macht, ist sofort „weg vom Fenster“: Er wird zum Afrikaner und ist nun den Schikanen und der Gewalt der Weißen ausgeliefert.

So wechseln die Schauspieler immer wieder die Rollen. Sie starten als Banker und Broker, die mit gewinnträchtigen Aktien und Hedgefonds handeln und skrupellos Anleger werben: „Wenn dem Kaffeebauern nur fünf Prozent gezahlt werden müssen, dann gehören Ihnen 95 Prozent!“ In der nächsten Runde sind sie brutale, menschenverachtende Kolonialherren, die nicht nur Jagd auf Großwild, sondern auch auf „Neger“ machen. Einer nach dem anderen werden sie aber aus dem Spiel geworfen und müssen als Schwarze weitermachen. So zetteln sie eine Meuterei auf einem Sklavenschiff an und nehmen an der Revolution in Haiti teil – müssen aber teuer dafür bezahlen.

Es ist nicht einfach, dieses Spiel zu beenden, und genauso geht auch die Ausbeutung Afrikas weiter. Kinderarbeit in Bergwerken, Monsanto als Saatgut-Monopolist – Beispiele gibt es viele. „Die eine Hand stiehlt Afrikas Reichtum, die andere wirft Almosen hin“, sagen die Schauspieler, aber sie machen ihrem Publikum am Schluss doch Mut. Immerhin gibt es viele Organisationen, Hilfswerke und Initiativen, die gute Arbeit in Afrika leisten und sich für Menschenrechte und fairen Handel einsetzen.
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