Mordermittlung mit Unterzucker – Jan Weiler eröffnet mit „Kühn hat Hunger“ die Pfaffenhofener Lesebühne

  Für viele Besucher war die gestrige Auftaktlesung der Pfaffenhofener Lesebühne wie ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten. „Kühn hat Hunger“ ist bereits der dritte Roman des Bestseller-Autors Jan Weiler, in dem er den Münchner Kult-Ermittler Martin Kühn mit einem Mordfall betraut. Was die Zuschauer im Theatersaal im Haus der Begegnung erwartete, war kein klassischer Krimi. Denn Kühn muss nicht nur zwei Mörder überführen, sondern sich auch wieder Herausforderungen privater Natur stellen. So verordnet er sich selbst eine Null-Diät, um das Liebesleben mit seiner Frau zu beleben, und auch die Affäre mit einer Kollegin macht die Sache nicht einfacher.

Weiler sorgte für die anfangs angekündigten „Temperaturschwanken“, indem er mit Kühns Monologen über Avocado-Gelüste die Zuschauer zum Lachen brachte, um sie im nächsten Moment mit nüchternen Schilderungen über den grausigen Tathergang in die Abgründe der menschlichen Seele mitzunehmen.

Um Rücksicht auf die „mitgeschleppten Ehemänner“ zu nehmen, verzichtete Weiler auf eine „quälende Fragerunde“ am Ende der Lesung. So blieb offen, ob die Täter überführt werden und ob Kühn seine Ehe noch retten kann. Die Neugierde der Zuschauer war aber geweckt und so war der Büchertisch im Foyer anschließend gut besucht. Dort nahm sich Weiler viel Zeit, um die erworbenen Bücher mit persönlichen Widmungen zu versehen.
Die Veranstaltung mit Jan Weiler war die erste von insgesamt fünf ganz unterschiedlichen Lesungen der diesjährigen Pfaffenhofener Lesebühne. Und so geht es weiter:

25. Oktober – Marie-Alice Schultz: „Mikadowälder“ und Marko Dinic: „Die guten Tage“
Marie-Alice Schultz, Pfaffenhofener Lutz-Stipendiatin 2017, liest aus ihrem ersten Roman „Mikadowälder“, einem emotionalen und klugen Buch über Liebe und Wahlverwandtschaft. „Die guten Tage“ ist der Debütroman von Marko Dinic, Lutz-Stipendiat 2015, über die alte Heimat, das Exil und die Rückkehr. Von seiner Wahlheimat Wien aus rollt der Erzähler in einem Bus durch die ungarische Einöde seiner Geburtsstadt Belgrad entgegen. Die Lesung findet am 25. Oktober um 20 Uhr im Strandbad Café am Freibad statt.

26. Oktober – Nicole Staudinger: „Ich nehm schon zu, wenn andere essen“
Nicole Staudingers Lesungen genießen den Ruf, etwas anders und außergewöhnlich zu sein. Sie ist Unternehmerin, hat zwei Söhne und hat den Brustkrebs besiegt. In ihrem neuen Buch „Ich nehm schon zu, wenn andere essen“ beschreibt die 37-Jährige einen typischen Weg zum Gewichtsverlust. Nach Erfahrungen mit Diäten, Abnehm-Trends, Jojo-Effekt und erfolglosen Abnehmversuchen hat die „Schlagfertigkeits-Queen“ es geschafft. Als sie ihr gesamtes Essverhalten ändert, purzeln die Pfunde. Ihren Weg beschreibt sie mit viel Selbstironie und Witz, sodass auf die Zuhörer ein unterhaltsamer Nachmittag im Hofbergsaal wartet.

26. Oktober – Steffen Kopetzky: „Propaganda“
In „Propaganda“ entführt uns der Pfaffenhofener Autor und ehrenamtliche Kulturreferent Steffen Kopetzky in den Zweiten Weltkrieg. John Glueck ist GI bei der Propagandaabteilung der US Army. 1944 kommt er in den Hürtgenwald bei Aachen, wo gerade eine der größten Katastrophen beginnt: die Allerseelenschlacht mit über 25.000 Toten. Zwanzig Jahre später in Vietnam muss John lernen, dass die Politik zynisch und verlogen ist, wie eh und je. Sein Weg führt ihn daraufhin von der vergessenen Schlacht im „Blutwald“ zu den Pentagon Papers.
Steffen Kopetzky spannt in seinem großen Roman einen Bogen vom Zweiten Weltkrieg nach Vietnam und taucht ein in Krieg und Lüge und beschreibt einen Mann, der falsche Wahrheit und verlogene Propaganda hinter sich lässt.
Kopetzky liest am Samstag, den 26. Oktober ab 20 Uhr im Festsaal des Rathauses.

27. Oktober – Laura Maire: „Ferrante lesen. Die Neapolitanische Saga“
Wer hinter dem Pseudonym Elena Ferrante steckt, das weiß niemand. Interviews gibt sie schriftlich, und entgegen ihrem ausdrücklichen Wunsch anonym zu bleiben, werden immer wieder Versuche angestellt, ihre Identität zu lüften. Das Nachrichtenmagazin „Time“ zählte Elena Ferrante 2016 zu den 100 einflussreichsten Personen weltweit. Mit der Neapolitanischen Saga hat Ferrante ein Jahrzehnt überspannendes Werk über die Freundschaft zwischen zwei Frauen geschrieben, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es beginnt im Neapel der 50er Jahre, als die forsche Lila und die eher besonnene Elena noch Kinder waren. Jahrzehnte lang bleiben sich die Frauen, trotz sich trennender Lebenswege, nahe. Aber es ist eine zwiespältige Nähe, bestehend aus Zuneigung und Missgunst. Als Lila spurlos verschwindet, blickt Elena auf das gemeinsame Leben zurück: auf Liebesaffären, Ehen, die Erfahrung von Mutterschaft, auf Situationen politischer Bewusstwerdung. Elena Ferrante beschreibt zwei eigensinnige, unnachgiebige Frauen, die sich in einer von Männern beherrschten Welt behaupten.
Die Schauspielerin Laura Maire bekam 2012 den Kulturförderpreis ihrer Geburtsstadt Pfaffenhofen. Die 39-Jährige hat sich vor allem als Synchronsprecherin in zahlreichen Filmen und Serien einen Namen gemacht und mehrere Hörspiele und Hörbücher veröffentlicht.

Laura Maire wird zum Abschluss der Lesebühne am Sonntag, den 27. Oktober um 16 Uhr im Theatersaal aus dem Werk von Elena Ferrante lesen. Dafür hat das Kunst-Additum des Schyren-Gymnasiums unter der Leitung des Künstlers und Kunstlehrers Matthias Wurm eigens ein Bühnenbild entworfen und umgesetzt.

Karten für alle Veranstaltungen gibt es zu je 10 bzw. ermäßigt 8 Euro im Vorverkauf bei der Buchhandlung Osiander, dem Pfaffenhofener Kurier, bei Elektro Steib und online unter www.okticket.de. An der Tages- bzw. Abendkasse kostet der Eintritt 12 Euro (ermäßigt 10 Euro). Alle Informationen zu den Literaturtagen 2019 findet man auf der städtischen Internetseite www.pfaffenhofen.de/lesebuehne und unter www.facebook.com/pfaffenhofener.lesebuehne.
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