Elektrisches Licht: Zeichen des Fortschritts und Attraktion für die Bevölkerung

Die Keimzelle der elektrischen Versorgung Pfaffenhofens und des Bezirks befand sich an der Abzweigung Schulstraße/Draht, wo die erste Anlage errichtet wurde (1908).
 
Anzeige der „Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft“ mit Sitz in München, die bereits im Jahr 1899 ein Baubüro am Hauptplatz eröffnet hatte (1899).
Die Anfänge der Stromversorgung in Pfaffenhofen
Das seit Jahrzehnten längst selbstverständliche Betätigen des Lichtschalters rief Ende des 19. Jahrhunderts noch allgemeine Begeisterung und großes Staunen hervor. Als Pioniere und fortschrittliche Unternehmer im Pfaffenhofen der 1890er Jahre erstmals elektrische Beleuchtung in der Stadt ermöglichten, war dies eine Sensation und der Beginn einer Entwicklung, die im Zuge des technischen Fortschritts Pfaffenhofen verändern sollte.

Pfaffenhofener Unternehmer als Vorreiter der neuen Technik
Insbesondere Mühlenbesitzer, aber auch Sägewerksinhaber und Fabrikanten öffneten sich als erste der aufkommenden Technik. Im Juni 1889 ließ der Kunstmüller Johann Schweiger in der Semmelmühle am einstigen Promenadeweg (heute Schulstraße 9) durch das Unternehmen Wechsler & Co. aus Neumarkt eine elektrische Lichtanlage installieren. Eine Bogenlampe vor dem Haus beleuchtete den Hofraum seines Besitzes, dazu konnte er Wohnzimmer und Stallungen mit elektrischem Licht erhellen.
In den folgenden Jahren folgten ihm weitere fortschrittlich gesinnte Unternehmer. Bald versorgte elektrischer Strom sowohl die Dampfsägerei des Freiherrn von Cetto an der Münchener Straße als auch das Wohnhaus des Maschinenfabrikanten Kaspar Stocker, wo am 14. November 1893 eine „elektrische Beleuchtungsprobe“ stattfand.

Weichenstellungen seitens der Stadt
Auch Bürgermeister Ludwig Lechner und sein Magistrat begannen sich für die neue Technik zu interessieren und besichtigten in umliegenden Städten bereits bestehende Anlagen und Elektrizitätswerke. Die „hier längst geplante Einrichtung der elektrischen Straßenbeleuchtung“, wie es im Amtsblatt hieß, wurde mit dem 1889 erfolgten Ankauf der Arlmühle eingeleitet, indem die Wasserkräfte gefasst und für den Antrieb von Motoren und Dynamos nutzbar gemacht werden sollten, doch scheuten die Räte noch die Kostenfrage. Im Juli 1892 hielt Ingenieur Bolze von der Firma Schuckert einen Vortrag über das elektrische Beleuchtungswesen und ging auch Fragen der Installation und der Finanzierung ein. Zu Demonstrationszwecken leuchtete damals am Hauptplatz versuchsweise die erste elektrische Bogenlampe in der Stadt.

Vor 125 Jahren: Vereinsbälle mit elektrischem Licht als große Sensation
Zur Faschingssaison 1893 nutzten mehrere Vereine in der Stadt die technische Neuerung und ließen durch die Firma Schuckert eine elektrische Beleuchtung in bunten Farben installieren. Pioniere waren damals Lehrer Karl Schweiger, sein Bruder Emanuel, der für die Stromversorgung Bayerns später so wichtige Josef Bergmeister und nicht zuletzt Carl Anderl, der neben seinen Leistungen auf dem Gebiet der Elektrifizierung Bayerns beim Ball des Velozipedklubs 1893 auch als Kunstradfahrer in Aktion trat.

Durchbruch um die Jahrhundertwende
Zunächst in kleinen Schritten entwickelte sich die Elektrifizierung Pfaffenhofens weiter. Das Jahr 1898 bedeutete einen Meilenstein. Mit der Übertragung einer Konzession an die Süddeutschen Wasserwerke AG Nürnberg durch die Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm am 5. Mai 1898 war der Weg frei für den Bau einer elektrischen Anlage und einer Dampfstation, die eine Leistung von 120 bis 150 PS erbrachte. Als Betriebsleiter fungierte der gebürtige Pfaffenhofener Josef Bergmeister.
Nun konnte die Elektrifizierung des Bezirks in größerem Stil beginnen. Beleuchteten im Jahr 1895 noch vier Bogenlampen den Hauptplatz der Stadt, so strahlten gut zehn Jahre später bereits 8630 Glüh- und 41 Bogenlampen an vielen Orten der Region. 291 Motoren wurden mit Strom versorgt und von den Werken in Pfaffenhofen und Hohenwart im Jahr 1911 bereits 250 Orte mit elektrischem Strom beliefert.
Die technische Neuerung hatte ihren Siegeszug erfolgreich angetreten, die Elektrifizierung erreichte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) bald auch die kleineren Orte im Landkreis. Die 1955 durch Fusion entstandene Isar-/Amperwerke AG übernahm bei nunmehr über 300 Mitarbeitern den weiteren Ausbau und die Verbesserung des Stromnetzes im Landkreis und in weiteren Gebieten Ober- und Niederbayerns.
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