125 Jahre Joseph Maria Lutz – und er bleibt in Pfaffenhofen lebendig

Bühnenbild des ersten Akts einer Aufführung des Lustspiels „Der Zwischenfall“ 1933 in Dresden
 
Emil Schön als Darsteller von Oberregierungsrat Dr. Mitscherlich (1933)
Mit den Paradiesspielen, die 2013 erstmals stattgfanden, hat die Stadt Pfaffenhofen vor fünf Jahren ein Format geschaffen, das wie keines bis dahin Leben und Werk des Schriftstellers, Bühnenautors und Pfaffenhofener Ehrenbürgers Joseph Maria Lutz (1893–1972) würdigt. Nachdem 2013 der in seiner Heimatstadt nach dem Erscheinen 1928 kontrovers diskutierte Roman „Der Zwischenfall“ zur Aufführung kam, rückt dieses Jahr das wohl bekannteste Werk von Lutz, „Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“, als Freilichtaufführung auf dem Oberen Hauptplatz in den Mittelpunkt.

Durchbruch und Dichterskandal: „Der Zwischenfall“
Zu seinem Stück „Der Zwischenfall“ animierte ihn, so erinnerte sich Joseph Maria Lutz später, eine Theateraufführung des Pfaffenhofener „Liederkranzes“ während seiner Studentenzeit. Eine musikalische Szene mit einem ihm typisch erscheinenden Beamten bewog ihn, ein größeres Werk zu schreiben, nachdem er bis dahin lediglich Gedichte und kürzere Stücke verfasst hatte. So nahm er besagte Szene als wichtiges Element in die Handlung auf, die er zunächst als Lustspiel konzipiert hatte, ehe er den Stoff nach erfolglosen Versuchen, es bei Verlagen an den Mann zu bringen, als Roman schrieb.
Durch glückliche Umstände fand er einen Verleger, der den „Zwischenfall“ 1928 herausbrachte. Schnell wurde das Buch zu einem großen Erfolg, innerhalb dreier Monate waren drei Auflagen des Werks vergriffen, und Joseph Maria Lutz hatte den Durchbruch geschafft.
An zahlreichen auswärtigen Bühnen gespielt, wurde Joseph Maria Lutz als Bühnenautor in den 1930er Jahren schnell einem größeren Kreis bekannt. In seiner Heimatstadt Pfaffenhofen blieb ihm jedoch anfangs die große Anerkennung verwehrt. Kritisch aufgenommen wurde hier, dass er im „Zwischenfall“ allzu deutlich erkennbar Charaktere und Beamte aus seiner Heimatstadt „verarbeitete“. Seitens des Pfaffenhofener Landratsamts wurde damals sogar erwogen, Anzeige gegen den Dichter und sein Werk zu erstatten, da sich der dortige Beamtenapparat „schwer getroffen“ fühlte. Das Innenministerium teilte jedoch nicht diese Ansicht, und die Angelegenheit wurde nicht weiter verfolgt.

Uraufführungen fernab der oberbayerischen Heimat
Joseph Maria Lutz, der schon bald nach dem Ersten Weltkrieg nach München gezogen war, um dort Kontakte zu Schriftstellern und Verlagen zu knüpfen, erlebte die Uraufführungen von einigen seiner Werke außerhalb Bayerns. So wagte sich nicht einmal die Münchner Theaterszene, wie die Bayerische Staatszeitung am 24. Dezember 1932 amüsiert bemerkte, an den Stoff zum Roman „Der Zwischenfall“. Dieser wurde erstmals im Schwarzburgischen Landestheater im thüringischen Rudolstadt gegeben. Die Aufführung des Lustspiels wurde zum ersten großen Erfolg des Bühnenautors, dem bald weitere folgen sollten.

Heimspiel für Lutz in Dresden

Nachdem der „Zwischenfall“ auch am Staatlichen Schauspielhaus in Dresden ein positives Echo erfahren hatte, fand dort am 15. November 1934 die Uraufführung seines bekanntesten Stücks „Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“ statt. Wie die Dresdener Presse schrieb, besaß Joseph Maria Lutz in der sächsischen Metropole „Heimatrecht“ und auch sein „gemütliches Spiel um eine ungemütliche Sache“, wie es im Untertitel seines „Brandner Kaspar“ hieß, wurde ein großer Erfolg. Anders als die „gängige Lederhosenromantik und Dorfdeppenkomik“, so die zeitgenössische Presse, schuf Lutz eine gelungene Verbindung von Volksstück und Mysterienspiel.
Bis heute wird der „Brandner Kaspar“ auf vielen Bühnen gespielt und begeistert weiterhin die Zuschauer, so auch bald wieder in Lutz‘ Heimatstadt Pfaffenhofen.
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