Reise in die bayerische Vergangenheit

Grundriss der ehemaligen gothischen Synagoge als Begegnungsstätte vom Künstler Dani Karavan
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Eine Reise in die Vergangenheit veranstaltete der Heimat- und Kulturkreis Pfaffenhofen am 18. Mai, und zwar eine Exkursion nach Regensburg zu einer Führung in den Untergrund des Neupfarrplatzes. Hier hat man bei Grabungen 1995-1997 Erstaunliches wiederentdeckt und daraus ein anschauliches Dokument der Geschichte Regensburgs gemacht, unter der Bezeichnung "Document Neupfarrplatz".

Die Reise beginnt noch oberirdisch bei dem Grundriss der ehemaligen Synagoge aus weißem Beton, geschaffen von Dani Karavan, einem israelischen Bildhauer von internationalem Ruf.

Darunter, in sechs Metern Tiefe, liegen die Reste des römischen Legionslagers Castra Regina (179 n. Chr. bis Anfang 5. Jh.) Davon sind Mauerreste zu sehen, und eine kleine Merkurstatuette aus Bronze in einer von drei Vitrinen mit sakralen Gegenständen aus drei Geschichtsepochen.

Ende des 10. Jahrhunderts wurde ein Teil des Areals, auf dem sich das Römerlager befand, den jüdischen Kaufleuten zugewiesen. Sie waren von den wohlhabenden Herzögen in Regensburg angesiedelt worden, weil sie erwünschte Luxusgüter importierten. Gut 5oo Jahre lang, bis 1519, lebte hier Süddeutschlands größte Judengemeinde, die unter anderem als Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit weithin bekannt war.

Grund für die Vertreibung im Jahre 1519 war der damalige wirtschaftliche Niedergang Regensburgs, den man fälschlicherweise den Juden zuschrieb. Wahre Ursache war die angestrebte Reichsunmittelbarkeit, auf die das bayerische Umland mit Handelserschwernissen reagierte.
Das bei den Ausgrabungen wieder entdeckte Judenviertel umfasste an die 40 Gebäude, z. B. Synagoge, Gemeindehaus, Badehaus, Hospital, Bäckerei, Metzgerei. Zum Zeitpunkt der Vertreibung lebten hier 500 - 600 Menschen. Sichtbar gemacht sind drei Kellerräume benachbarter Häuser, einer davon mit noch erkennbarem Tonnengewölbe und Lichtnischen sowie mit einem Aufgang ins Erdgeschoss. Außerdem kann man die weltweit einmalige Bronzefigur des Hohepriesters Aharon bewundern, die schon 1861 beim Bau der Neupfarrkirche zwischen den Bruchsteinen des zerstörten Judenviertels entdeckt wurde.

Unmittelbar nach der Vertreibung der Juden wurde das Viertel zerstört und auf dem Fundament der Synagoge eine hölzerne Marienkirche errichtet, die rasch zur Wallfahrtskirche aufstieg. Aus dieser Zeit stammt das dritte religiöse Exponat, die Wallfahrtsmedaille nach einem Entwurf des berühmten Regensburger Künstlers Albrecht Altdorfer.
Bald hatte die Wallfahrt genug Geld eingebracht zum Bau einer steinernen Kirche. Für ihr Fundament wurden Bruchsteine des zerstörten Judenviertels benutzt, sichtbar in einem Wandschlitz der archäologischen Anlage. Nach dem Übertritt Regensburgs zum evangelischen Glauben (1542) wurde diese katholische Marienkirche zur ersten protestantischen Kirche umgewidmet. So zeigt sich auch der religiöse Wandel - vom Glauben an römische Götter über Judentum zum Katholizismus und schließlich Protestantismus - auf diesen wenigen Quadratmetern Regensburgs, klar demonstriert durch die vier unterschiedlichen Devotionalien im Eingangsbereich des "Document Neupfarrplatz".

Autor:

Heimat- und Kulturkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm aus Pfaffenhofen

Augustin-Schwarz-Straße 5, 85276 Pfaffenhofen
+49 8441 803956
kontakt@hkk-paf.de
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