Hochtourenwochenende Fluchtkogel

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Fast zwei Stunden sind wir, Flo, Sven und Barbara, nun schon zu Fuß unterwegs und kämpfen uns im Schein unserer Stirnlampen den schmalen Wanderweg von Rofen im Ötztal hinauf zur Vernagthütte. Es ist stockdunkel, lediglich die Sterne am Himmel sowie die langsam unter uns abtauchenden Lichter des Gasthofes Geierwalli bieten eine Möglichkeit zur Orientierung. Vor wenigen Stunden bestimmte uns noch der Arbeitstrott. Jetzt geht es Schritt für Schritt den Berghang hinauf. Das Rauschen des Flusses im Talgrund wirkt beruhigend, mit jedem Schritt löst sich ein Stück der während der Arbeitswoche angefallenen inneren Anspannung. Anstelle von abgestandener Büroluft weht uns nun ein frischer Bergwind um die Ohren, es riecht nach Freiheit. Zeit abzuschalten, gibt es dafür einen besseren Ort als hier oben in den Bergen?

Mit Christoph, Ralf, Matthias und Hias wollen wir morgen Früh den Fluchtkogel erklimmen. Es wäre außerdem die Hochvernagtspitze geplant gewesen, doch für morgen Abend ist schlechtes Wetter angekündigt, so dass wir uns nur die eine Tour vornehmen. Die vier sind bereits am Vormittag aufgestiegen und haben den Winterraum der Hütte vorgeheizt. Wir sind erleichtert, als wir endlich den schwachen Schein der Hütte in der Ferne sehen und Gewissheit haben, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Der würzige Duft gegrillter Bratwürste weht uns entgegen als wir die kleine gemütliche Stube des Winterraums betreten. Über Karten und Führer gebeugt unterhalten wir uns bei Bier und Wein über die bevorstehende Tour.

Kurz nach fünf Uhr holt uns der Wecker aus dem Schlaf. Die Hütte ist über Nacht abgekühlt, dank des Feuers kommt die Stube jedoch wieder schnell auf Wohlfühltemperatur. Nach dem Frühstück und einer kurzen Besprechung geht es los. Der Zustieg führt uns über die scharfe Schneide eine Moräne. Über Nacht ist der Mond herausgekommen und erleuchten nun die uns umgebenden Berggipfel und die dazwischen eingebetteten Gletscher. Als wir den Guslarferner betreten ist die Sonne bereits über den Horizont geklettert. Die Luft ist noch immer kalt. Wir legen unsere Steigeisen an und bilden zwei Seilschaften. An furchteinflößenden Spalten geht es vorbei, gemächlich bahnen wir uns den Weg hinauf in Richtung Gipfel. Dank des Neuschnees der vergangenen Woche sind die Gletscher und Gipfel mit einer reinen weißen Schneeschicht überzogen, das Blau des Himmels trübt keine einzige Wolke.

Am Gipfelgrat haben wir eine atemberaubende Aussicht auf die Wildspitze und die umliegenden Schneegipfel der Ötztaler. Am Horizont sticht die Berninagruppe empor. Die Pause fällt kurz aus, denn es weht ein kräftiger, kalter Wind, der uns schnell auskühlen lässt. Wir liebäugeln mit einer Überschreitung und die erste Seilschaft bricht zum Abstieg über den schmalen, abschüssigen Westgrat auf. Doch nach wenigen Metern bleiben sie im tiefen Schnee stecken. Wir beschließen, umzukehren. Für ein paar von uns ist es die erste Hochtour und wir möchten kein Risiko eingehen. Nun geht es denselben Weg wieder hinunter, doch angesichts des grandiosen Panaromas und des strahlenden Sonnenscheins trübt dies unsere Stimmung keineswegs. So bleibt mehr Zeit zum genießen. Am Auslauf des Gletschers übt Christoph mit der „Anfängerseilschaft“ Spaltenbergung. Erstaunlich, was so eine Eisschraube aushält. Die „Profis“ Flo, Matthias und Hias machen sich schon auf den Weg zur Hütte und genehmigen sich einen Kaffee und ein Sonnebad.

Langsam ziehen Wolken auf, in wenigen Stunden wird es zu regnen beginnen. Wir packen unsere Sachen und machen uns an den Abstieg. Bei einem Weißbier und einer kräftigen Suppe lassen wir im Tal die Tour Revue passieren, bevor es mit schwachen Beinen, aber freiem Kopf wieder Richtung Bayern geht.

Barbara Huber

Autor:

Deutscher Alpenverein (DAV) aus Pfaffenhofen

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